Schriftliche Vermahnung einer Ehrsamen Obrigkeit zu Zürich an ihre Angehörigen der Herrschaft Grüningen die Widertäuffer betreffen.

Schriftliche Vermahnung einer Ehrsamen Obrigkeit zu Zürich an ihre Angehörigen der Herrschaft Grüningen die Widertäuffer betreffen.

UNsern günstigen Willen zuvor, Liebe Getreue! Ihr seyt ohne Zweiefel schon Jahr und Tage berichtet, wie einige sonderige Persohnen, zu denen sich einige andere, die sich selbst gelehrt schäzen, gestossen, und ohne allen Grund wahrer Göttlichen Schrift den armen einfältigen Menschen bey Euch und anderstwo fürgegeben, geprediget, und ohne alle Erlaubniß in der Kirche verkündiget, daß die Kinder-Tauffe nicht von Gott, sondern von dem Teufel gekommen sey, und nicht gebraucht werden solle; deßwegen sie auch eine Widertauffe erdacht, und viele in der Schrift unerfahrne Leute dahin gebracht, daß sie solche Widertauffe angenommen, und sich ohne Sünd und besser dann andere zu seyn geschätzet, woraus viel Widerwärtigkeit, Ungehorsam und Zerstörung Christlicher Liebe zwischen den Menschen, die zuvor wol einig gewesen, erwachsen, derowegen wir vormalen und jezt die Anfänger dieser Secte bey euch gefänglich angenommen, und dieselbige an Geld und auch am Leibe gestrafft. Dessen ungeachtet haben die arbeitseligen Widergetauffte, wie ihr wisset, so hoch und ernstlich um ein Gespräch, Disputation und um Recht angerufft. Ihr wisset auch, wie und was unsere Gesandten mit mercklichem Kosten vor euch gehandlet, und hinwiederum, was Eure Verordnete vor uns geworben, und daß wir über dieses alles, wiewol schon zuvor zwey Disputationen gehalten worden, und sich in allweg erfunden hat, daß die Kinder-Tauffe aufrecht erhalten, und die Widertauffe zu nichten gemachet worden, zum Ueberfluß Euch zu Lieb, Ehren und Gefallen in die dritte Disputation gewilliget, und alle diejenigen, die die Widertauffe beschirmen wollen, darzu beruffen. Als nun die Widertäuffer, Conrad Grebel, Felix Mantz, und Georg vom Hause Jacobs, genandt Blaurock, und ihre Anhänger wider Meister Ulrich Zwinglin, Leo Jude, und Caspar Großmann und andere Gelehrte drey Tage an einandern Morgens und Abends auf unserm Rat-Hause, und bey dem Grossen Münster öffentlich in unserm und männiglichen Beyseyn disputirt, und einjeder Gelehrter und Ungelehrter, wie ihr das gesehen und gehört habet, genugsam und ohne alles Hinderniß seine Meinung vorgebracht, hat sich doch zulezt erfunden, daß Meister Ulrich mit seinen Anhngern ihre Gegen-Partey mit den allerstärcksten aus den Göttlichen Schriften des Alten und Neuen Testaments genommenen Gründen, welche er in dem Büchlein, das er wider den Doctor von Waldshut geschrieben, und auf den gestirgen Tag heraus gegeben, zusammen begriffen, überwunden, die Wiedertauffe niedergelet, und die Kinder-Tauffe erhalten. Es ist auch in solchem Gespräch gantz offenbar worden, daß die Anfänger und Rädelsführer der Sectierer die Widertauffe aus frefnem, vermeßnem, übermütigem und unverschämtem Gemüte und keinem guten Grund herfür gezogen, und eine besondere Secte und Rott wider das Geheis Gottes, zu Verachtung zeitlicher Obrigkeit, zu Pflantzung alles Ungehorsams und Zerstörung Christlicher Liebe angefangen, wie dann ihre zänckische Weis, Worte und Geberde solches offenbahr anzeigen. Ihr wisset auch, wie sich euere Widertäuffer in Ansehung des Rechtens begeben, und daß sie versprochen, wenn sie mit wahrer Göttlichen Schrift eines bessern berichtet würden, sie sich gern wollten weisen lassen. Ueber dieses können wir euch nicht verhalten, daß wie wir benachrichtiget worden, einige Widertäuffer, wenn ihre Verführer geredt, hinzu gegangen, und mit Ernst zugehört, wenn hingegen die Beschirmer der Warheit die Kinder-Tauffe beschützet, sie hintersich gegangen, und nicht haben zuhören, noch recht gelehrt werden wollen. Endlich sind auch einige aus der Kirche geloffen, und haben gesaget, sie wollen heim und künfftighin tauffen, wie zuvor, sintenmal ihnen noch nicht genug geschehen seye. Wer wollte aber denselbigen genug thun? Welchen Gott selber nicht genug thun kan, denselbigen kan kein Mensch genug thun. Nun kommt uns üfr, daß einige bey euch sagen, man habe sie nicht genugsam angehört, oder ihnen ihre Worte im Hals ersteckt. Nun seyt ihr in unserm Kosten, welcher uns gantz nicht bedauret, von Anfang bis zum Ende in dieser Disputation gewesen, und habet auch im Beschlusse gehört, wie die Kinder-Tauffe erhalten, und die Widertauffe überwunden worden seye. Weil sich aber die verführeten, als die in ihrem Irrtum und elenden Fürnehmen erhartet sind, vernehmen lassen, daß sie von der Widertauffe nicht abstehen wollen, und ihr zuvor und jezt als fromme, ehrsame, und gehorsame Leute gewesen, und ob Gott will, auch künfftighin bleiben werdet, so ist unser Will, MEinung und Begehren, und wir wollen euch als die Unserigen hiermit ermahnet haben, uns in unverzogenlicher Antwort zu berichten: ob ihr uns helffen und Beystand thun wollet, die ungehorsame, widerwärtige Widertäuffer mit ihren Anhängern und Beyständern gehorsam zu machen, und zu straffen, oder ob ihr ihnen Beystand und Hilffe leisten wollet? Dann wir wollen euch in guter freundlich und gnädiger Meinung nicht verhalten, daß wir diese ungehorsame Widertäuffer, die Winckel-Prediger und das Zusammenlauffen und Rotten keines Weges leiden können, noch wollen, sondern dieselbigen mit Hilffe des Allmächtigen nach unserm besten Vermögen auszureuten, und abzustellen gesinnet seyen. Deßwegen ermahnen wir euch hiermit, uns und euch selbsten gemein und sonderlich vor grosser Unruhe, Kosten, Mühe und Arbeit zu seyn, und euch gegen uns in diesen und andern Sachen gutwillig zu erzeigen. Solches wollen wir euch zu gutem nicht vergessen. Datum am Mittwochen vor St. Othmar An. 1525.

Beyträge Zur Erläuterung der Kirchen-Reformations-Geschichten Des Schweitzerlandes
Johann Conrad Füßlin.
Erster Theil.
Zürich, bey Conrad Orell und Comp.
1741
und Leipzig bey Joh. Fried. Gleditsch.

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