Calvin, Jean – An Christophe Fabri in Neuchatel.

Calvin, Jean – An Christophe Fabri in Neuchatel.

Farels Kollege in Neuchatel, Christophe Fabri, hatte Calvin zu seiner Hochzeit eingeladen. Die Partei der Gegner Calvins errang damals eben in der Wahl ihres Führers Perrin zum ersten Syndic die Oberhand. Der Pfarrer von Vandoeuvres, Philippe de l´ Eglise, ein Anhänger Bolsecs und der Vertraute de Falais´, war wegen Wucher und leichtfertigen Lebens von seinen Kollegen beim Rat verklagt worden.

Absage auf die Einladung zur Hochzeit.

Dass dir eine [zweite] Ehe beschieden worden ist, freut mich sehr, weil es nach Urteil der Brüder sowohl dir persönlich angenehm, als der ganzen Kirche von Nutzen sein wird. Auch wenn mir das Mädchen nicht genügend bekannt ist, so habe ich doch, gestützt auf mancherlei Gründe, die Überzeugung, dass beides nach unserem Wunsch eintreffen wird. So haben wir Anlass, dir Glück zu wünschen und dem Herrn von Herzen Dank zu sagen. Ich hätte gerne deiner Hochzeit beigewohnt. Aber die Bosheit der Leute, die sich unaufhörlich zu ihrem und des Gemeinwesens Schaden als Tolle zeigen, hält mich zu Hause fest. Mit Recht nenne ichs Tollheit, denn so zügelloser Frechheit haben sie sich bis jetzt nicht hingegeben. Ihre frevlen Pläne zur Untergrabung des Glaubens, ihre krasse Verachtung Gottes, ihre pietätlosen Intrigen zur Spaltung der Kirche, den schmutzigen Epikuräismus ihres ganzen Lebenswandels will ich beiseite lassen. Nicht weil das nur geringe Übel wären, sondern weil es Euch ja nicht neu ist. Jetzt aber arbeiten sie darauf hin, die ganze Ordnung und die Verfassung der Republik zu zerstören. Hättest du einen Monat später geheiratet, so wäre ich vielleicht eher frei gewesen, jetzt darf ich keinen Schritt hinaus tun. Seit einem ganzen Monat bin ich nicht mehr zum Stadttor hinausgekommen, nicht einmal zur Erholung. Hätte ich nur keine so triftige Entschuldigung! Das böse Winterwetter sollte sicher meinem Wunsch nicht im Wege stehen. Wir wollen aber für deinen Ehestand recht beten, dass sein Nutzen auch uns zugute komme. Schon ein Gespräch mit dem Herrn Schultheißen und unserm lieben Farel durch drei kalte Tage und eine beschwerliche Reise zu erkaufen, wäre mir nicht zuviel gewesen. Doch hätte mir dazu auch der eine Grund vollauf genügt, den Gefallen, den du von mir wünschtest, ebenso gern zu tun, wie du ihn eifrig erbatest. Ich hoffe, ein andermal die Freunde besser besuchen zu können. Lebwohl, liebster Bruder im Herrn. Farel wird mir verzeihen, wenn ich ihm nicht besonders schreibe. Sage ihm viele Grüße von mir. Neulich ist Louis [Cugniez], der Pfarrer von Russin, den er so schwer an langwieriger Krankheit leidend traf, von uns geschieden. An seine Stelle ist Jean Macard gekommen. Mit Philippe haben wir noch zu schaffen. Auch Mathurin [Cordier] und die übrigen Freunde grüße angelegentlich von mir. Der Herr behüte Euch und leite Euch mit seinem Geiste. Amen.

Genf, 13. Januar 1553.
Dein
Johannes Calvin.

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