Calvin, Jean – An Jean Mercier in Paris.

Calvin, Jean – An Jean Mercier in Paris.

Nr. 555 (C. R. – 2832)

Jean Mercier von Uzes studierte zuerst Jurisprudenz, dann Hebräisch und wurde Professor dieser Sprache am College royal in Paris. Er neigte zum Protestantismus, ohne sich ihm aber ganz anzuschließen, Rachamus ist das Pseudonym Jean Macards, des Pfarrers der evangelischen Gemeinde in Paris.

Berufung an die Genfer Akademie.

Wenn ich dir in einer sehr ernsten Angelegenheit nur in aller Kürze zu schreiben wage, im Vertrauen auf deine, wie mir scheint, sattsam bekannte Freundlichkeit, so weiß ich nicht, obs eine Entschuldigung braucht. Denn da ich vom Dorf aus schreibe, so mag schon das ein einigermaßen bäurisches Benehmen entschuldigen. Dazu kommt noch, dass ich krank bin, wovon dir unser Bruder Rachamus berichten kann. Doch wie gesagt, ich verlasse mich auf deinen rechtlichen Sinn und schenke mir jede weitere Entschuldigung. Nur das will ich noch rasch erwähnen, dass mich ein Schmerz in der Seite hindert, selbst zu schreiben, damit du nicht etwa meinst, ich treibe die Sache, von der du hören sollst, sozusagen oberflächlich, da sie doch des größten Eifers wert und mir so warm anempfohlen worden ist, dass ich gern bereit wäre, mich ihr ganz hinzugeben. Wiewohl du nämlich in Paris eine glänzende Stellung erlangst hast und manche Annehmlichkeit dich dort festhalten mag, so meine ich doch, ein Wohnsitz, der dich in kläglicher Knechtschaft und Angst hält, müsse nicht angenehm sein. So zweifle ich nicht daran, dass du, wenn du wählen kannst, lieber bei uns bescheiden lebst, als dort im Überfluss zu sitzen, wo du beständig zittern und vor Trauer fast umkommen musst. Nur eins fürchte ich, – wenn du nun übersiedeln wolltest, würdest du einen großen Verlust an deinem Gehalt erleiden, dessen Auszahlung in Kriegszeiten ja gewöhnlich hinausgeschoben wird. Auch vermute ich, einen noch stärkern Gegengrund werde es für dich bilden, dass dich Gott jetzt auf ein hochberühmtes Wirkungsfeld gestellt hat, wo du die Früchte deiner Arbeit sehen kannst, während du hier bei uns in einer dunkeln, unansehnlichen Winkelakademie dies nicht hoffen kannst. Aber wie, wenn dir Gott hier einen dir längst bestimmten Arbeitsstoff böte, dessen unschätzbarer Nutzen sich in alle Weite geltend machte? Eine bescheidene Stellung wird dir hier angeboten; aber du darfst sie doch nicht außer acht lassen. Wärest du geneigt, dich berufen zu lassen, so sollte auch meine schwache Gesundheit mich nicht hindern, dir die triftigen Gründe auseinanderzusetzen, die eine möglichst rasche Übersiedlung nützlich erscheinen lassen; um dir aber die Antwort ganz frei zu lassen, lege ich dir jetzt nur die Frage offen vor. Lebwohl, hochberühmter Mann und verehrter Bruder. Der Herr leite dich auch fernerhin mit seinem Geiste und behüte dich mit seiner Kraft; er mache auch, dass ich dir in dem, was ich mir jetzt am meisten wünsche, ein Helfer sein kann.

16. März 1558.
Dein
Carolus Passelius.

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