Melanchthon, Philipp – An Marggraff Joachim zu Brandenburg, Churfürsten rc.

Melanchthon, Philipp – An Marggraff Joachim zu Brandenburg, Churfürsten rc.

Gottes Gnade durch seinen eingebornen Sohn Jesum Christum unsern Heiland und wahrhaftigen Helfer, und ein neu seliges Jahr zuvor. Gnädigster Churfürst und Herr. E. Churf. G. christliche und fürstliche Schrift habe ich in Unterthänigkeit empfangen, und dabei Stancari und Musculi übergebene Erklärung ihrer Meinung, die ich alsbald durchlesen habe.

Nun ist es wahr, dieses Leben kann ohne fragen, zweifeln und disputiren nicht hingehen, wie auch zwischen den Aposteln Fragen fürgefallen. Es ist aber doch betrüblich, daß solcher Grimm und Haß dazu kommt, wie in vielen Schriften zu sehen, darnach Spaltung, Auslöschung rechter Anruffung, Verachtung ganzer Religion, Gottes grausame Straffen, Zerstörung und Verdammniß folgen.

Es sind aber in gedachter Erklärung zween Artikel; der erste von den modis loquende, oder communione Idiomatum. Da sollen billig beide Theil zufrieden seyn mit den Formen zu reden, die im Synodo Ephesina aus wohlgegründter Ursach wider Nestorium beschlossen sind.

Der andre Artikel ist vom Ampt des Mittlers. Nun erkläret diesen Artikel die Epistel zu den Ebräern selbst. Die weiset eben dieses, daß der Mittler des neuen Testaments sey Gottes Sohn, und gründet sich auf den Psalm: dicit dominus etc. So ist der Sohn Gottes Vorbitter gewesen auch vor der Menschen Verderbung, Psalm 2.: bitte von mir, so will ich dir die Heiden geben zum Erbtheil.

Dieweil man denn in beiden Sachen diese leidige Anfechtung hat, wie gesagt ist, können sich E. Chf. G. als ein hochlöblicher, christlicher, weiser und alter Churfürst selbst erinnern, was in diesen Sachen zu schließen sey, und hernach das Gezänk ernstlich verbieten. Ich kann auch aus Stancari Schriften nicht verstehen, wozu die göttliche Natur in Christo ist, wann sie nicht ins Mittleramt gehöret; Item, wer diese Worte des Sohnes verstehen will: glorifica me, pater, gloria ea, quam habui apud te ante constitutionem mundi. Von diesen ernstlichen Sachen ist nützlich in Gottesforcht und Demuth christliche Unterrede zu halten. Darum will ich E. Churf. G. Schrift und mit übersendte Erklärung den Legenten und Prädicanten allen auch fürtragen, und E. Chr. G. in 14 Tagen mit Gottes Hülf unser aller Bedenken zusenden.

Daß mich aber Stancarus so grausamlich schmähet, laß ich Gott und fromme Leut richten, die meine Arbeit wissen. Ich habe, so viel mir Gott Gnade geben, die Summa christlicher Lehr zusammenziehen müssen, da ich zur Visitation und Confession gebraucht bin worden, habe mich also in allen fürnehmen Artikeln verkläret, so viel mir möglich. Was aber Stancarus hält, weiß ich noch nicht, und wollte er etwas straffen, so sollte er es christlicher Weise thun. Davon aber zur andern Zeit mehr.

Der allmächtige Sohn Gottes, Jesus Christus, der ihme gewiß ein ewige Kirche im menschlichen Geschlecht durch das Evangelium sammlet, wolle Ewr. Churfürstliche Gnade, und Ew. Churf. Gnaden Gemahlin und junge Herrschaft allezeit gnädiglich bewahren und regieren. Datum 12 Januarii, Anno 1553.

E. Churf. G.
unterthäniger Diener
Philip. Melanth.

Corpus Reformatorum
Edidit
Carolus Gottlieb Bretschneider
Volume VIII
Hallis Saxonum
C. A. Schwetschke Et Filium
1841

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