Calvin, Jean – An Herrn de Falais in Straßburg.

Calvin, Jean – An Herrn de Falais in Straßburg.

Vgl. 169. Weggelassen sind unwichtigere Nachrichten. Dass Virets Namen vermieden wird, geschieht wohl, um Indiskretion des Boten zu verhüten.

Nochmals wegen Virets Heirat.

– – In der Angelegenheit des Mannes, in der ich Sie um Hilfe bat, gab er mir die Antwort, er lasse Ihnen ergebenst für die bewiesene große Freundlichkeit danken. Doch müsste er vor allen Dingen mit der Vorgeschlagenen schon Verkehr gehabt haben, sonst müsse er fürchten, sie würden sich aus Mangel an gegenseitigem Verständnis nicht wohl bei einander befinden in Zukunft. Nun findet er aber, in diesen Kriegsunruhen wäre die Reisezeit schlecht gewählt, und ich bin darin gleicher Meinung. Andrerseits wäre aber auch ein langes Hinausziehen der Sache gefährlich; es ist das ja auch gegen Ihre Absicht, und ich finde es sehr vernünftig. Im Übrigen läge kein Hindernis in seiner Kränklichkeit; ich finde es nur Unrecht, dass eine ungewisse Sache so lang in der Schwebe bliebe. Freilich kann ich angesichts der Gründe, die er dafür anführt, seine Forderung nicht missbilligen, die Frau, die er nehmen wolle, müsse unterrichtet sein von diesem Hauskreuz, das er zu tragen habe. Dazu fordere die Liebe vorherige Bekanntschaft, und die Ehen seien nie glücklich, wenn sie nicht auf gegenseitiger persönlicher Erklärung beruhten, und man darüber gesprochen habe, was jeder Teil vom andern verlange. Das Übel liegt eben in dem langen Warten und doch sehe ich keinen andern Rat. Ich bitte Gott, er wolle die Sache gut ausfallen lassen, wie es auch sei. – –

Meine Frau lässt sich Ihnen ergebenst empfehlen.

Genf, 4. Okt. 1546.
Ihr Diener, ergebener Bruder und guter Freund.
Johann Calvin

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