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Schlagwort: Stiefel Michael

Luther, Martin – An Michael Stiefel (26.6.1532).

Luther, Martin – An Michael Stiefel (26.6.1532).

Gnade und Friede in Christo. Es hat euch, wie ich höre, sehr bewegt, lieber Michael, daß ich mit eurer Rechnung nicht bin zufrieden gewesen, da ihr doch meine aufrichtige Liebe gegen Euch wisset. Zudem habe ich ja allezeit gesagt, naß ich nicht sowohl anderer Meinung sei, als vielmehr, daß ich nicht einsehe, was ich auch jetzo noch gar nicht einsehe und begreife. Denn wozu dienete euch oder mir jene falsche Bejahung? Wenigstens vermutbete ich nicht, daß ihr durch solche gleichgültige Sache so würdet bewegt werden. Denn wenn der jüngste Tag vor Michaelis erscheinen wird, sündigt ihr nicht, die ihr das glaubt und sagt. Kommt er nicht, so haben wir nicht Sünde, die wir glauben, er könne jede Stunde kommen. Denn wer da glaubt, er könne jede Stunde kommen, der nimmt auch an, daß er vor Michaelis kommen könne. Was quält ihr euch demnach einer Sache halber, die auf beiden Theilen ohne Gefahr geschieht. Das sage ich euch, daß euer Unwille den Verdacht mir mehrt, es möchte der Satan euer begehren, euch zu sichten. Derhalben bitte ich, wollt mit Ablegung eures Unwillens zu uns kommen und unsre alte Freundschaft nicht verlassen, noch ändern. Gehabt euch wohl in Christo. Wittenberg, am 26. Juni des Jahres 1532.

Quelle:
Hase, Carl Alfred – Luther-Briefe in Auswahl und Uebersetzung für die Gemeinde herausgegeben Leipzig, Druck und Verlag von Breitkopf und Härtel 1867

Luther, Martin – An Michael Stiefel (22.10.1527).

Luther, Martin – An Michael Stiefel (22.10.1527).

Gnade und Friede. Lieber Herr Michael, ich habe die Historie von Leonhard Kaisern empfangen, aber unterdessen auch von seinem Vetter Alles wie Leonhard selbst mit eigner Hand es aufgezeichnet hat. Mit ehestem will ich sie Drucken lassen; Christus gebe dazu seine Gnade.

Bittet ernstlich für mich, der ich schier heftig von des Satans Engel geplagt und geschlagen werde, daß mich Christus nicht verlasse. Ach ich elender Mensch, wie gar ungleich bin ich dem Leonhard; ich bin mit vielen Worten ein Prediger des Worts, er aber hat sich beweiset als ein rechter gewaltiger Thäter dieses Worts. Ach daß ich deß würdig wäre, nicht mit dem Doppelten, nein nur mit der Hälfte eines solchen Geistes den Satan zu überwinden und dieß Leben zu lassen. Gelobt sei Gott, der unter so vielen Ungeheuern doch einmal uns Unwürdigen so einen herrlichen Anblick seiner Gnade hat schauen lassen, daran wir merken sollen, daß er nicht gar uns verlassen hat. Bittet für mich, mein Bruder Michael; Christus gebe, daß auch wir des Leonhard Nachfolger werden. Er heißet nicht allein König, sondern billig Kaiser; denn er hat den überwunden, deß Gewalt so groß ist, daß ihr kerne auf Erden mag verglichen werden. Zudem ist er nicht allein ein Priester, sondern ein rechter Bischof, ja Papst, der seinen Leib geopfert hat zu einem lebendigen, heiligen, Gott wohlgefälligen Opfer. Also heißt er auch recht und billig Leonhard, das ist, Leuen hart, denn er hat sich bewiesen als ein starker unerschrockener Leue: Alles ist in diesen Namen zuvor versehen. Er ist der Erste, der den Namen seines Geschlechts erfüllt und geweiht hat.

Eurer lieben Frauen dankt und befiehlt sich mein nun fast lallendes Hänschen; ich und meine Käthe wünschen ihr, daß sie mit ihrem Kinde seliglich leben möge in Christo. Pomeranus grüßt euch herzlich. Gehabt euch wohl in Christo. Am 22. October 1527. Euer Martin Luther.

Quelle:
Hase, Carl Alfred – Luther-Briefe in Auswahl und Uebersetzung für die Gemeinde herausgegeben Leipzig, Druck und Verlag von Breitkopf und Härtel 1867

Kayser, Leonhard – Brief an Michael Stieffel

Kayser, Leonhard – Brief an Michael Stieffel

Gnade und Friede von GOtt, unserem Vater und dem HErrn JEsu Christo. Freuet euch mit mir, mein allerliebster Bruder in Christo, daß der ewige, allmächtige GOtt, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, mich, seinen unwürdigen Diener und großen Sünder, werth achtet des seligen Berufs, daß ich vor der argen Welt seinen heiligen, süßen und gebenedeieten Namen bekennen soll; gelobet sei er in Ewigkeit. Amen.

Derselbe GOtt und Vater unseres HErrn JEsu Christi, der in mir angefangen hat sein Werk, der vollführe es auch, stärke und richte mein Herz, alle meine Sinne und was ich vorhabe, auf den Weg der Seligkeit; regiere auch meine Lippen, Mund und Zunge nach Wohlgefallen seines väterlichen Willens, daß sie aussprechen sein Lob und Preis, so lange ich sie regen kann, daß ja durch mich, sein schwaches untüchtiges Gefäß, nicht geschwächt, noch verlästert werde sein heiliges, reines und lauteres Evangelium, daß ich so oft und lange gehört habe, ach! wollte Gott, mit Frucht und zu Ehre und Preis seines heiligen Namens.

Daß ich nun dieser meiner Bitte gewährt werde und sie erlange: so setzt mit Ernst zu mir mit eurem hitzigen, herzlichen Gebet, und laßt euch ja hierin euren Leonhard Kayser befohlen sein. Vermahnet auch fleißig euer Völklein, daß es unsern lieben GOtt im Namen unseres HErrn Christi in rechtem Glauben und Zuversicht für mich armen Sünder bitte laut der herrlichen, tröstlichen Verheißung: Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen, und warum sie bitten, das soll ihnen unversagt sein, sondern widerfahren von meinem Vater im Himmel.

Lasset euch meinen Ulrich befohlen sein. Grüßet die ehrbare und gottselige Frau, die Wolfgang Georgerin und Fuchshuber, den treuen Diener Gottes und alle unsere Brüder. Die Gnade Gottes sei mit mir und mit euch allen, Amen. Aus meinem Gefängniß, Sonnabends vor Invokavit, Anno 1527.

Quelle:
Fick, C. J. Hermann Die Märtyrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche Zweite Auflage Heft 1 St. Louis, Mo. Gedruckt bei m. Niedner & Co., Ecke der 3. und Pinestraße 1854