Luther an Herzog Philipp zu Stettin, Pommern etc.

Luther an Herzog Philipp zu Stettin, Pommern etc.

2.7.1545

Gottes gnad durch seynen eingebornen son, Jhesum Christum, vnsern heyland, zuuor. Durchleuchtiger, hochgeborner furst, gnediger herr. E f. g. wissen ohn zweiuel selb alle gelegenheit des handels, wie Peter Schwab vnd Symon Wolder von Stolpen durch boße bericht bey dem durchleuchtigen, hochgebornen fursten vnd herrn, herrn Barnim, herczogen zu Pomern v. gn. h. in vngnaden komen vnd dass ernach eruolgt, dass sie nicht widerumb sicher in ihren gutern sein konnten. Wiewol wir nun vns nicht zurichter machen, so siehet vns dennoch diese sache alßo an, dass hochgedachter Barnym vbel bericht vnd dass mit gedachten mennern von Stolpen vnbillich gehandelt wird. Nachdem wir aber ersucht bey herzog Barnim erninnerung vnd furbitt zuthun, haben wir solchs aus christlichen mitleyden nit gewist abzuschlagen. Dabey haben wir auch bedacht, an E. f. g. zuschreiben, denn ob gleich E. f. g. mit diser sache nicht zu thun, so konnen doch E. f. g. freuntlich erinnerung thun, des dieße leut aus der vnbillichen beschwerunge gelassen werden. Bitten derwegen, E. f. g. wolle solchs gnediglich fordern, wie sie selb bedenken werden, dass es fuglich vnd fruchtbarlich zuthun sey. Wir konnen wol achten, dass die hartigkeit nicht von herzog Barnyms person hergeflossen, darumb zuhoffen, so s. f. g. besser bericht wurde, sie wurden sich gnediger erzeigen, so wissen E. f. g., durch welche person nu mher besser bericht zuthun sey, E. f. g. wollen hirin bedenken, dass das werk furnemblich got gefellig, rechte sachen zufurdern vnd vnbilliche vntertruckunge zuuorhuten, wie geschrieben stehet im buch Salomonis prov. 24, du solt helfen diejenigen reden, so vnbillich zum tod gefurt werden, dan got wird solchs belohnen, so synd die hochlobliche fursten vnd herzogen zu Pommern alzeit als liebhaber der gerechtigkeit gehalten vnd iczunt in der bekantnus des heyligen euangelii als christliche, gutige fursten gepreyßet. Darumb sie vnrecht vnd ergernus deste vleissiger vorhuten sollen. Derhalben wollen E. f. g. in die sachen soviel muglich beuolen sein lassen, das wird got belhonen, der wolle E. f. g. alzeit gnediglich regieren vnd bewaren. Amen. Datum Wittebergk am tage Visitationis vnd der frolichen Zusamenkunft Marie vnd Elisabet Anno 1545.

E. f. g.
williger vnd vntertheniger
Martinus Luther D. utsupra.

Quelle:
Dr. Martin Luthers Briefwechsel
Herausgegeben von Dr. C. A. H. Burkhardt
Leipzig
Verlag von F. C. W. Vogel
1866

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