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Schlagwort: Caraccioli Galeazzo

Calvin, Jean – An Galeazzo Caracciolo, Marchese di Vico, in Italien.

Calvin, Jean – An Galeazzo Caracciolo, Marchese di Vico, in Italien.

Nr. 571 (C. R. – 2919)

Der Marchese war in Italien zu einer Zusammenkunft mit seiner Familie. Weggelassen sind allerlei unwichtigere oder schon bekannte Nachrichten, die ihm Calvin sendet. Über Giorgio Blandrata vgl. den vorigen Brief; Giovanni Silvestre Teglio, Gianpaolo Alciati (vgl. 419) und Nicola Gallo galten als seine Anhänger. Der verhaftete Valentino Gentile von Cosenza in Calabrien widerrief, wurde darauf frei gelassen und entfloh zu Gribaldo.

Die antitrinitarischen Unruhen in Genf.

– – – Unter Ihren Landsleuten hat Ihre Abwesenheit großen Schaden angerichtet; denn Sie wären der rechte Mann gewesen, vielen Unruhen entgegen zu treten, die eine nach der andern ausbrachen und noch fortdauern. Vor einiger Zeit sahen wir uns, nachdem wir alles versucht hatten, was an uns lag, genötigt, Messer Giorgio, Messer Sivestre und Messer Gianpaolo vors Konsistorium zu laden. Obwohl sie schwer gefehlt hatten, wurden sie doch mit einer recht sanften Ermahnung entlassen. Bald darauf geschah es, dass der armselige, närrische Doktor, umgetrieben durch sein böses Gewissen, als er einen Amtsdiener in die Vorlesung kommen sah, glaubte, man wolle ihn verhaften und sich eiligst davonmachte. Darauf kamen verschiedene Dinge zum Vorschein, die Abhilfe verlangten, und da eine Heilung und Reinigung nur möglich war, wenn vorher Klarheit geschaffen wurde, so dachte ich, ein einfaches, reines Bekenntnis sei eine gute, nützliche Probe, um jeden sich erklären zu lassen. Ich denke, Ihre Freunde werden auf meine Bitte hin Ihnen eine Kopie davon gesandt haben. Eines Tags nach der Vorlesung wurde nach Befehl der gnädigen Herren die Gemeinde versammelt ohne großen Lärm oder Aufsehen. Das Bekenntnis wurde vorgelesen und kurz erklärt mit starkem Hinweis darauf, dass man nur so vorgehe, weil es unbedingt nötig sei, und dann jedem freigestellt, zu äußern, was er dagegen zu sagen habe und seine Bedenken darzulegen. Das wurde dann auch mit solcher Frechheit und so über alles Maß hinausgehend getan, dass Sie sich entsetzt hätten, wenn Sie gehört hätten, was man sich von Gianpaolo bieten ließ. Schließlich erklärten sich aber alle zur Unterschrift bereit, sogar ein gewisser Valentino Gentile, der nicht mit den andern erschienen war, sondern Krankheit vorgeschützt hatte. Messer Gianpaolo suchte, sobald er sein Gift von sich gegeben hatte, alsbald das Weite. So dachten wir nun, die Ruhe sei wiederhergestellt, da jeder sich erklärt und verpflichtet hatte, sich an das Bekenntnis halten zu wollen, da er sonst als meineidig und ehrlos gelten solle. Doch hielt das nicht an, da dieser Valentino, der jetzt als doppelzüngig und unehrlich in Haft gehalten wird, im geheimen sozusagen Schule hielt, um seine Irrlehren auszubreiten, die ebenso abscheulich sind wie die Servets, wie es überhaupt die gleiche Sache ist. Seit er in der Gewalt des Gerichts ist, hat er so ziemlich gezeigt, dass er von Hochmut, Bosheit, Verstellungskunst und Unverschämtheit sein gut Teil hat wie kaum ein anderer. Wenigstens meiner hat er nicht geschont, sondern mich mit so vielen Schimpfworten überschüttet, als aus eines verzweifelten Menschen Munde gehen können, sogar schriftlich. Ich weiß nicht, wie die Sache ausgehen wird, aber der Anfang macht mir schon sehr zu schaffen. – – –

Genf, 19. Juli 1558.
Ihr Diener und ergebener Bruder
Charles d´ Espeville.

Calvin, Jean – An Galeazzo Caraccioli, Marchese di Vico in Genf.

Calvin, Jean – An Galeazzo Caraccioli, Marchese di Vico in Genf.

Nr. 484 (C. R. – 2380)

Caraccioli di Vico (vgl. 320) war unter den Genfer Refugianten einer der vornehmsten. Sein Vater gehörte zum höchsten neapolitanischen Adel; seine Mutter war eine Nichte des Papstes Paul IV. Caraffa. 1551 durch eine Predigt Vermiglis für das Evangelium gewonnen, verließt er Neapel und seine katholisch gebliebene Gattin, eine Tochter des Herzogs von Nozera, und zog nach Genf. Die erste Auflage von Calvins Kommentar zu den Korintherbriefen war de Falais gewidmet gewesen, da er sich mit diesem überworfen hatte, (vgl. ) setzte er Caraccioli an seine Stelle.

Lob des vornehmsten Refugianten Genfs.

Wäre mir doch, als dieser Kommentar zum ersten Mal erschien, der Mann unbekannt gewesen oder wenigstens recht bekannt, dessen Namen ich von dem Widmungsblatt, auf dem er bisher stand, nun streichen muss. Ich fürchte zwar nicht, dass er mir deshalb Unbeständigkeit vorwerfen oder sich beklagen wird, es werde ihm etwas entrissen, was ich ihm einst gegeben, denn er hat mit Fleiß danach getrachtet, nicht nur mir persönlich ein ganz Fremder zu werden, sondern auch mit unsrer Kirche nichts mehr gemein zu haben, so dass er nun gar keinen Grund mehr hat, sich zu beschweren; aber ungern gehe ich von meinem Brauche ab und tilge einen Namen aus meinen Schriften, und es tut mir leid, dass der Mann von der weithin sichtbaren Warte, auf die ich in gestellt habe, herabgestiegen ist, so dass er nicht mehr, wie mein Herz es wünschte, andern voranleuchtet. Übrigens, da es nicht in meiner Hand liegt, das wieder gut zu machen, so bleibe er, soviel an mir liegt, verborgen wie im Grabe: ich will seine Ehre auch jetzt noch schonen, indem ich schweige. Dir gegenüber aber, erlauchtester Mann, müsste ich mich entschuldigen dafür, dass ich dich an seine Stelle setzte, wenn ich mir nicht, im Vertrauen auf deine unglaubliche Freundlichkeit und deine allen unsern Freunden offenkundige Liebe zu mir, einfach diese Freiheit nehmen dürfte. Um wieder einen Wunsch auszusprechen -, hätte ich dich doch schon vor zehn Jahren gekannt, so hätte ich jetzt keinen Grund zu einer Änderung. Sieht man auf das Beispiel, das der ganzen Kirche gegeben werden soll, so ists gut, dass sie wenigstens keinen Schaden leidet, wenn der Mann vergessen wird, der sich uns entzogen hat, vielmehr an dir einen reichern, in jeder Hinsicht bessern Ersatz findet. Denn wenn du auch nicht nach dem Beifall des Publikums trachtest, sondern dich begnügst, Gott als alleinigen Zeugen zu haben, und wenn es auch nicht mein Vorsatz ist, dein Lob zu singen, so darf doch den Lesern nicht ganz verborgen bleiben, was nützlich zu wissen ist und Frucht schaffen kann. Nämlich ein Mann von höchstem Adel, reich an Ehren und Gütern, Gatte einer hochadligen, tugendhaften Frau, Vater zahlreicher Kinder, glücklich in häuslicher Ruhe und Eintracht und in seiner ganzen Lebenslage, hat freiwillig seine Heimat verlassen, um ins Lager Christi überzugehen; ein fruchtbares, angenehmes Land, einen herrlichen Erbbesitz, ein ebenso bequemes als schönes Schloss hat er für nichts geachtet, abgestreift hat er allen Glanz seines Hauses; auf Vater, Gattin, Kinder, Verwandte und Freunde hat er verzichtet. Nachdem er so aller Lockung der Welt den Abschied gegeben, begnügt er sich mit unsrer Dürftigkeit und führt ein einfaches, bürgerliches Leben, nicht anders als irgendjemand von uns. Freilich berichte ich das andern so, dass ich doch dabei nicht übersehe, was es für mich selbst bedeutet. Denn da ich deine Tugenden hier den Lesern wie einen Spiegel vor Augen führe, damit sie sich anschicken, dir nachzueifern, so wäre es ja schnöde, wenn ich, der ich sie aus der Nähe kenne, nicht durch die tägliche eigene Anschauung noch lebendiger erfasst würde. Weil ich nun erfahren habe, wie viel dein Beispiel zur Stärkung meiner Frömmigkeit beiträgt, und mit mir alle Kinder Gottes, so viele ihrer hier leben, bekennen, dass sie daraus Förderung empfangen haben, so halte ichs für der Mühe wert, wenn durch mein Lobpreisen eine ähnliche gute Wirkung auch auf weitere Kreise ausgeübt wird. Sonst wäre es ja geschmacklos, über einen Mann, dessen ganze Art aller Scheinsucht so fern steht wir nur möglich, vor Auswärtigen und Fernstehenden Lobreden zu halten. Wenn also einige Leute, denen du bisher wegen ihrer großen Entfernung von hier unbekannt geblieben bist, durch das hier gegebene wunderbare Beispiel angeregt, sich rüsten, es dir nachzutun und ihr Nest, an dem sie allzu sehr kleben, zu verlassen, so habe ich erreicht, was mein Schreiben wollte.

Denn das sollte unter Christen ganz allgemein und gebräuchlich sein, dass man nicht nur Güter, Burgen und Fürstenschlösser gleichmütig verließe, wenn anders man dort nicht Christi Nachfolger sein kann, sondern dass man sogar um seinetwillen gern und freudig drangibt, was als das Kostbarste unter dem Himmel gilt. Aber bei unser aller Trägheit oder besser Stumpfheit stimmen zwar viele dem Evangelium kühl zu, aber von hundert lässt kaum einer um des Evangeliums willen irgendein kleines Gütlein, das er besitzt, nehmen; kaum, dass er ohne viel Widerstreben dazu zu bringen ist, auf den kleinsten Vorteil zu verzichten; ganz zu schweigen davon, dass einer bereit wäre, auch sein Leben zu lassen, wie es sein sollte. Vor allem wünschte ich, es wären alle dir ähnlich in deiner Selbstverleugnung, die aller Tugenden Krone ist. Denn du bist mir der beste Zeuge und ich meinerseits dir, wie wenig uns die Art der Leute gefällt, die schließlich zwar ihr Vaterland verlassen, aber zeigen, dass sie die gleichen Leidenschaften, die sie dort bewegten, alle mitgebracht haben. Doch es ist besser, dass sich die Leser das bei sich selbst überlegen, als dass ichs hier weiter in Worten ausführe. Deshalb wende ich mich jetzt an Gott mit der Bitte, er, der dich bisher mit der Wunder wirkenden Kraft seines Geistes ausgerüstet hat, möge dir auch bis ans Ende unüberwindliche Festigkeit verleihen. Denn mir ist nicht verborgen, in welch furchtbaren Kämpfen dich Gott geübt hat, und in deiner außerordentlichen Klugheit schließest du selbst daraus, dass dir auch noch ein harter, mühevoller Kriegsdienst bevorsteht. Da du aus mancher Erfahrung gelernt hast, wie nötig wir es haben, dass sich vom Himmel her uns eine hilfreiche Hand bietet, so wirst du gern mit mir die Gabe der Beharrlichkeit von dort her erbitten. Ich will unsern König Christus, dem vom Vater alle Gewalt gegeben ist und bei dem alle Schätze geistlicher Güter liegen, anflehen, dass er dich uns lange erhalte zur Ausbreitung seines Reiches und dass er auch fernerhin in dir über den Satan und seine Anhänger triumphiere.

24. Januar 1556, zehn Jahre nach dem ersten Erscheinen dieses Kommentars.