Calvin, Jean – An Johann Philippson von Sleida in Straßburg.

Calvin, Jean – An Johann Philippson von Sleida in Straßburg.

Der Straßburger Historiker, Joh. Philippson von Sleida (Sleidanus), war mit Calvin wohl schon von seiner Studienzeit in Orleans her befreundet; er war in der Kommission zur Beaufsichtigung der französischen Gemeinde (vgl. 409). Zur Bemerkung über Melanchthon vgl. 411. Im Krieg zwischen Cosimo von Florenz und Frankreich nahmen die Türken im Bund mit Frankreich die Stadt Pästum ein.

Empfehlung der französischen Gemeinde in Straßburg.

Da ich kürzlich aus einem Brief unseres Bruders [Garnier?] vernahm, du seiest Mitglied der Dreierkommission, die der Rat zur Leitung der französischen Gemeinde eingesetzt hat, freute ich mich sehr, wie es sich gehörte, und ich hoffe, meine Freude werde dauernd sein. Denn ich bin der Ansicht, dass mehr von Gott als nach menschlichem Rat gerade dir diese Stellung übertragen worden ist, damit du nach deiner Treue und Klugheit wieder schlichtest, was der Satan bisher an Unruhen gestiftet hat, und verhütest, dass die Bösen weiter Ursache finden, Lärm zu schlagen. So ist nach meines Herzens Wunsch für die kleine Herde gesorgt. Wenn ich dich gar nicht mahne, deine Pflicht zu tun, so ists nicht, weil ich mich fürchtete, sondern weil ich es für überflüssig halte. Wie weit ich mich der Übereinstimmung Melanchthons auch nur in einem Punkte freuen darf, weiß ich nicht, da er in Hauptsachen entweder an die Philosophen verkauft ist und die reine Lehre offen bekämpft, oder, um sich nicht den Hass gewisser Leute zuzuziehen, seine Ansicht schlau, wenigstens zu wenig offen, verbirgt. Der Herr rüste ihn mit tapferem Geiste aus, damit nicht die Nachwelt schweren Schaden spüre von seiner Furchtsamkeit. Vor einem Vierteljahr sind in Aquitanien fünf oder sechs Leute verbrannt worden, in deren Tod Christus herrlich triumphierte. Auch hat kürzlich in einer Stadt venetianischen Gebiets, nicht weit von Volterra, ein frommer, mir wohl bekannter Mann Christum mit bewundernswerter Standhaftigkeit bis zum letzten Atemzug bekannt. Neues haben wir hier nicht erfahren, was Euch nicht ebenso gut bekannt ist. Lebwohl, trefflicher, hochverehrter Mann. Der Herr behüte dich samt deinen Angehörigen stets und segne dich. Von der türkischen Flotte ist sichere Kunde gekommen, dass sie nach Verbrennung eines Städtleins und Verheerung der Küstengegend mit fünftausend Gefangenen nach Griechenland zurückgekehrt sei.

Genf, 27. August 1554.

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