Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (170).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (170).

Michel Cop und Abel Poupin (vgl. 145) waren Kollegen Calvins in Genf; die Schauspieler verklagten Cop beim Genfer Rate wegen Beleidigung. Poupin war vom Rat zur Beaufsichtigung der theatralischen Aufführungen abgeordnet worden.

Weiteres vom Theaterspielen.

Es hätte wenig gefehlt, so wäre unser Theaterspiel zur Tragödie geworden. Als der Rat um meine Meinung darüber fragte, antwortete ich, ich werde nur nach gemeinsamer Beratung der Brüder Bescheid geben. Nachdem ich deren Meinung gehört, gab ich dem Rat die Antwort, aus vielen Gründen scheine es uns nicht gut, dass gespielt werde, und setzte zugleich die Gründe auseinander. Doch wollten wir nicht dagegen kämpfen, wenn der Rat die Erlaubnis gebe. Als der Tag der Aufführung bevorstand, fuhr Michael Cop in der Predigt wieder über die Schauspieler her (denn er hatte es schon einmal getan), war aber in diesem zweiten Angriff so heftig, dass gleich ein ganzer Auflauf zu mir entstand, großes Geschrei, Drohungen, und was nicht noch alles. Hätte ich nicht die Wut einzelner Leute ernstlich im Zaum gehalten, so wäre es zur Schlägerei gekommen. In einer zweiten Auseinandersetzung suchte er durch maßvolle Rede die erzürnten Geister wieder zu beschwichtigen, denn nach meinem Urteil sei [Cop] sehr unvorsichtig gewesen, der zu unpassender Zeit so deklamiert habe. Mehr noch missfielen mir seine Ausfälle [gegen die Schauspieler]; denn auch den Inhalt seiner Rede konnte ich durchaus nicht billigen. Er verteidigte sich, er habe aber doch Recht; ich bestritt es standhaft. Es waren unter den Brüdern solche, die seinen Trotz noch begünstigten. Gegen neun Uhr abends wurde mir gemeldet, etwa hundert Ratsherren wollten morgens früh im Rathaus zusammenkommen. Sofort ließ ich die Brüder einberufen; wir beschlossen Cop zu begleiten. Man ließ ihn aber kaum mit mir über die Straße gehen. Ich führte ihn aufs Ratshaus und ließ unterdessen auch die andern dorthin entbieten. Die Ankläger weigerten sich, in unserer Gegenwart zu reden; sie hätten nichts mit mir zu schaffen, und dächten zu ehrerbietig von mir, als dass sie mit mir streiten wollten. Ich blieb hartnäckig dabei, es sei unsere gemeinsame Sache, bis erwiesen sei, dass Cop in seinem Amt gefehlt habe. So befahl man uns beiden abzutreten. Von der Gegenpartei gabs ein feindseliges Geschrei; man drohte, man hätte Cop totgeschlagen, wenn man sich nicht vor mir gescheut hätte. Um den Lärm zu stillen, wurde er nun auf dem Ratshaus festgehalten, doch mit Ehrerbietung. Am nächsten Tag legten wir mit Gottes Hilfe alle Händel bei. Denn Abel vermochte durch seine Beliebtheit, ich durch mein Ansehen viel bei den Schauspielern. Der Rat stand auf unserer Seite. Nur tat es mir leid, dass er nicht mehr Kraft und Mut zeigte; denn nach seiner Art ist er wieder zu ängstlich vorgegangen. Viret ist als Zuschauer dabei. Er ist auf unseren Wunsch wieder hierher gekommen, um unsern Tollkopf zur Vernunft zu bringen. – – Lebwohl, im Herrn geliebtester Bruder und bester Freund. Grüße alle Brüder angelegentlich. Von hier lässt niemand dich und sie grüßen, weil niemand weiß, dass ich dir schreibe, außer Nicolas, dem Schwiegervater meines Bruders, der eben dazu kommt. Der Herr stehe Euch stets bei und segne all Euer frommes Wirken.

Genf, 4. Juli 1546.

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