Calvin, Jean – An Eustathius du Quesnoy in Frankfurt

Calvin, Jean – An Eustathius du Quesnoy in Frankfurt

Nr. 568 (C. R. – 2896)

Eustathius du Quesnoy (vgl. 467) war von Lausanne nach Frankfurt übergesiedelt; weggelassen sind einige Bemerkungen über die von den Lutheranern bedrängte französische Gemeinde in Frankfurt. Hubert Languet aus Burgund lebte als Freund Melanchthons in Wittenberg; durch seine Versuche, diesen mit Sebastian Castellio, Calvins altem Gegner, in Verbindung zu bringen, reizte er Calvins Zorn. Macard hatte aus Paris geschrieben, dass dort ein Brief Melanchthons an Castellio diesem Ansehen erwerbe. Über Baudouin vgl. 497.

Über Melanchthons Stellung zu Castellio.

– – Ich gehe zu anderm über. Hättest du geglaubt, dass Languet, der Genosse unseres Melanchthon, der mir durch deine Empfehlung bekannt wurde, so schändlich treulos wäre, wie ichs von ihm erfahren habe? Erstlich hat er durch listige Ränke und Schmeichelreden Melanchthon einen Brief abgelockt, den Castellio nun nicht etwa bloß Bekannten zeigt, weil er darin außerordentlich gelobt wird, sondern den er sogar allenthalben hinschickt, damit die gottlosen, verfluchten Wahnideen, mit denen er die ganze Welt ansteckt, Deckung finden sollen durch die Autorität eines großen Mannes. Languet selbst aber setzt sich gleichsam als der Orakelverkündiger Apollos auf den Dreifuß und berichtet, Melanchthon habe erst seine Witze darüber gemacht, dass Alchimisten wagten, über theologische Lehren zu urteilen, dann aber gesagt, es sei von diesem Hunde von Castellio nichts erschienen, was nicht ganz mit den Ansichten der Schule von Wittenberg übereinstimme! Diese beiden Briefe wurden schon lange in Paris herum geboten, bevor ich Abschriften davon erhielt. Auch in andern französischen Städten werden sie verbreitet, um durch die Autorität Melanchthons unvorsichtige und ungelehrte Leute zu blenden. Wenn du ihm bei nächster Gelegenheit schreiben willst und ihm mitteilst, dass ich seine verräterische Art verabscheue, so ist mir das ein Liebesdienst; denn ich weiß nicht, ob es sich schickte, wenn ich ihm selbst Vorwürfe machte. Für dich, durch den ich erst in Verkehr mit ihm gekommen bin, passt sich das wohl besser. Dazu kommt noch, dass in dem Briefe auch ein Gruß Baudouins an diesen Windbeutel von Castellio steht, woraus die Lauterkeit dieses Menschen, die wir ja freilich längst in ihrer wahren Gestalt erkannt haben, zu ersehen ist. Wenn man die schändlichen Schmeichelreden Melanchthons liest, mit denen er diesen Hund von Castellio streichelt, so schämt man sich mit Recht. Umso mehr verdient dieser Schwindler Languet Hass und Strafe, der einem so edeln Mann, dessen Name rein und fleckenlos zu bleiben verdiente, eine solche Freundschaft stiftete und ihm damit keine kleine Schmach antat. Lebwohl, trefflicher Mann und von Herzen verehrter Bruder. Der Herr behüte dich samt deiner Frau und deinem ganzen Hause; er leite und segne Euch stets. Grüße die Brüder von mir. Schreibst du Baudouin einmal, so kannst du ihn ja bitten, ob er nicht auch uns mit seinem lieben Freund Castellio aussöhnen wolle. Die Freunde lassen dich vielmals grüßen.

Genf, 21. Juni 1558.
Dein
Johannes Calvin.

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