Calvin, Jean – An Valerand Poulain in Basel.

Calvin, Jean – An Valerand Poulain in Basel.

Valerand Poulain, ein flandrischer Refugiant, der sich meistens in Straßburg aufhielt, hatte wohl die Damen de Falais´ aus den Niederlanden nach Basel geholt und warb um Frl. de Wilerzy. Über sein Vorgehen hatte sich de Falais beschwert und Calvin hatte deshalb Viret nach Basel geschickt. Das Gerücht von Calvins Grunderwerb war vielleicht aus seinem Geschäft für de Falais entstanden.

Vorwürfe wegen einer unlauteren Verlobungsgeschichte.

Heute erst habe ich deinen Brief erhalten, später, als er hätte kommen sollen. Unterdessen haben dich, denke ich, unseres lieben Viret Ermahnungen soweit gebracht, dass du deinen Sinn geändert hast. Als ich von de Senarclens Bericht erhalten hatte, antwortete ich ganz kurz, es tue mir nicht wenig leid, dass du nun, nachdem du einen so ehrenvollen Auftrag vollführt, zu allerletzt das Lob, das du dir verdienst, wieder so verscherzt habest. Aber ich bin nicht so leichtsinnig, dass ich mein Urteil bloß nach der Darstellung der einen Partei fällte. Auch blendet mich nicht der äußere Glanz der Menschen; sondern da ich hörte, wie Unbeteiligte, und zwar nicht in angeberischer Absicht, davon reden, so bin ich genötigt, anzunehmen, dass du weder klug noch ehrenhaft gehandelt hast, als du das Mädchen zur Heirat verlocken wolltest. Das aber tut mir noch weher, dass sie klagt, sie sei von dir durch falsche Beschuldigungen und unehrliche Ränke umgarnt worden. Du behauptest, Butzer und Bernardino [Occhino] hätte dir dazu geraten. Ich bin aber ganz sicher, wenn du nur nach ihrem Rat gehandelt hättest, so hättest du es nicht so angegriffen. Glaubst du denn, dein Vorgehen finde ihre Billigung? Ich schrieb dir schon, was ich zu tadeln habe, als du das andere junge Mädchen bekommen wolltest. Du scheinst nun, da du um diese wirbst, ganz vergessen zu haben, was du jener zum Abschied geschrieben hast. Freilich, auch wenn gar nichts anderes im Wege gestanden hätte, so hättest du vom Heiraten überhaupt nicht reden dürfen, bis sie an ihr Reiseziel gekommen war. Ist aber wahr, was sie selbst sagt, so wäre die Ehe unter ganz bösen Umständen gestiftet worden. So kann ich nicht glauben, diese Verlobung sei vom Herrn, wie du sagst, bis du mir bewiesen hast, ihre Behauptung sei unwahr, dass sie von dir durch falsche Angaben gewonnen worden sei. Auch bestreitet sie durchaus, dir irgendetwas versprochen oder auch irgendwie mit dir verhandelt zu haben, ohne stets vorzubehalten, sie wolle in allem sich nach dem Rat des Herrn de Falais richten. Da habest du dann versichert, du wissest, dass er einverstanden sei; nur seine Frau werde noch Schwierigkeiten machen, da sie sich auf den Adel viel einbilde. Das wäre nicht Gott wohlgefällig [wenns so ist]. Du sagst zwar, ich dürfe das alles nicht glauben. Aber ich kann doch nichts anderes tun, als beide Parteien anhören. Wenn ich alles erwäge, so kommt etwas heraus, was mir offen gestanden gar nicht gefällt. Wenn du mich mahnst, daran zu denken, dass auch adlige Herren große Fehler haben können [so antworte ich], dass ich wahrhaftig Herrn de Falais aus anderen Gründen liebe und verehre als um seines äußern Adels willen, mit dem allein die meisten großen Herren prahlen. Dazu habe ich von ihm bisher nur sehr ruhig gehaltene Klagen [über dich] vernommen. Ich habe mehr die Sache als die Personen ins Auge gefasst. Hättest du dich doch nie in diese schwierige Geschichte hineingebracht. Da es aber geschehen ist, so bleibt mir nichts übrig, als zu wünschen, du möchtest bald wieder davon loskommen; ich hoffe, es sei schon geschehen [wenn du dies erhältst].

Wegen des Grundstücks, dass ich um so viel Tausend gekauft haben soll, will ich nicht der Narr sein, so grobe Lügen mit viel Worten zu widerlegen. In Genf und in der ganzen Umgegend ist kein Mensch, der nicht weiß, dass ich keinen Fußbreit Land besitze. Wer mich aber genauer kennt, weiß, dass ich nie soviel Geld hatte, um eine Iuchart Land zu kaufen, außer etwa, wenn mir gerade das ausbezahlt wird, was ich ausgebe, ehe das Vierteljahr um ist. Ich habe es noch nicht weit gebracht; benütze ich doch sogar noch Hausrat, der nicht mir gehört. Denn weder der Tisch, auf dem wir essen, noch das Bett, in dem wir schlafen, ist mein Eigentum. Woher also ein solches Gerede? Ich kann mirs nicht anders denken, als dass böse Leute mich so verleumden, um der evangelischen Sache einen Makel aufzubrennen. Sie werden aber nie erreichen, dass ich reich werde, weil ich ganz zufrieden bin in meiner Dürftigkeit, und wenn meine Armut niemand zur Last fällt, so dient sie dafür einigen doch zur Erleichterung. Lebwohl, und sei davon überzeugt, dass ich es von Herzen gut mit dir meine. Gäbe es doch einmal etwas Fröhlicheres zu schreiben.

[März 1547.]

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