Luther, Martin – An Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen.

Luther, Martin – An Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen.

16. Juli 1535

G. und Fried in Christo und mein arm Paternoster. Durchleuchtigster, hochgeborner Furst, gnädigster Herr! Es ist allhie Er Peter Juterbocks Lehen auf E. k. f. G. Stift durch sein Absterben los worden. So ist auch itzt unser Kaplan Er Johann Mantel diesen ganzen Winter bis daher mit Fährlichkeit des Schlags so betroffen, daß ich und ander der Kirchendiener deste mehr haben mussen ärbeiten. Und doch es billig ist, einen solchen alten Diener des Evangelii nu im Alter und Krankheit nicht zu verlassen. So bitte ich unterthäniglich, E. k. f. G. wollten solch Er Peters Lehen nicht ewiglich, sondern eine Zeitlang, bis unser gemein Kaste ihn versorgen muge, ihm gnädiglich zuordenen. Denn der gute Mann treulich gedienet bis daher, wohl werth ist, daß er seiner Arbeit genieße. Doch sofern, daß solch E. k. f. G. Begabung, wenn wirs bessern und empehrn konnen, wiederumb zur Universität komme, denn unser keiner ist (Gott Lob!) gesinnet, daß wir der Universität wollten etwie wundschen abzubrechen. Sonst mußten wir fur den guten Mann doch vielleicht anders sorgen von dem Unsern, welchs uns schwerer wurde sein. E. k. f. G. wollten sich gnädiglich erzeigen, dann heut oder morgen gehets unser einem oder anderm auch also. Es ist ein Arbeiter seines Lohns werth (spricht Christus). E. k. f. G. werden sich wohl wissen gnädiglich zu halten. Christus unser Herr sei mit E. k. f. G. hie und dort, Amen.

Freitags nach Margarethe 1535.

E. k. f. G. unterthänigster Martin Luther, Dr.

//Eingelegter Zettel://

E. k. f. G. wollten auch meins Er Hieronymus Weller gnädiglich gedenken, denn es ist ihm die Zeit lang, weil sein Geld sollt zur Zeit St. Philippi et Jacobi worden sein von Eisenach und er noch nichts hat, dazu auf meine Kost zehren muß.

Dr. Martin Luther’s sämmtliche Werke
Briefwechsel
Bearbeitet und mit Erläuterungen versehen von
Dr. th. Ernst Ludwig Enders
Zehnter Band.
Briefe vom Februar 1534 bis Juli 1536
Calw & Stuttgart.
Verlag der Vereinsbuchhandlung.
1903

Kommentare sind geschlossen.