Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel

Weggelassen sind einige Sätze über einen Prozess der Brüder Farels. Über Cordier. Etienne Dolet, französischer Humanist und Buchdrucker, galt Calvin seiner freien Anschauungen wegen als Satans-Diener. Über Olivetans Bibelübersetzung und Calvins Anteil daran.

Reorganisation der Schule. Nachrichten aus Frankreich.

– – – Was den alten Herrn angeht, der gegenwärtig mit Cordier unterhandelt, so wagen wir ihm nichts zu versprechen, bis Cordier selbst uns geantwortet hat, was wir von ihm erwarten dürfen. Die bessere Einrichtung unserer Schule ist auf seine Ankunft verschoben worden. Wenn er sich entschließt, der Unsere zu werden, und meint, der erwähnte Herr werde ihm eine passende Hilfe sein, so soll er ihn uns senden. Ich will ihn gern bei mir beherbergen, bis er eine feste Stellung erhält, und scheue die Kosten für ein bis zwei Monate nicht. Hat aber Cordier, erschreckt durch unsern letzten Brief, den früheren Plan aufgegeben, so wage ich nicht, dem guten Mann irgendetwas zu versprechen, bis wir mit unserer Behörde verhandelt haben. Obwohl ich, wie gesagt, gern seinen Lebensunterhalt ein bis zwei Monate bestreite. Ich bitte dich aber dringend, lieber Farel, lass nicht zu, dass Cordier den Ruf ablehnt, den man an ihn richtet. Denn es ist keine andre Hoffnung, die Schule wieder zu errichten, wenn er nicht, ohne an sich zu denken, sich hier in den Dienst des Herrn stellt.

Von Metz haben wir keine Nachricht. In Paris sollen ein paar gute Prediger sein; ich möchte aber nicht, dass du darüber in zu großer Freude oder besser in zu großem Vergnügen jubelst. Ich wünsche wohl, das Gerücht wäre wahr; aber ich glaube kaum die Hälfte davon. Die Briefe unserer Freunde rühmen den gegenwärtigen Stand unserer Sache auch nicht gar sehr. In Lyon ist wenigstens das Gute, dass jetzt Dolet den Psalter druckt und bald mit dem Druck der Bibel beginnen wird nach der Übersetzung Olivetans. Nun sollen die kommen, die es leugnen, dass auch der Teufel dem Herrn dienen muss. Die Unglücksbotschaft vom Tode Capitos hat mich so angegriffen, dass ich seither weder am Leib noch an der Seele wohl bin. Wenn dieser Brief zu dir kommt, ist wahrscheinlich schon einer von dir unterwegs, der uns auf dein Kommen hoffen lässt. Leb wohl. Grüße alle Brüder.

[Anfangs Dezember 1541]
Joh. Calvin in meinem und Virets Namen.

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