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Schlagwort: Blarer Thomas

Schöbenhaber, Melchior – An Thomas Blaurer

Schöbenhaber, Melchior – An Thomas Blaurer

Memmingen 1537 Dezember 11

Deinen Brief habe ich samt den Schriften Calvins erhalten und danke Dir, daß Du diese an mich gesandt hast. Kann ich Dir in etwas dienen, so befiehl; Du wirst mich stets willig finden.

Datum 11. Decembris anno 1537.

Das Geld für die Bücher habe ich Deinem Verwandten Ehinger gegeben.

Briefwechsel der Brüder Ambrosius und Thomas Blaurer
1509 – 1548
Herausgegeben von der Badischen Historischen Kommission
Bearbeitet von Traugott Schieß
Band I
1509 – Juni 1538
Freiburg i. Br.
Verlag von Friedrich Ernst Fehsenfeld
1908

Ambroius Blaurer an Thomas Blaurer, 14.3.1536

Ambroius Blaurer an Thomas Blaurer, 14.3.1536

„Meine Frau brauch ich euch nicht erst zu empfehlen; sie rühmt in allen ihren Briefen eure Dienstwilligkeit; doch empfehle ich euch meine auch sonst genug empfohlene Wittwe. Sag der lieben Hausfrau, mich verlang so sehr zu ihr, daß ich doch einmal viel Ding mit ihr redete. Ich werd wohl halb vergessen, wo verzeicht, ehe ich komme; entbittet Gott treulich für mich. Ihr könnet euch leicht vorstellen, wie unbequem und unglücklich ich mich hier fühle. Ich lebe als ein Fremder. Stets neue Sorgen für die Kirchen nehmen mich in Anspruch. Vieles möchte ich ungeschehen, Anderes anders haben, und doch gelte ich Unschuldiger als der Schuldige für Alles. Die Kirchenvisitation, deren Beendigung mir vielleicht die Rückkehr zu euch gestattet, wird so oft ausgesetzt, daß sie wohl, wenn es so fortgeht, vor vollen zwei Jahren nicht zum Abschluß kommen dürfte. Unterdessen bin ich eures Anblicks und des Zusammenlebens mit euch und allen meinen Lieben, insbesondere mit meiner allerliebsten Frau beraubt, beraubt bin ich auch meiner Studien, beraubt auch aller der Dinge, welche dieses elende Leben erträglich machen und das Gefühl jener Leiden mildern könnten. Und was das Schlimmste ist, ich finde keine Gründe mich loszumachen, außer solchen, welche der Herzog gar nicht oder nur wenig gelten läßt. Doch sage ich dieses nur dir, denn ich möchte nicht, daß meine Frau von diesem Verzug erfahre; vielmehr soll sie durch die Hoffnung auf meine baldige Heimkehr aufrecht erhalten werden. Und vielleicht führt der Herr ja eine unerwartete Gelegenheit herbei, die mir die Rückkehr zu euch gestattet.“

Severus, Wolfgang – An Thomas Blaurer

Severus, Wolfgang – An Thomas Blaurer

Linz, 29 Oktober 1523

In meinem Brief an Agricola, dem ich von Passau aus auf Mahnung von Gundelius schrieb, habe ich Dich grüßen lassen und mich entschuldigt, daß ich nicht einen eigenen Brief an Dich senden könne wegen der Abreise in die Heimat. Nachdem ich kaum eine Nacht dort verweilt, wurde ich an den Hof meines Gönners gerufen, der mich freundlich empfing und dem ich versprechen mußte, den Winter bei ihm zuzubringen. Inzwischen forderte mich mein vertrauter Freund Erasmus Axinurus schriftlich auf, nach Linz zu kommen, und teilte mir nach der Begrüßung mit, daß er in zwei Tagen nach Wittenberg verreisen wolle. Gern mache ich Gebrauch von dieser Gelegenheit, Euch zu schreiben, wie ich bei der Abreise versprochen habe, obwohl nicht viel zu berichten ist, als daß Herzog Ferdinand allenthalben streng verbietet, das Evangelium unter dem Volk zu verbreiten. Manche gehorchen, den Lüsten frönend, nur zu gern; das einfache Volk aber erbarmt mich, das, was immer es hört, als Gottes Wort annimmt. Welch ein Elend, daß unter allen Pfarrern in dem großen Erzherzogtum keiner ist, der durch die Finsternis Christus sähe und seine Lehre auch nur mit den Lippen gekostet hätte; gegen alle Anhänger einer reineren Religion aber wüten sie. Christus lasse auch für uns das Licht seiner Gerechtigkeit die Finsternis durchbrechen. Ihr seid glücklicher, die ihr den wahren Apostel Christi, Luther, und so manche andere hören könnt. Lebe wohl, grüße Kaspar Cruciatus und Kilian; ich werde ihnen gern erwidern, wenn sie mir schreiben. Wenn etwas Neues geschieht, teile es mir mit und laß unseren Verkehr durch die räumliche Trennung nicht ganz unterbrechen.

Briefwechsel der Brüder Ambrosius und Thomas Blaurer
1509 – 1548
Herausgegeben von der Badischen Historischen Kommission
Bearbeitet von Traugott Schieß
Band I
1509 – Juni 1538
Freiburg i. Br.
Verlag von Friedrich Ernst Fehsenfeld
1908

Ambrosius Blarer an seinen Bruder Thomas 25.7.1522

Ambrosius Blarer an seinen Bruder Thomas 25.7.1522

„Vor allen Dingen sei dir kund gethan, daß ich unlängst (nemlich am 8. Juli) aus unserem Alpirsbach, wo ich nur allzulang gleich einem Kinde unter den Elementen der Welt diente, zu einer gemeinsamen und zugleich freieren christlichen Lebensweise unter dem Schutz Christi zurückgekehrt bin. Wohl eine kühne That, um welche mich Viele ins Angesicht schelten werden, aber die mir gleichwohl kein Gutgesinnter (wenn er nur die näheren Umstände genau kennt) übel auslegen mag. Denn was sollte ich thun? Der Abt war sehr böse auf mich, deßgleichen auch einige Conventsbrüder. Dann, um die übrigen Plackereien, denen ich fortwährend bloßgestellt war, mit Stillschweigen zu übergehen – in Betreff ihrer konnte ich ja hoffen, daß sie bald ihr Ende erreichen werden, oder sie mit ungebeugtem Muthe ertragen -: verboten war mir die fromme Beschäftigung mit jenen Schriften, welche mein in römischen Verordnungen ausgehungertes und vertrocknetes Herz allein tränken und stärken konnten, verboten war mir die Predigt vor dem armen Volke, durch welche ich dasselbe aus dem Rachen der gierigen Wölfe mit aller Macht zu entreißen versuchte; verboten war mir die Vorlesung, durch welche ich die Brüder unter den Mönchen von Menschensatzungen abzubringen und für die wahrhaft christliche Freiheit zu gewinnen gewohnt war; verboten war, um es kurz zu sagen, Christus selbst, der nirgends heller wiederstrahlt, nirgends gnädiger uns anblickt, als in jenem von ihm uns aus dem Himmel hernieder gebrachten Gotteswort: solche mehr als gottlästernde Gotteslästerungen konnte, ja durfte mein Herz nicht länger ertragen. Der Abt bewies sich mir bereits um Luthers willen überaus feindlich. Schon war der Name Luthers von ihnen allen mit öffentlichem Fluch belastet. Das hätte ich immerhin standhaft ertragen, wenn sie nur der Schrift die gebührende Ehre gezollt hätten. Aber so weit erstreckte sich bereits ihr Vorurtheil, daß sie Alles, was ich aus dem Evangelium oder aus Paulus mit Fleiß entlehnt hatte, verschrieen, als stamme es von Luther und sei darum ketzerisch und gottlos, wie sie denn auch gar keine Verantwortung meines Glaubens annehmen wollten. Eine Zeit lang übte ich mich wohl in christlicher Bescheidenheit und Geduld, so lange ich noch hoffen konnte, sie damit für Christum zu gewinnen. Darum beugte ich, obschon ich selbst zur christlichen Freiheit hindurch gedrungen war, meinen Nacken um ihretwillen gern unter das Joch des Gesetzes, ward den Juden ein Jude und wünschte mit Paulo ein Fluch für meine Brüder zu werden. Als ich aber gewahr werden mußte, daß ich damit gar nichts ausrichtete und daß sie meine Hoffnung Tag um Tag mit ihrer Hartnäckigkeit vereitelten (wie denn diese Art Leute überaus zäh an ihrem Aberglauben festhält), so erachtete ich es an der Zeit, an mich selbst zu denken, ehe ich durch längeren Verzug mich selbst mit ihnen ins Verderben stürzte. Diese Gefahr lag aber nahe. So ging ich denn gemäß dem Befehl Christi, der seine Jünger hieß, aus der Stadt zu ziehen, welche sein Wort nicht annehme. Im Vertrauen auf welchen Beistand und unter welchen Bedingungen ich aber schied, zu erzählen, das würde mich zu weit führen. Aber, höre ich dich entgegnen, du hättest das Aergerniß vermeiden sollen! Diesen Einwand habe ich mir oft und viel vorgehalten; da ich aber auch unter Jenen (wenn ich Christum nicht verläugnen wollte) ohne Anstoß nicht leben konnte, und die unwissenden Leute, die mir Tag um Tag vorwarfen, daß ich ihnen zum größten Aergerniß gereiche, mich fortwährend Ketzer schalten, bat ich sie wiederholt bei allen Heiligen um die Erlaubniß meines Abschieds. Da ich diesen nicht erhielt, ging ich auf das Dringen meines Gewissens, auf den Rath der Besten, mit der Hilfe Christi (denn daran darf ich nicht zweifeln) gegen ihr Wissen und Wollen, um vielleicht nie mehr zurückzukehren, wenn nicht zuvor dieser böse Geist aus den Mönchen durch den Geist Gottes ausgetrieben worden. Ob dieses jemals geschehen wird, weiß ich nicht; das aber weiß ich, daß der Aberglaube und die Werkgerechtigkeit sich bei ihnen bis zuletzt halten wird. Schreibe mir, welchen Lebensweg du mir einzuschlagen rathest. Mein höchster Wunsch wäre, bei dir zu leben. Könntest du unsere Mutter überreden, daß sie hiezu die Einwilligung gäbe, so würdest du mir hiemit den willkommensten Beweis deiner Bruderliebe ablegen. Lebe wohl. Bestelle tausend Grüße an unsern Philippus und ebenso viele an den großmächtigen Luther.“