Luther, Martin – An Johann Lange (21.3.1518)

Luther, Martin – An Johann Lange (21.3.1518)

Wider mich donnern die Ablaßkrämer von der Kanzel herab, daß sie fast nicht schimpfliche Namen genug haben mich damit zu nennen; sie drohen auch und verheißen dem Volk, der eine, daß ich in vierzehn Tagen, der andere ehe ein Monat vergangen, verbrannt sein solle. Auch geben sie Streitsätze aus, so daß ich fürchte, sie werden noch vor viel und großem Zorn bersten. Die Freunde rathen mir, daß ich nicht nach Heidelberg gehen soll, damit sie nicht durch Tücke und Aufpassen vollbringen, was sie mit Gewalt nicht können. Ich will aber doch gehorsamen und zu Fuße kommen und geliebt’s Gott durch Erfurt reisen: wartet aber nicht auf mich, denn ich werde mich kaum die Mittwoch nach Quasimodogeniti auf die Reise machen. Unser Fürst, der dem ernstlichen Studium dieser Theologie herzlich zugethan ist, nimmt mich und Karlstadt ungebeten eifrig in Schutz und will durchaus nicht zugeben, daß sie mich nach Rom locken: welches jene wohl wissen und sich halb todt ärgern.

Daß ihr aber doch Nachricht habt, wenn ihr irgend etwas von Verbrennung der Tetzel’schen Sätze hören solltet und daß keiner die Sache vergrößere, so ist die Geschichte so: die Studenten, die auf das alte sophistische Wesen sehr verdrüßlich sind und hingegen nach der heiligen Bibel groß Verlangen tragen, auch wohl um meiner Gunst willen, hatten gehört, es wäre ein Mann aus Halle gekommen, der sei von Tetzel, dem Urheber der Sätze, geschickt. Sogleich sind sie zu ihm gegangen und haben den Mann bedroht, daß er dergleichen hierher zu bringen wage: einige haben etwas gekauft, andere aber auch ihn geplündert und das Uebrige ungefähr 800 Zeddel verbrannt, nachdem sie vorher kund gemacht und ausgerufen, daß, wer bei dem Verbrennen und dem Leichenbegängniß der Tetzel’schen Sätze sein wolle, sich um 2 Uhr auf dem Markte einfinden möchte. Und das Alles ohne Vorwissen des Fürsten, des Raths, des Rectors und unser allerseits. In der That ist mir und Allen das große Unrecht, das diesem Manne von den Unsrigen widerfahren ist, sehr zuwider. Ich bin außer Schuld, glaube aber doch, daß man mir Alles zuschreiben wird. Es ist überall viel Redens , am meisten aber bei Jenen und wird nicht unbillig von ihnen gezürnt. Was daraus werden wird, weiß ich nicht, nur daß meine Gefahr dadurch noch gefährlicher wird.

Wittenberg am Tage des h. Benedict (21. März) 1518.

Quelle:
Hase, Carl Alfred – Luther-Briefe in Auswahl und Uebersetzung für die Gemeinde herausgegeben Leipzig, Druck und Verlag von Breitkopf und Härtel 1867

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