Churfürst Johann Friedrich an Luther.

Churfürst Johann Friedrich an Luther.

Erbittet sich Luther’s Gutachten über die Resultate der zu Cassel gepflogenen Unterhandlungen des Landgrafen Philipp mit Bucer wegen der Lehre vom Sacrament.

Lieber andechtiger. Der hochgelarte vnser lieber getreuer, magister Philipp Melanchthon hat vns seins widerwegs von vnserm vettern vnd brudern, dem landgrafen alhie zu Weymar bericht gethan was handelungen zwischen im vnd den Buczer von Straßburg des artikels halben das hochwirdige sacrament des leibes vnd pluts Christi, vnsers heilands, belangend jetzt zu Cassel vorgefallen, auch den artikel, so genanter Buczer vnd andre, die bisher vor evangelische predicanten gehalten sein worden, des gemelten sacraments halben, wolten bewilligen, zulassen vnd also dazon leren, vns vorzeichent zugestalt, wie Ir den inliegend befinden wirdet. Wann dann dieser handel groß vnd wichtig vnd wir als dennoch kainerley hierin anzusehen gedenken noch wollen, dann was wir mit got vnd guetem gewissen vnd on ergernuss beschehen vnd zugelasen werden mag, ßo ist an Euch vnser gnedigs begern, Ir wollet magister Philipsen bericht von im anhoren vnd die eingelegte vorzeichniß sehen vnd erwegen, auch vns Ewer maynung, ob Ir dieselben, ßo solchen artikel vnd wie der verzaichnet ist, irgend inhaltet oder annehmen wurdet, gern verdampnen wustet oder nit, damit wir herwider zuerkennen geben, vns jegen vnsern vettern vnd brudern den landgrafen vf hergewands anschreiben antwort mugen widerfaren lassen, so haben wir den hochgelarten vnsern rad vnd lieben getrewen Gregorien Bruck doctor befel gegeben, weil wir in jetzt anheym erlaubt, mit Euch von vnsertwegen hiervon freuntlich zu reden, das wollet willig von im anhoren. Solchs seind wir gegen Euch in gnaden vnd gutem zuerkennen geneigt. Datum Weymar Dinstag nach Epiphanie 1535.

Quelle:
Dr. Martin Luthers Briefwechsel
Herausgegeben von Dr. C. A. H. Burkhardt
Leipzig
Verlag von F. C. W. Vogel
1866

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