Anna von Limburg, Aebtissin zu Herford, an Luther

Anna von Limburg, Aebtissin zu Herford, an Luther

14.April 1532

Den werdigen Hochgelerden H. Doct. Mart. Luther tho Wittenberg, unsern besunders leven andechtigen.

Wy Anna van Lymborch, van gades gnaden des fry Edeln stichtes Hervord, Paderbornsches kresams Ebdisse.

Unseren gunsten undt früntlicken groit voran. Werdige, Hochgelerde, leve andechtige! So unse leven getruwen und underthane, de fraires bynnen unser Stadt Hervorde, dorch mannichfoldige anclage, uns hebn doen behanden eyn boycklen, meldende den stand eres Levendes, welcker I. L. als wy bericht, christlick und uprichtig erkant, Synt unse getruwen, de van Hervorde, darmede nicht gesediget, dan allet vor sick genomen ere guder, und hebbent up to schreven, unangesehn wy enne solkes verbaden, nahdem de sülften fraires up unsen grunde gesetten, und etliche unser Lehen und pachtguder in gebrucke hebben, auck unser Overicheit und Exemption underworpen. Dwyle sick dan de vorgenanten fratres erer sake up uns, als der Overicheit alhyr, tho rechten erboden, des wy auck dagelestungke up negest komenden Godensdach na Misericordias Domini tho holdende angespalt, in andacht wo christlick und geborlick daryn vort to farende, erfaren wy nhu, de predicanten myt itlicken eren anhengern, villichte in meynungh, solcke antekungh und Boycklen, van I. L. recht erkant, ungehort, wowol se solkes to vorlesende enne vaken angeboden, wedder to leggende, an I. L. geferdiget. Nahdem dan de sulften also geschicket, der fratres byschifft und breve nicht mede nhemen wolden edder dorften, hebben se uns angefallen und gebeden, unsen Bodden tho vergunnen, enne solden solke ere Information an I. L. to dragende. Und so se dan hyr bevorn ere wesent schriftlick an I. L. hebben doen dragen, und noch degelix so dane horen to latende gewilliget, versehn wy uns genslick, se darynne keyn lögentall, sunder de luther warheit, als I. L. auck vermerket und erkent, und wy nicht anders vernemen, vorgedragen hebben, were darümme wol nodig, de predicanten und geschickeden underwyset worden, dat tho christlicken frede und enicheit gedyen mochte. Solkes wy I. L. dem almechtigen Gode befalen, guder wolmenungh unangeweiget nicht mogten laten. Datum Hervorde under unsen pitzer. Sondage Misericordias Domini im jar Christi vyftheyn hundert twe und dertich.

Anna

Dr. Martin Luther’s Briefwechsel
Bearbeitet und mit Erläuterungen versehen von
Dr, th, Ernst Ludwig Enders
Neunter Band
Calw & Stuttgart.
Verlag der Vereinsbuchhandlung.
1903

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