Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (231).

Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (231).

 

Viret drängte zur eiligen Reise nach Zürich, die Calvin noch bis Pfingsten (20. Mai) hinausschieben will.

Verabredung einer Zusammenkunft zur gemeinsamen Beratung des Berner Pfarrerstreits.

Farels Brief wurde mir später, als er sollte, übergeben. Der Bote hatte ihn schon zwei Tage hier, ehe er wusste, dass ich zurück sei. Ich erhielt ihn erst donnerstags kurz vor dem Abendessen. Den deinen brachte mir Baudichon fast gleichzeitig. Es war niemand, der es für gut hielt, vor Pfingsten zu reisen. Vieles hält mich zurück. Dazu wird, wenn mich nicht alle Vermutungen täuschen, nicht vorher im Rat von Eurer Zitierung verhandelt werden. Es soll mich wundern, wenn nicht schon ein paar Tage verstrichen sind, bis nur die Botschaft hinkommt. Schon der Statthalter wird Euch zu Gefallen ein wenig Zeit hingehen lassen. Ich habe beschlossen, am Pfingstmontag nach dem Mittagessen aufzubrechen; so komme ich etwa Dienstagmittags nach Lausanne. Doch wäre es meines Erachtens der Mühe wert, auch Farel herbeizurufen, damit wir untereinander beraten können. Sorge also dafür, dass Farel auch an diesem Tag kommt. Denn du darfst jetzt keinen Schritt von Lausanne wegtun. Ich weiß zwar, welcher Zeitverlust für Farel die Reise sein wird, aber da vor allem eine gemeinsame Beratung nottut, so bewirke, wenns irgendwie möglich ist, dass er kommt. Wenn unsere Fürbitte bei den Zürchern etwas nützt, so kann man wohl dem Übel noch rechtzeitig abhelfen; auch wird sich schon irgendein Kunstgriff finden, die Sache hinauszuziehen, wovon wir dann mündlich verhandeln wollen. Lebwohl, bester Bruder und Freund. Der Herr sei mit dir und deinen Kollegen, stärke Euch und leite Euch mit dem Geiste der Klugheit und Mäßigung, des Eifers und der Standhaftigkeit, Amen. Grüße deine Frau angelegentlich von mir und meiner Frau. Meine Kollegen grüßen Euch vielmals.

Genf, 14. Mai 1548.
Dein
Johannes Calvin.

 

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