Luther, Martin – An Melanchthon über die Taufe

Luther, Martin – An Melanchthon über die Taufe

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Was die Schwärmer gegen die Taufe der Unmündigen vorbringen, beunruhigt mich nicht: ‚Wer das glaubt und getauft wird, der wird selig1); die Unmündigen aber hätten keinen Glauben.‘ Wie wollen sie denn beweisen, daß sie nicht glauben? Etwa, weil sie nicht sprechen und ihren Glauben nicht bekunden? Wie schön! Sollte also Gott nicht auf diese Weise den Glauben in den Kindern, die im dauernden Schlafe liegen, bewahren können? – Aber wir haben ja noch den Glauben der Paten. Oder hältst du etwa den Glauben eines andern nicht für zuverlässig? Für mich ist nichts zuverlässiger. (Denn wer nur so betet, daß er nicht zweifelt,) fürden besteht die Verheißung Christi2): ‚Alles, was ihr bittet im Gebet, so ihr glaubt, so werdet ihr’s empfangen usw.‘ – Sonst könnten sie auch die 3) Aufnahme der Kinder in das Gesetz Moses verwerfen; da uns doch sicher ist, daß diese Sitte von gleicher Kraft wie die Taufe gewesen ist. (Und endlich:) Da das Kind zur Taufe bringen nichts andres ist, als es in die offenen Gnadenarme des gegenwärtigen Christus legen: warum zweifeln wir?

1) Mark. 16,16

2) Matth. 21, 22
3) alttestamentliche
Quelle:
Neukauf-Heyn Evangelisches Religionsbuch Teil IV B., Kleine Ausgabe. Lesebuch zur Kirchengeschichte für höhere Schlen von Ernst Heyn. Vierte verbesserte Auflage. Leipzig Verlag von Ernst Wunderlich. 1925
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