Calvin, Jean – An den Grafen Johann von Tarnow, Kastellan von Krakau.

Calvin, Jean – An den Grafen Johann von Tarnow, Kastellan von Krakau.

Nr. 479 (C. R. – 2371)

Aus dem Aufmunterungsschreiben, das Calvin an Tarnow, den Befehlshaber der polnischen Armee, richtete, sei nur der interessante Schlussteil gegeben.

Die Reformation eine staatserhaltende Kraft.

– – – Wenn deiner Klugheit nicht entgeht, welchen Ehrentitels der heilige Geist die gewürdigt hat, die er die Erstlinge Achajas nennt [1. Kor. 16, 15], so wirst du sicher auch danach trachten, heute unter den Schützern des in Polen neu erwachenden Evangeliums nicht der Letzte, und selbst nicht einer aus der Mitte zu sein. Rechne noch dazu, dass du in nichts [als darin] einen besseren Beweis deiner Treue gegen deinen allergnädigsten König bringen kannst. Denn wenn er auch im ruhigen Besitz des Thrones und Landes ist, so ist doch ein dauerndes Glück nicht besser zu erringen als durch Aufrichtung des Reiches Christi. Denn wenn Gott zwar auch darin sich als Hüter des Menschengeschlechts erweist, dass er die staatliche Ordnung auch unter weltlichen Menschen nicht zugrunde gehen lässt, so erhellt doch aus manchem Beispiel, dass nirgends sein Segen dauernd ruht, als wo der reine Glaube gepflegt wird. Wenn nun das Evangelium uns schon unermessliche Schätze des ewigen Lebens eröffnet, so ist doch auch nicht zu verachten, was als zweite Gnadenerweisung dazu kommt, dass Gott Königreiche und Fürstentümer, in denen man ihm die Herrschaft gibt, in seinen treuen Schutz aufnimmt. Wo deshalb die Gottlosigkeit des Papsttums niedergeworfen und an ihre Stelle an eine reformierte reine Frömmigkeit getreten ist, da blühen Gesetz und Recht, da herrscht größerer Respekt vor der Obrigkeit, da sehen wir überall das Volk in ruhiger Bescheidenheit sich halten. Umso unerträglicher ist die Böswilligkeit der Leute, die unsere Lehre frech verlästern, als bedeute sie die Zerstörung aller Staatsordnung, da doch die Erfahrung laut dafür zeugt, dass diese keine bessere Stütze hat. Davon kann dir unser lieber Bruder [Lismanino] mehr und besser reden, als dies in einem Briefe angeht. Lebwohl, vorzüglicher Mann und erlauchter Herr. Christus, der dich mit so außerordentlichen Gaben geziert hat, leite deinen Geist und alle deine Sinne, dass du sie recht brauchest zur Verherrlichung seines heiligen Namens. Er stütze dich mit seiner Kraft und schenke dir Segen aller Art bis ans Ende.

Genf, 29. Dezember 1555.

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