Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (156)

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (156)

Nr. 156 (C. R. – 767)

Weggelassen ist die Besprechung einer Pfarrwahl in Neuchatel. Der Kartenmacher ist Pierre Ameaux, Fabrikant von Spielkarten, Kegeln, Würfeln und anderm Spielzeug, Ratsherr und städtischer Artilleriehauptmann.

Über Servet und Ameaux.

– – Die Gerüchte von den Leuten, die unter dem Vorwand, eine Besatzung zu stellen, einen ständigen Herrschaftssitz in Genf errichten wollten, können wir ruhig hin und herfliegen lassen. Höflich und ruhig ist man ihrer Unverschämtheit entgegengetreten, so dass sie sich nun selbst schämen müssen. Ich hoffe, sie werden nun ruhig bleiben. Unsern Leuten rede ich zu, so sehr ich kann, sie möchten nur ganz ruhig schlafen deswegen.

Servet hat mir kürzlich geschrieben und seinem Brief einen dicken Band seiner wahnsinnigen Lehren beigelegt mit der bramarbasierenden Prahlerei, Staunen erregendes und bisher Unerhörtes werde ich darin finden. Wenn ich Gefallen daran finde, verspricht er, hierher zu kommen. Aber ich will mich für nichts verbürgen. Denn kommt er hierher, so lasse ich ihn, wenn ich irgendetwas vermag, nicht mehr lebendig wieder fort.

Es sind schon mehr als vierzehn Tage verstrichen, seit der Kartenmacher im Gefängnis sitzt, weil er in seinem Haus bei einem Essen mit einer Frechheit über mich geschimpft hat, die deutlich zeigt, dass er seiner Sinne nicht mehr mächtig war. Ich nahm es schweigend hin, nur den Richtern habe ich bezeugt, es sei mir keineswegs lieb, wenn sie mit ihm streng verführen. Ich wollte ich besuchen. Durch Ratsschluss wurde mir aber der Zutritt verwehrt. Und doch beschuldigen mich natürlich gewisse Leute der Grausamkeit, weil ich so zäh Rache übe für alle mir angetane Beleidigungen. Seine Freunde haben mich gebeten, Fürbitte für ihn einzulegen. Ich sagte, ich wolle es nicht tun, außer unter zwei Bedingungen: erstens, dass darin kein Verdacht [als sei ich an der Geschichte schuld] auf mir sitzen bleibe, und zweitens, dass Christi Ehre [gegenüber etwaigen Lästerungen] gewahrt bleibe. Nun habe ich schon [als sein Fürsprecher] gewaltet und warte darauf, was der Rat als Urteil verkündet. Lebwohl, trefflichster Bruder und Freund, samt deinen Schwestern. Die Unsern lassen alle grüßen. Den Brüdern sage viele Grüße von mir und meinen Kollegen. Der Herr segne Euch und Euer frommes Wirken allezeit.

Genf, 13. Februar 1546.
Dein
Johannes Calvin.

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