Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (143).

Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (143).

Begleitschreiben für die Waldenser Boten.

Als eine Schar frommer Waldenser Flüchtlinge hierher kam, und ich durch sie einiges erfuhr, was dir im Interesse ihrer Sache nicht unbekannt bleiben dürfte, war es mein Wunsch, es sollten gleich zwei von ihnen zu dir weiterreisen. Du wirst von ihnen erfahren, dass der Satan alles ins Werk setzt, um alle Welt gegen ihre Unterstützung einzunehmen und den Hass des Königs und seiner Höflinge, der schon heißer als recht ist, noch mehr zu erhitzen. Auch mich reißen die Schweizer, und zwar nicht nur die in französischem Sold stehenden, sondern alle, die epikuräisch [nur an ihre Ruhe] denken, wunderlich herunter, weil ich ihr Volk durch meine Aufdringlichkeit beim König von Frankreich verhasst mache. Aber nichts kann mich in meiner Pflicht, die nur zu notwendig ist, aufhalten.

Charles, unser Schulmeister, um des willen mich Sebastian [Castellio] so verleumdete, hat, ich weiß nicht von welcher Hoffnung verführt, seine Stelle verlassen. Wir haben Francois [Deotheus] zu seinem Nachfolger bestimmt; weil er aber schon einen Monatsgehalt im Dienst Eurer Schule empfangen hat, schien es uns passender, wenn er zuerst beim Berner Rat um Urlaub und Entlassung einkomme, was hoffentlich keine Mühe machen wird. Auch hat uns der Träger dieses, ein Oheim unseres Kollegen Pierre, um eine Empfehlung gebeten. Wenn du es nötig findest, so unterstütze die Empfehlung auch noch durch ein Wort von dir. Wir haben ihn immer als einen guten, einfachen, ruhigen und bescheidenen Mann gekannt. Man sagt, er habe in der Provence treulich und mit gutem Erfolge im Weinberg des Herrn gearbeitet.

Lebe wohl. Der Herr sei stets mit dir.

[9. September 1545.]
Dein Johannes Calvin.

Kommentare sind geschlossen.