Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel

de Rognac, Jean de la Mark, Seigneur de Jametz und Robert de Val sind hugenottische Edelleute in Lothringen. Über Hermann v. Leyden vgl. Nr. 26. Der erwähnte Jean war wohl auch ein Wiedertäufer, vielleicht Jean Stordeur, der erste Gatte Idelette von Bürens. Der Name der beiden Mädchen, die bei den Heiratsplänen Calvins in Betracht kamen, ist nicht zu ermitteln

Von Caroli und Le Bel, bekehrten Wiedertäufern, neuen Heiratsplänen und Politik.

Ich beschwöre dich, lieber Bruder, wenn ich mit dir hadre, dich schelte, dir böse bin, dich anklage, nimms so auf, als ob du dir selbst diese Vorwürfe machtest. Wegen Caroli wird der Herr uns raten, wie gebessert werden kann, was etwa gefehlt wurde. Auch unsre Leute gestehen hier nun, dass sie milder gewesen sind, als nötig war. Aber weil bei uns die strenge Kirchenzucht nicht ist, die sein sollte, mussten sie ihn nachsichtiger behandeln, als sie eigentlich wollten. Der Hauptirrtum, der uns alle verführte, war die Meinung, er sei tatsächlich mit Euch versöhnt. Denn unter der Bedingung allein nahmen wir ihn auf, dass alle Abmachungen gültig blieben, unter denen er in Bonneville bei Euch in Gnaden aufgenommen wurde. Kommt er wieder zurück, so wollen wir uns hüten, dass Euch unsere Bereitwilligkeit nicht zum Nachteil werde. Hier könnte er, glaube ich, nichts schaden, auch wenn er wollte. Wenn er über uns schimpft, wird er kaum Gehör finden. Denn ich weiß, dass Herr Jametz, [bei dem er ist] von uns eine zu gute Meinung hat, als dass er kühnlich eine Beschuldigung zuließe. Auch ich, – um es zu gestehen, – habe ihm eine Empfehlung an de Rognac gegeben, aber des Inhalts, weil er zu Vernunft gekommen sei, sich zu uns geflüchtet, seine Schuld gestanden und unsere Verzeihung erlangt habe, hätten wir Hoffnung, er sei wirklich von ganzem Herzen zu uns zurückgekehrt. Deswegen bäte ich, dass ihm, wenn er sich nicht anders aufführe, als es einem Knechte Christi zieme, jene Zeit der Entfremdung nichts schaden solle. Er kam nicht zu de Rognac, hat also von meiner Empfehlung keinen Gebrauch gemacht. Alexandre [le Bel] aber wurde dort in Gnaden aufgenommen, vom Herrn de Robertval, in dessen Familie er früher schon, wie du weißt, gewesen ist. Als er dann nachher hierher geschickt wurde, schrieb ich de Rognac, mein Gewissen habe mir nicht erlaubt, ihn ins Haus aufzunehmen und mit ihm zu reden. De Rognac entschuldigte sich höflich, er habe unwissentlich gefehlt, da er nicht wusste, dass Alexandre gebannt sei. Er wird in der Fastenzeit noch mit seiner Gemahlin hierher kommen. Dann will ich ihm viel von Caroli erzählen. Was du beklagst, dass der heilige Dienst am Wort dort so kläglich zusammengebrochen ist, das ist tatsächlich so. Wohin man heute seinen Blick wendet, da hat man unzählig viel zu beklagen. Wenn ich so kein Ende absehe, möchte ich oft den Mut fast verlieren, wenn mich nicht der Gedanke aufrecht hielte, dass wir das Werk des Herrn nicht im Stich lassen dürfen, mag geschehen, was will. Doch gibt der Herr unter all dem Unglück zuweilen wieder etwas, das uns aufrichtet. [Der Wiedertäufer] Hermann, der in Genf mit uns eine Disputation hatte, bat mich um eine Unterredung. Er gibt zu, über die Kindertaufe, die Menschheit Christi und allerlei Anderes habe er sich schwer geirrt. In einigen anderen Dingen hat er noch einige Bedenken, doch ist gute Hoffnung, da schon so viel Schweres von ihm überwunden ist. Der Genosse Jeans hat endlich seinen Knaben, der schon ziemlich groß ist, zur Taufe gebracht. Ich hatte eine Zeitlang Nachsicht der Schwäche [des Kindes] wegen, da er sagte, das sei ihm der Hauptgrund zum Hinausschieben der Taufe. Schließlich sagte er, er wolle die Leute nicht aufhalten, deren hartnäckigem Dringen [auf die Taufe] er doch in keiner Weise widerstehen könne.

Was von einem Einfall des Kaisers hier geredet wird, ist eine Fabel. Die Unsern hatten [in der Umgebung des Kaisers] einen Mann, der alles durchschauen konnte. Es ist gewiss, dass von so ernsten Dingen überhaupt nicht die Rede war. Aber auf den 15. März wurde eine Zusammenkunft des Kaisers mit dem König [von Frankreich] in Amiens vereinbart. Wenn es dort zu einer Vereinigung zwischen ihnen kommen kann, so muss man mit Recht fürchten, dass sie sich zu unserm Untergang verschwören. Auch Ferdinand [von Österreich] wird dabei sein, der schon ein gut Stück der Reise zurückgelegt hat. Es geht auch das Gerücht, der Savoyer reise durch Italien heran, um über die tridentinischen Alpen nach Deutschland zu kommen. Sicher bleibt ihm keine Hoffnung, seine Gebiete wieder zu bekommen, wenn die Beiden in seiner Abwesenheit verhandeln. Die Unsern erinnern den Kaiser an sein Versprechen. Unterdessen aber schlagen sie Lärm, als ob der Krieg schon erklärt wäre. Vorigen Monat schienen sie allzu untätig: jetzt sind sie wunderlich aufgeregt.

Und trotz solches Kriegslärms habe ich Muße genug, ans Heiraten zu denken. Es wurde mir ein Mädchen angetragen, von Adel und mit einer über meine Verhältnisse gehenden Mitgift. Aber zwei Gründe schreckten mich von dieser Heirat ab, dass sie unsere Sprache nicht kann, und dass ich fürchte, sie könnte ihren Stand und ihre Erziehung immer zu sehr im Sinn behalten. Ihr Bruder, ein sehr frommer Mann, drang in mich, und das aus keinem andern Grund, als weil ihn die Liebe zu mir so blind gemacht hat, dass er nicht mehr an sich selbst denkt. Seine Frau wetteiferte mit ihm im gleichen Bestreben, dass ich fast genötigt worden wäre, meine Hand zu bieten, hätte mich der Herr nicht selbst frei gemacht. Denn als ich antwortete, ich werde nichts tun, wenn das Mädchen es nicht auf sich nehme, sich wirklich um die Erlernung unserer Sprache zu bemühen, da erbat sie sich Bedenkzeit. Ich sandte nun sogleich meinen Bruder mit einem andern guten Mann, eine andere für mich zu werben, die, wenn sie ist, was man von ihr rühmt, auch ohne Geld genug in die Ehe mitbringt; denn alle, die sie kennen, empfehlen sie mir ganz außerordentlich. Kommt sie, was ich sicher hoffe, so soll die Hochzeit nicht länger als bis zum 10. März hinausgeschoben werden. Könntest du doch hier sein, unsere Ehe einzusegnen! Ich wage aber kaum, dich darum zu bitten, weil ich dir voriges Jahr mehr Mühe machte, als gut war. Hätte ein anderer von den Brüdern im Sinne, uns zu besuchen, so möchte ich, dass ers auf diese Zeit verlegte, um dich vertreten zu können. Eigentlich mache ich mich lächerlich, wenn es jetzt etwa geschieht, dass meine Hoffnung enttäuscht wird. Aber im Vertrauen auf den Beistand des Herrn überlege ich mir die Sache schon, wie wenn sie sicher wäre.

Ich komme auf die Politik zurück. Weil der Kaiser durch den Erzbischof von Lunden unsern Fürsten sagen ließ, er habe den Plan einer Zusammenkunft nicht aufgegeben, hießen sie, um nicht unvorbereitet überrascht zu werden, einige gelehrte Leute nach Schmalkalden kommen, um über die Ordnung der Verhandlung zu beraten. Butzer wird noch vor dem 20. des Monats dorthin reisen. Lebwohl, bester Bruder. Der Herr behüte dich und alle deine Kollegen, die du in meinem Namen freundlich grüßen sollst, besonders Chaponneau, meinen [alten] Lehrer Cordier, Thomas, Cunier und Nicolas. Unsere Leute lassen dich grüßen; ich schicke diesen Brief durch Briton, den ich gerne noch ein Jahr länger hier behalten hätte, wenn ich seine Gründe nicht billigen müsste.

Straßburg, 6. Febr. [1540].
Dein Calvin.

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