Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (222).

Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (222).

Philibert Berthelier, ein Gegner Calvins, war beschuldigt, mit gezogenem Degen durch die Straßen gelaufen zu sein und einen Bürger verwundet zu haben. Nicolas Druet, ein Anhänger Calvins, hatte bei dem Aufruhr vom 16. Dezember einen Syndic geohrfeigt, leugnete es aber. Maigrets Prozess, um den es schlimm stand, wurde von den Behörden in die Länge gezogen und sollte nun doch vor das Volk gebracht werden. Viret wurde von dem Zwinglianer Zebedee (vgl. 35) lutherischer Lehre bezichtigt; er hatte eine Schrift über das kirchliche Amt geschrieben. Viret und Farel waren Anfangs Januar in Genf.

Bemühungen des Königs von Frankreich um Genf. Die Prozesse in Genf.

Am gleichen Tag als Ihr abreistet, kam ein Gesandter vom König von Frankreich mit einem sog. vertraulichen Schreiben, [das er wieder zu sich nahm]. Er mahnte unsere Obrigkeit freundschaftlich, guten Mutes zu sein; aber Wachsamkeit sei doch nötig. Der Kaiser habe nämlich viele Truppen und sei mit allem Kriegszeug besser als je versehen, deshalb müsse man sich umso mehr vor seiner Hinterlist hüten. Deshalb riet er auch zur Einigkeit untereinander und zur Freundschaft mit den Eidgenossen; der König werde seinerseits sie nicht im Stiche lassen. Das war so der Hauptinhalt des Gesandtschaftsauftrags. Von hier reiste der Gesandte in Eilritten nach Solothurn.

Vorgestern wurden zwei Leute aus dem Gefängnis entlassen, Berthelier ganz straflos; denn die böse Gesinnung der Leute, die diese Sache gar nicht untersuchen wollten, trug den Sieg davon; die andern waren wieder einmal so schwach. Nicolas musste um Verzeihung bitten, wegen Beleidigung eines Syndics. Und doch hatte er nicht gestanden, etwas getan zu haben, vielmehr eher seine Unschuld erwiesen. Ebenso ungerecht ist es, dass er wegen seiner Behauptung, der Amtsdiener habe ihn falsch angezeigt (wie jedermann zur Genüge wisse) und Berthelier habe sich, mit Wissen des Rats, durch Verstümmelung zweier Zeugenaussagen der Lüge schuldig gemacht, zur Erklärung gezwungen wurde, beide seien Ehrenmänner.

Über Maigret ist ein heißer Kampf entbrannt, der aber ohne Konsequenz geführt wird. Eben jetzt ist eine Ratssitzung. Ich schreibe dies nämlich gleich nach der Predigt und weiß, weshalb. Der Bote kann dann gleich berichten, was vorgegangen ist.

Was den Tollkopf [Zebedee] angeht, der dir zu schaffen macht, so tuts mir leid, mehr um seinet- als um deinetwillen. Denn für dich fürchte ich nichts; aber die Lage der Kirche muss einen doch vor allem betrüben, die solche Schlangen am Busen nähren muss. Dein Buch will ich noch diese Woche durchlesen. Soviel ich von meinem Bruder und Matthieu vernehme, erwartet man mich in Basel. Ich schließe daraus, dass de Falais sich von uns mehr verspricht, als wir leisten können, da er nicht weiß, wie beschäftigt ich bin. Ich möchte, du könntest, wenn möglich, das übernehmen. Ich bin bis Anfang des nächsten Monats hier festgehalten, wie du weißt. Lebwohl, bester Bruder und Freund. Der Herr behüte dich samt deiner Frau und deinem ganzen Haus. Grüße alle Freunde von mir.

15. Januar 1548.
Dein
Johannes Calvin.

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