Calvin, Jean – An Valerand Poulain in Frankfurt.

Calvin, Jean – An Valerand Poulain in Frankfurt.

Über Poulain vgl. 190. Aus England war er mit einer kleinen Gemeinde flandrischer Weber geflohen und hatte in Frankfurt ein Asyl gefunden. Der spanische Refugiant, Juan Murelli, war sein Mitarbeiter in der Organisation der Gemeinde.

Glückwunsch zur neuen Stellung.

Dass du nach langem, schwerem Sturm endlich in einen Hafen gekommen bist, wo du doch wieder Mut fassen darfst, freut mich. Dass du dort aber auch eine Stellung gefunden, in der du dich nützlich machen und dich der kleinen Herde widmen kannst, die durch deine eifrige Wirksamkeit gesammelt worden ist, dazu wünsche ich nicht nur dir persönlich, sondern auch vielen frommen Brüdern, die davon Nutzen haben werden, Glück. Es ist ein trauriges, klägliches Schauspiel, diese zerstreuten Gemeinden zu sehen, wie Glieder eines in Stücke gerissenen Leibes. Aber wie, wenn diese Zerstreuung uns daran erinnert, dass die Zeit nahe ist, in der der Herr seine Kinder sammeln wird in den Himmel, die jetzt auf Erden kaum einen Ort finden für ihre Verbannung? Indessen gewöhnen sich die vertriebenen Brüder, die Pilger waren an Leib und Seele, an die letzte Wanderung. Damit sie sich nun in ihrem unsichern Asyl ruhig verhalten, musst du ihnen das Beispiel bescheidener Mäßigung geben. Darin wird dir, hoffe ich, dein Kollege, Herr Murelli, kein schlechter Helfer sein, dem gute Leute ein herrliches Zeugnis geben, ebenso wohl seines ehrlichen Sinnes und milden Geistes als seiner Lehre wegen. Grüße ihn vielmals von mir; meine Kollegen lassen Euch beide grüßen. Lebwohl, liebster Bruder. Der Herr sei allezeit mit dir; er leite dich mit seinem Geiste und segne dein Wirken.

Genf, 27. August 1554.
Dein Johannes Calvin.

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