Calvin, Jean – An den Parlamentsrat de Loynes in Paris.

Calvin, Jean – An den Parlamentsrat de Loynes in Paris.

Nr. 749 (C. R. – 4041)

Da das Pariser Parlament besonders guisisch gesinnt war, gegen die Mündigkeitserklärung des Königs heftig protestiert hatte, und erst vom König selbst sich zur Anerkennung seiner Handlungen zwingen ließ (vgl. 735, 736, 744), so hatte der evangelisch gesinnte Parlamentsrat de Loynes Calvin um Rat gefragt, ob er in dieser Behörde bleiben dürfe.

Mahnung zum Ausharren im Amte.

Monsieur, wiewohl ich bisher von Ihnen noch nie einen Brief erhalten hatte, so war es mir doch eine rechte Befriedigung, von Ihnen selbst Gutes zu hören, wie man es mir schon mehrfach gemeldet hatte und wofür ich Gott danke. Doch Ihr Brief hat mich noch viel mehr gefreut, weil ich daraus die freundliche Zuneigung erkannte, die Sie mir entgegenbringen; es war mir das zwar nicht unbekannt, aber ich war doch recht froh, dass ein neues Pfand mich dessen noch gewisser machte. Wenn ich nun betrachte, wie Gott sie geführt hat seit Ihrer Ankunft in Paris, so hatte ich darüber keinen Zweifel, dass Sie in großer Not waren, während Ihre Kollegen so wütend taten. Jetzt aber, da diese Leute, um nicht vernichtet zu werden, zahmer und sanfter werden mussten, können auch Sie über Ihr Verbleiben in diesem Stand Beschluss fassen, oder besser Ihren bereits gefassten Beschluss ausführen. Ja, mir scheint, Sie dürfen da gar nicht schwanken, und ich bin so weit davon entfernt, Sie davon abzuhalten, dass ich mich vielmehr anstrengen wollte, Sie dazu zu treiben, wenns nötig wäre.

Sie haben geruht, mich um Rat zu fragen. Ganz abgesehen nun von dem allgemeinen Prinzip, dass man ein Staatsamt nicht verlassen und nach Belieben aufgeben darf, ohne dazu durch Not oder Gewalt gezwungen zu sein, verpflichtet Sie die gegenwärtige Lage im besondern doppelt, auf der Erfüllung Ihrer Amtspflicht zu beharren, und wäre es nur, um zu sehen, wie Gott Sie darin brauchen will. Ich will nicht auf Sie einreden, um Ihnen beizubringen, wie Sie alle Schwierigkeiten überwinden müssen. Jedenfalls das Tapferste ist es, wenn Sie einfach die Augen schließen gegenüber allem, was kommen könnte, und dahin marschieren, wohin Gott Sie ruft. Es wäre ja wohl wünschenswert, dass Sie Begleitung hätten, aber ziehen Sie nur das in Rechnung, dass Gott Sie zum Kampf berufen hat, wie Sie es sich ja bereits zum Voraus überlegt haben werden, damit Sie sich recht tapfer halten.

Es ist verwunderlich, dass der Teufel so eifrigen Helfershelfer hat, die keine Mühe sparen, alle Richterstellen in ihre Gewalt zu bringen, da sie wohl wissen, dass das das beste Mittel ist, die Kirche Gottes zu unterdrücken, und die dem Übel widerstehen sollten, verlassen ihren Posten. Das heißt wirklich nicht handeln nach der Vorschrift St. Pauli, denen die Ursache abzuhauen, die sie suchen [2. Kor. 11, 12].

Man müsste vielmehr so handeln, dass Plätze frei würden, an die man dann Leute bringen könnte, die zur guten Partei halten. Es brauchte nur ein Dutzend rechte Leute, so fiele denen, die nicht Fisch noch Fleisch sind, das Herz in die Hosen, und das wären mehr als sechzig. Da Ihnen Gott aber schon gezeigt hat, was Sie zu tun haben, so brauche ich nur ihn zu bitten, er wolle sie stärken mit unüberwindlicher Tapferkeit, und er wird es tun. Machen Sie nur ohne Zögern vorwärts; denn wir sind sicher, alles gewonnen zu haben, wenn wir uns im Vertrauen auf seine Kraft anstrengen, zu tun, was er uns befiehlt.

Indem ich mich damit, Monsieur, Ihrer Gewogenheit ergebenst empfehle, bitte ich den Vater im Himmel, Sie in seiner Hut zu halten, Sie zu leiten mit seinem Geist und Sie in allem Guten vorwärts kommen zu lassen.

Genf, 5. November 1563.

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