Herzog Albrecht von Preußen an Luther

12.4.1532

Unsern Gruß und gnädigen Willen zuvor. Achtbarer und Hochgelehrter, besonder Lieber! Uns hat der ehrbare unser Hauptmann zu Labiau, Rath und lieber Getreuer, Georg von Bendorf, in Unterthänigkeit vorgetragen, wie er seinen Sohn Quirin von Bendorf gegen Wittenberg, daselbst eine Zeitlang zu studieren, zu verschicken entschlossen, und aus sonderlichem Vertrauen, so er zu unserer Person trägt, gebeten, daß wir seinen Sohn an euch wollten gnädiglich fördern, damit er durch unser Förderung bei euch in eurer Behausung mit Essen, Trinken und anderer Nothdurft um gebührliche Erstattung unterhalten werden mocht, fürnehmlich der Ursach, nachdem derselbig Bendorf berichtet, wie ihr ohnedas etliche Böhmische Herren bei euch haben sollt und berührter sein Sohn neulicher Tage aus Böhmen kommen, auf daß er mit solchem Beiwohnen der Böhmischen Sprache nicht vergessen, sondern in Uebung behalten thät. Weil wir denn wissen, daß ihr junge geschickte Gesellen, welche des begierigen Willens, sich weiters zu versuchen und nach Redlichkeit und Kunst zu trachten, gerne fördert, als sind wir von wegen jetzt erzählter Ursachen auch desto geneigter, ihn an euch zu fördern, und ist demnach unser gnädiges Sinnen und bittlich Begehren, ihr wollet um unsertwillen, wenns euere Gelegenheit, gedachtes Bendorfs Sohn um gebührliche und genugsame Vergleichung in eure Behausung nehmen und gleich andern jungen Gesellen zu beständiger Lahre und aller christlichen Zucht und Redlichkeit, wie ihr zu thun wohl wisset und wir uach daran nicht zweifeln, unterhalten und ziehen lassen. Wo es aber euch nicht thunlich, ihn bei euch in euere Behausung zu unterhalten, so wollet doch denselben Knaben euch befohlen lassen sein, damit er mit einem gelahrten, christlichen und frommen Präceptor versehen werde. Daran thut ihr uns besonders gutes Gefallens, und wollen es um euch in Gnaden beschulden. Dat. Königsberg 12. April 1532.

Quelle:
Dr. Martin Luthers sämmtliche Werke.
Briefwechsel
Bearbeitet und mit Erläuterungen versehen von Dr. th. Ernst Ludwig Enders
Neunter Band.
Calw & Stuttgart
Verlag der Vereinsbuchhandlung
1903