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Schlagwort: Sozzini Lelio

Calvin, Jean – An Lelio Sozzini in Zürich.

Calvin, Jean – An Lelio Sozzini in Zürich.

Vgl. 287.

Scharfer Tadel wegen unnützen Spekulierens.

Wenn du meinst, gelesen zu haben, Melanchthons Meinung über die Prädestinationslehre sei der unsrigen entgegen, so täuschest du dich. Ich erwähnte nur mit einem Wort, ich hätte einen Brief von ihm in Händen, in dem er zugibt, seine Ansicht stimmt mit der meinen überein. Übrigens ist mir, was du berichtest, ganz glaubhaft; denn es wäre nicht neu an Melanchthon, dass er, um nicht in ärgerliche Fragen hineingezogen zu werden, sich in dieser Sache verstellte. Auch ich habe, wenn irgendeiner, stets vor Paradoxien Abscheu gehabt und finde an Spitzfindigkeiten kein Vergnügen. Doch soll mich nichts je hindern, offen zu bekennen, was ich aus Gottes Wort gelernt habe. In dieses Lehrers Schule wird nur Nützliches überliefert. Das ist meine einzige Weisheitsregel und soll sie stets bleiben, an seiner schlichten Lehre mir genügen zu lassen. Lerntest doch auch du, mein lieber Lelio, deinen Geist bei solcher Mäßigung festzuhalten!

Du hast also keinen Grund, von mir Antwort auf deine ungeheuerlichen Fragen zu erwarten. Magst du dich zu solch lustigen Spekulationen aufschwingen, lass mich aber, bitte, als demütigen Schüler Christi nur das bedenken, was zur Förderung meines Glaubens dient. Ich hoffe zwar nun, durch mein Schweigen zu erreichen, was ich wünsche, dass du mir nicht mehr mit solchen Fragen lästig fällst, aber doch schmerzt es mich sehr, dass die reiche Begabung, die dir der Herr verliehen hat, nicht nur mit Unnützem sich fruchtlos beschäftigt, sondern auch durch gefährliche Phantasien verdorben wird. Die Mahnung, die ich dir schon früher gab, wiederhole ich in allem Ernste: wenn du dieses Kitzel des Grübelns nicht rechtzeitig überwindest, musst du fürchten, dir noch große Qualen zuzuziehen. Ich wäre grausam gegen dich, wollte ich unter dem Schein der Nachsicht deinem Fehler, den ich für sehr gefährlich halte, Nahrung bieten. So ists mir lieber, du nehmest jetzt an meiner Derbheit ein wenig Anstoß, als dass du, ganz gefangen von den süßen Lockungen der Neugier, nicht mehr zurückgebracht werden kannst. Hoffentlich kommt die Zeit, da du dich freuen wirst, so unsanft geweckt worden zu sein. Lebwohl, liebster Bruder, und wenn mein Schelten zu hart ist, so setze es meiner Liebe zu dir auf Rechnung.

1. Jan. 1552

Calvin, Jean – An Lelio Sozzini in Zürich.

Calvin, Jean – An Lelio Sozzini in Zürich.

Vgl. Nr. 268. Von Calvins Antwort nicht befriedigt, hatte Sozzini seine Fragen wiederholt und vermehrt.

Warnung vor unnützer Neugier. Antwort auf verschiedene Fragen.

Ich antworte dir später, als du wünschest, weil ich nur ungern (ich muss gestehen) mich dahin ziehen lasse, wohin mich dein Brief ruft. Ich sehe, meine Antwort über die Auferstehung des Fleisches hat dir keineswegs genügt. Verlangst du aber mehr von mir [so muss ich sagen]: ich wünsche nicht einmal mehr zu wissen, als ich gesagt habe. Wenn ich zur Entschuldigung vorbringe, mehr sei mir vom Herrn nicht gegeben, so wäre es unbillig, weiter in mich zu dringen. Denn an dem Satz müssen wir festhalten: Ich glaube, darum rede ich [2. Kor. 4, 13]. Ich kann wahrhaftig sagen: In dem Glauben, den ich vor dir bekannt habe, habe ich solche Sicherheit, dass ich glaube, zu weiterem Forschen nicht das Recht zu haben. Ich höre deinen Einwand wohl: da das doch der Hauptpunkt unseres Glaubens sei, da daran unsere ganze Seligkeit hänge, so scheine dir seine genaue Untersuchung nicht überflüssig. Das sind nun zwar ganz schön klingende Verlockungen; aber was Gottes Geist durch Johannis Mund sagt: „Es ist noch erschienen, was wir sein werden“ [1. Joh. 3, 2] und die Kenntnis darüber stehe aus bis zum jüngsten Tag, das, meine ich, schreibt uns Mäßigung vor. Was ich dir schrieb, ist mir so sicher und in Gottes Wort bewährt, dass mich kein Zweifel plagt. Es genügt mir so vollauf, dass ich im Vertrauen darauf den Tod ruhig verachte. Willst du mehr, so musst du es anderswo suchen. Denn von mir erreichst du nie, dass ich dir zu lieb die von Gott gesetzten Grenzen überschreite.

Wenn ich auch im Übrigen knapper bin, als du wünschest, so verzeih. Wünscht jemand von mir Rat übers Heiraten, so werde ich nichts anderes sagen, als er solle eine Frau nehmen, die bereit ist, mit ihrem Gatten Christo zu folgen. Das soll sie aber nicht nur mit dem Munde bekennen, sondern mit der Tat beweisen. Denn wer eine Frau nimmt, die zwar sonst recht denkt, aber vom Bekenntnis der Gottlosigkeit nicht lassen will, der legt sich eine sehr böse Schlinge. Zu oft habe ich es an vielen erfahren, wie sehr die von Christo weichen, die sich in solche Ehen einlassen. Das ist Tatsache, um dir bündig zu antworten. Du fragst, ob man sich der Heirat mit einer Papistin ebenso wie der mit einer Türkin enthalten müsse. Ich für meine Person möchte es nicht wagen, selbst diejenigen, die den Aberglauben des Papsttums, in dem sie erzogen sind, innerlich festhalten, mit den Türken auf die gleiche Stufe zu stellen; denn etwas näher stehen sie uns doch. Aber ohne Vergleich sage ich doch, ein Christ hat nicht das Recht, sich mit einer Gattin zu verbinden, die Christo entfremdet ist. Dazu gehören aber, wie wir wissen, alle Papisten. Wer es für erlaubt hält, eine noch in vielen Irrtümern steckende Frau zu nehmen, wenn sie nur ihre Gerechtigkeit in Christo sucht, der bemerkt nicht, in wie vielen Fragen nachher doch Uneinigkeit zwischen ihnen sein wird. Ich werde also niemanden veranlassen, sich in diese Gefahr zu begeben; vielmehr ist meine Meinung, dass weder fromm noch mit dem Segen des Herrn heiratet, wer sich eine Gattin erwählt, die sich nicht vorher hat vom Papste scheiden lassen. Ich weiß wohl, dass nicht immer eine Entscheidung nach Wunsch möglich ist, aber die Schwierigkeit vermag doch nicht alle Schuld zu tilgen. Eine feierliche Abschwörung des Papismus ist, wenns dazu kommt, zwar lobenswert, aber ich möchte sie doch nicht als notwendig verlangen, wie ich auch keinen bestimmten Punkt feststellen möchte, bis zu welchem eine Frau, die man nehmen darf, in der reinen Lehre gekommen sein muss, nur muss sie den Feind Christi verlassen und der handgreiflichen Gottlosigkeit den Abschied gegeben haben und Christo die Ehre geben.

Wohin deine Frage zielt, ob die Kirche eine Mischehe als gültig oder ungültig anzusehen habe, ist mir nicht ganz verständlich. Denn wie nur gegenseitiges Einverständnis beider eheschließenden Personen verlangt wird, um eine Ehe in Gottes Namen und Auftrag einsegnen zu können, so ist das Band der Ehe, durch das Gatten sich einander verpflichten, auch noch gesetzmäßig, wenn ein Teil von der Pflicht abweicht. Mit Recht ist zwar der Leichtsinn einer Mischehe zu tadeln, aber das gegebene Versprechen hebt dieser Umstand nicht auf.

Soll ich von zwei Übeln das kleinere wählen, so glaube ich, einer, der unter dem Papsttum lebt, kann nichts anderes tun, als seine Kinder zu der freilich verderbten Taufe zu bringen. Wenn er die bösen Dinge, die dem Gebot Christi zuwider sind, offen verabscheut, tut er recht und nach seiner Christenpflicht. Das bedeutet zwar Gefahr für sein Leben; aber umso mehr Lob verdient der Mut, wenn einer, er sei, wer er wolle, sich durch keine Furcht hindern lässt, ein seiner Frömmigkeit würdiges Zeugnis abzulegen. Lässt einer seine Kinder ungetauft, so schafft er mehr als zweifaches Ärgernis. Dazu möchte ich nicht raten. Weil die meisten, die in der Tyrannei des Antichrists leben, sich durch ihre Schwäche hindern lassen, freimütig zu bezeugen, dass sie sich den Gräueln des Papsttums entzogen haben, so muss man sie daran erinnern, wie ich es immer tue ihnen gegenüber, wie elend und in welch Irrsal verstrickt sie sind, dass sie einer Beleidigung Gottes nicht ausweichen können als durch eine andere Beleidigung. Das heißt wirklich, zwischen Opferaltar und Opfermesser stecken, wie man sagt, wenn man seine Kinder Christo nicht darbringen kann, ohne sie durch die Gräuel des Antichrists zu entweihen, und doch auch nicht den Brauch der Taufe lassen kann, ohne den Tadel der Verachtung des Christentums auf sich zu nehmen. Den Stachel gebe ich allen zu fühlen, die sich in diesen Verhältnissen wohl zu befinden vorgeben; sie sollten ihr Elend doch auch in ihren Kindern erkennen.

Wenn ich [in meinem letzten Brief] doch einen Unterschied mache zwischen der papistischen und einer zum Spaß nachgeahmten Taufe, so machst du dir daraus eine Antwort zurecht und bekämpfst sie, als ob ich sie so gegeben hätte. Ich weiß aber, du findest in meinem Brief nichts davon, dass die Wirksamkeit der Taufe abhänge von der Absicht des Taufenden. Irre ich mich nicht, so habe ich nur gesagt, sie sei wirksam, insofern sie vollzogen werde zum Zweck, uns in den Leib Christi aufzunehmen oder ein Sinnbild unserer Erneuerung zu sein. Das kümmert mich nicht, obs ein Spötter ist, der tauft, oder der Teufel selbst. In Betracht fällt nur die Einsetzung und der ununterbrochene Brauch des Taufens nicht erst von gestern; denn weder die Papisten, noch andere Götzendiener haben ihn erfunden. Du magst ihn also verkehrt finden, wenn du ihn nicht in seiner ursprünglichen Gestalt wiederherstellst. Aber so sehr er auch durch falsche Zusätze verderbt ist, fest blieb doch stets das: es wird getauft auf den Befehl Christi im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes als ein Zeugnis der Wiedergeburt. Das ist der Zweck, der, wie ich meine, in Betracht gezogen werden muss. In ganz derselben Weise hat einst Gott bei der Entweihung aller andern heiligen Bräuche die Beschneidung nichtsdestoweniger gelten lassen, weil sie eben den Zweck hatte, das Siegel des göttlichen Bundes zu sein: Ich will dein Gott sein und deines Samens nach dir [1. Mose 17, 7]. Als damals unter Josia das Volk den Bund von neuem schloss und feierlich Buße tat für seinen Abfall, wurde doch die Beschneidung nicht wiederholt, wiewohl auch sie nicht nur durch die allgemeine Untreue, sondern durch vielen gottlosen Aberglauben befleckt war. Denn soviel vermag die heilige Einsetzung Gottes, dass sie unter vielfacher Verderbnis durch die Menschen doch noch stark genug ist, ihre Wirksamkeit zu behalten. Denn es drang nicht, wie du meinst, eine Nachäffung der Taufe ins Volk Gottes ein, sondern [bloß eine falsche] Beobachtung einer von Gott überlieferten Einsetzung. Und doch waren die Söhne entartet, die das mit den Vätern geschlossene Bündnis verletzt hatten.

Wenn ich sage, auch im Papsttum seien Überreste der Kirche geblieben, so beschränke ich das nicht auf die Erwählten, die darin hier und dort zerstreut sind, sondern ich meine wirklich, es ist im Papsttum die Ruine der zerstörten Kirche vorhanden. Aber um mich nicht in lange Erörterungen einlassen zu müssen: Pauli Autorität muss uns da zufrieden stellen, der sagt, der Antichrist werde sich in den Tempel Gottes setzen (2. Thess. 2, 4). Freilich glaube ich es auch mit genügend sichern Gründen bewiesen zu haben, dass die Kirche, zwar halb zerstört, ja, wenn man will, ganz zerstört und entstellt, doch in gewissem Sinne noch im Papsttum geblieben ist. Du fragst, warum ich nicht dulde, dass im Privathaus eines frommen Mannes die Taufe rein nach Christi Vorschrift vollzogen werde. Die Antwort ist leicht. Denn eine Taufe dieser Art, wie sie bei uns hier nicht erlaubt, ja sogar rechtlich verboten ist, duldete ich persönlich lieber als die päpstliche Taufe, die von so manchem Schmutz befleckt ist. Aber hier handelt es sich nicht darum, was ich billigen könnte. Wenn du aber glaubst, ich halte die Taufe für nichts, die irgendeiner meiner Amtsbrüder vielleicht in einem Privathaus vollzogen hat, so ist mir das nie in den Sinn gekommen; das bezeuge ich vor Gott und Menschen. Denn es ist etwas ganz anderes, zu entscheiden, ob etwas recht und echt ist, als ob unter fremdartigen Zusätzen noch etwas von Gottes Einsetzung vorhanden ist.

Wenn ein Türke durch feierliches Glaubensbekenntnis in die Kirche aufgenommen ist, so sind zweifellos seine Kinder auch zu taufen. Denn da gilt die Verheißung: Ich will dein und der Deinen Gott sein.

Die Furchtsamkeit, die manche Leute veranlasst, so vorsichtig zu leben, dass sie den Verfolgern nicht verdächtig werden, einfach zu verdammen, steht mir nicht zu. Denn einer ist Gesetzgeber und Richter, und ich sehe, dass sein Mund sie nicht verdammt. Die aber meinen, ihr schlaues Heucheln beim Messegehen sei ein nützliches Mittel zur Förderung der Ehre Gottes, die mögen doch bedenken, dass Gott nicht so schwach ist, dass er unserer Lügen bedürfte [Hiob 13, 7 Vulgata]. Zwar ist es wahr, dass bei diesem Anlass zuweilen Leute für Christum gewonnen werden. So oft das geschieht, will ich mich nach Pauli Beispiel [Phil. 1, 18] freuen. Denn in welcher Weise auch das Reich Christi ausgebreitet wird, müssen wir es als Gewinn ansehen. Aber jetzt handelt sichs darum, ob eine solche Nachgiebigkeit [gegen die Umgebung] Gott wohlgefällt. Da sagt er selbst aber nein. – –

7. Dezember 1549.

Calvin, Jean – An Lelio Sozzini in Zürich.

Calvin, Jean – An Lelio Sozzini in Zürich.

Lelio Sozzini von Siena (Lälius Socinus) lebte als Refugiant in Zürich; seine unitarischen Ansichten wurden erst nach seinem Tode bekannt. Pietro Martire Vermigli, italienischer Refugiant, seit 1547 in England, später Professor in Straßburg und in Zürich.

Über die Mischehe, die katholische Taufe und die Auferstehung des Fleisches.

Deinen Brief habe ich wenige Tage nach meiner Rückkehr erhalten. Seither war mir eine Erkältung recht hinderlich, und hat auch jetzt noch nicht aufgehört, mich zu belästigen. Ich kann deshalb nur kurz auf deine Fragen eingehen. Da ein Christ eine Frau nur unter der Bedingung nehmen soll, dass sie ihm eine Helferin und Genossin jeder Pflicht eines frommen Lebens sein soll, so ist eine Ehe, in der dieses Ziel auch nur ganz wenig aus dem Auge verloren wird, unzweifelhaft tadelnswert. Denn wer eine Frau nimmt, die noch im papistischen Aberglauben steckt, führt der nicht die Entweihung in sein Haus ein? Denn wenn die Frau des Mannes Leib ist, so kann sicher, wer sich mit einem Weib verbindet, das sich täglich dem verkehrten Kultus hingibt, sich nicht so weit entschuldigen, dass er nicht auch in gewissem Sinn seines teils verunreinigt wird. Ich will davon gar nicht reden, dass, wer ein solches Weib nimmt, seine Ehe mit allerlei Zauberformeln einsegnen lassen muss. Übrigens möchte ich aber ein Mädchen, das sonst recht denkt und nur aus fleischlicher Furcht noch in erheucheltem Götzendienst festgehalten wird, nicht auf die gleiche Stufe stellen mit einer Feindin der [wahren] Religion. Denn je ferner jemand von Christo ist, umso mehr müssen wir ihn scheuen. Die Person, von der du mir schreibst, trennt gewiss ein großer Unterschied von unsern erklärten Feinden.

Wer seine Kinder zur päpstlichen, von so manchem Aberglauben besudelten Taufe bringt, ist nicht ohne Schuld. Und, wenn ich nicht irre, habe ich das auch unter den Schwierigkeiten aufgezählt, die fromme Leute zur Auswanderung antreiben sollten. Freilich Melanchthon und Pietro Martire Vermigli verbieten es nicht, wenn nur, wer es tue, offen verabscheue, was mit der Einsetzung Christi im Widerspruch steht. Darin läge nichts Unsinniges, wenn nicht, wer das wagen wollte, zu sicherem Tode bereit sein müsste. Doch billige ich den Entscheid der von dir angeführten Theologen im Ganzen, wenn ich auch zu einzelnen Punkten meine Unterschrift nicht gebe. Dass ein Nachahmen der Taufe im Spiel als bloßer Hohn, was es auch ist, gelten müsste, glaube ich auch; dagegen behält die papistische Taufe, und auch tausend höhnische Possen dabei wären, ihre Wirksamkeit, insofern sie nämlich in der Absicht vollzogen wird, dass nach Christi Befehl die Kinder der Gläubigen ein Zeichen der Annahme [als Gotteskinder] erhalten. Denn ich sehe, dass die Beschneidung, auch als sie von manchem Aberglauben entstellt war, nichtsdestoweniger als Sinnbild der Gnade galt. Dein Einwand, die Taufe müsse doch in der Versammlung der Gläubigen gefeiert werden, steht der Wirksamkeit der Taufe nicht im Wege, die im Kreis der Götzendiener vollzogen wird. Denn wenn wir lehren, was dazu gehört, wenn die Taufe rein, frei von aller Besudelung sein soll, so heben wir damit doch die Einsetzung Gottes nicht auf, auch wenn die Götzendiener sie verunstalten. Und unter all der Verunstaltung der papistischen Taufe bleibt doch etwas Göttliches. Wir sprechen ja den Papisten den Namen Kirche nur so ab, dass wir doch nicht leugnen, dass gewisse Reste der Kirche auch bei ihnen bleiben. Sicher ist, dass, als Josia und Hiskia die vom Herrn Abgefallenen aus ganze Israel wieder sammelten, sie sie keineswegs zu einer zweiten Beschneidung beriefen, und selbst als der Tempel durch manche Entweihung befleckt war, verlor die Beschneidung ihren Wert nicht. Obwohl ich nun sage, dass sündigt, wer sein Kind zur papistischen Taufe bringt, so bin ich doch nicht der Meinung, diese Taufe sei überhaupt keine Taufe, weil darin doch noch ein Merkmal der göttlichen Einsetzung, freilich sonst mit vielen Flecken beschmutzt, zu Tage tritt.

Leute, die sich nicht jedes äußern Bekenntnisses zum Götzendienst enthalten, wage ich doch nicht einfach zu verdammen, auch wenn sie aus Furcht vor Gefahr ihren Glauben verhehlen. Denn da wir sehen, dass Fromme, die sich in Verfolgungszeiten verborgen hielten, doch von Gott angenommen sind, so haben wir kein Recht, mehr zu fordern. Freilich bin ich nicht derjenige, der die Angst dieser Leute entschuldigt. Vielmehr mahne ich, sie sollen auf jede Gelegenheit, ihren Glauben zu bekennen, achten, und die offene Gotteslästerung der Gottlosen nicht stillschweigend anhören, so dass es scheine, sie seien damit einverstanden. Doch wage ich nicht, ein Gesetz aufzustellen, wie weit sie darin gehen müssten. Leute dagegen, die, während Messe gelesen wird, zum Vergnügen in den Kirchen herumspazieren, verdienen, sie mögen vorwenden, was sie wollen, keine Entschuldigung. Denn außerdem, dass schon das Vergnügen, das sie an einem solchen Schauspiel finden, zeigt, wie wenig sie sich aus der Gott angetanen Schmach machen, bringen sie sich auch leichtsinnig bei vielen in den Ärgernis erregenden Verdacht, dass sie aus Verachtung eher der Religion als des Aberglaubens so handeln. Deshalb tadle ich diese Freiheit mit Recht, die sich von erheucheltem Götzendienst nicht viel unterscheidet und mehr den Weltmenschen als den Christen verrät.

Deine letzte Frage über die Auferstehung des Fleisches, die du so sehr von mir erläutert wünschest, würde mir zwar keine große Schwierigkeit machen, fordert aber mehr Zeit und genauere Bearbeitung. Denn wollte ich den Stoff eingehender erörtern, so müsste ich die sehr vielen Schriftstellen, die sich darauf beziehen, zusammenstellen und genau auslegen. Aber nicht, weil ich diese Arbeit scheue, sondern weil mir die Frage mehr eine solche der Neugier als eine nutzbringende zu sein scheint, ziehe ich vor, durch eine kurze Besprechung zu zeigen, dass ich nur an einer ganz nüchternen Behandlung Gefallen finde. Der verrückte Einwurf der Manichäer, die Auferstehung des Fleisches sei nichts wegen der Unreinheit des Fleisches, ist ja nur nebenbei zu widerlegen. Dass dir nun die Auferstehung des Fleisches unglaublich scheint, ist nicht zu verwundern. Dass du aber aus diesem Grunde annimmst, es genüge, wenn du glaubest, dass wir einmal mit neuen Leibern angetan würden, ist nicht der Schrift gemäß. Erstens widerspricht dem schon das Wort Auferstehung, besonders wenn damit verbunden wird: des Fleisches. Denn das ist die Verheißung: Derselbe, der Christum von den Toten auferwecket hat, wird auch Eure sterblichen Leiber lebendig machen, um des willen, dass sein Geist in Euch wohnet (Röm. 8, 11). An anderer Stelle: Christus wird unsern nichtigen Leib verklären, dass er ähnlich werde seinem verklärten Leibe (Phil. 3, 21). Unserm jetzt der Verwesung unterworfenen Leib wird hier ausdrücklich Unsterblichkeit verheißen. Ganz kühl heißts da: dies Verwesliche wird anziehen das Unverwesliche [1. Kor. 15, 54]. Tertullian sagt davon: Er könnte es nicht deutlicher sagen, wenn er seine Haut schon in der Hand hielte. Der Beweis aus dem Gegensatz: Stammt von Adam die Sterblichkeit dieses Fleisches, so von Christo die Auferstehung desselben Fleisches, weil er uns wiederherstellt von unserer Verderbnis. Auch die Stelle im Ezechiel (Kap. 37) ist anzuführen, die das Vorbild der Auferstehung enthält. Gott tötet und macht wieder lebendig [1. Sam. 28]; doch nichts anderes, als was tot war! Dass die Athener lachten, als Paulus von der Auferstehung predigte [Ap.Gesch. 17, 32], daraus können wir sehen, was diese Predigt war. Gerade das Hohnlachen des gesunden Menschenverstandes ist für den Frommen eine Bestätigung. Fürchtet den, der Seele und Leib verderben mag in die Hölle [Matth. 10, 28]. Welchen Leib? Doch den, den die Tyrannen getötet haben. Auch aus dem Gebrauch der Sakramente wird die Auferstehung des Fleisches ganz richtig bewiesen. Die Taufe heiligt nicht die Seele allein, sondern auch das Fleisch. Die Teilnahme am Abendmahl ladet uns ein zur Hoffnung ewigen Lebens und vermittelt dies auch den Sinnen unseres Leibes. Dazu stimmt die Stelle im 8. Kap. des Römerbriefs, besonders wo gesprochen wird von der Erlösung des Leibes [Röm. 8, 23]. Wir tragen nun allezeit das Sterben des Herrn Jesu an unserm Leibe, auf dass auch das Leben des Herrn Jesu offenbar werde an unserm sterblichen Leibe (2. Kor. 4, 10). Tertullian sagt: Als Pfand unserer Auferstehung ist er gen Himmel gefahren. Also leugnet, dass er im Himmel ist, wer unsere Auferstehung leugnet. Wenn Gott nicht unsern Leib auferweckt, so erweckt er überhaupt die Toten nicht. Henoch und Elias, die an Leib und Seele erhalten blieben, nennt Tertullian Kandidaten der zukünftigen Unsterblichkeit. Weiter werden nicht nur die Gläubigen Tempel Gottes genannt, sondern diese Ehre wird auch ihrem Leibe zuerkannt (1. Kor. 6, 19). Ähnlich heißen sie auch Glieder Christi [1. Kor. 6, 15]. Dass nun die Tempel des Geistes und Glieder Christi ohne Hoffnung auf Wiederherstellung der Verwesung verfallen sollen, ist doch zu widersinnig. Am selben Ort erklärt Paulus zur Genüge, dass es die Leiber sind, denen Gott himmlische und ewige Glorie bestimmt hat [1. Kor. 15, 40]. Außerdem werden die Menschen geladen vor den Richterstuhl Christi, auf dass ein jeglicher empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben (2. Kor. 5, 10). Es würde doch nun gar nicht passen, dass uns an einem erst zukünftigen Leib die Werke, vergolten würden, zu denen unser jetziger Leib das Werkzeug war. Soll etwa Pauli Leib, durch den Gottes Name hoch gepriesen wurde (Phil. 1, 20), der Ehre beraubt und ein anderswoher zusammengesetzter Leib mit der Glorie des Märtyrertums geschmückt werden? Dazu kommt, dass Christus, in dem wir nicht nur ein lebendiges Bild, sondern auch ein Pfand unserer zukünftigen Auferstehung haben, den Leib wieder annahm, den er abgelegt hatte. Diesem Muster werden auch wir ähnlich werden müssen. Sonst würde er nicht ganz ausdrücklich, wie es geschieht, der Erstling derer, die auferstehen (1. Kor. 15, 20), genannt. Und sicher werden auch die, die jener Tag noch übrig findet, unter plötzlicher Verwandlung im selben Leibe auferstehen. Wenn du meinst, es sei dann aber doch eine andere Art Leib als der unsere, so erinnere ich dich an Pauli Wort: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden (1. Kor. 15, 51). Wenn die Verwandlung sich auf alle bezieht, so wird doch sicher gerade dieses Fleisch erneuert. Was wünschest du noch deutlicheres als diese Worte? Die Verwesliche muss anziehen das Unverwesliche (1. Kor. 15, 53). Dem widerspricht nicht, dass Paulus am selben Orte lehrt, das Fleisch werde anders sein; denn das bezieht sich nur auf seine Beschaffenheit und will nichts anderes bedeuten, als was er in anderen Worten nachher sagt: dass das Sterbliche würde verschlungen von dem Leben [2. Kor. 5, 4]. Deshalb heißt es, die Leiber der Heiligen seien auferstanden aus ihren Gräbern (Matth. 27, 52). Wie sie aus den Gräbern hervorgingen, so wird auch uns der Herr ohne Zweifel herausführen. Deshalb sagt Jesaja, als er dem Volk unter dem Bilde der Auferstehung die Wiederherstellung schildert: Wachet auf, die ihr unter der Erde liegt (Jes. 26, 19). Und ebenso Christus: Die Toten, die in den Gräbern liegen, werden die Stimme des Sohnes Gottes hören (Joh. 5, 28). Das stünde nicht so da, wenn sie nicht ihren Leib wiedererhielten zur Auferstehung. Das drückt ja auch Jesaja aus mit dem Wort: Deine Toten werden leben und mit dem Leichnam auferstehen [Jes. 26, 19]. Daher kommt auch der Ausdruck entschlafen, der ja keinen Sinn hätte, wenn der Leib nicht wie vom Schlafe wieder wach würde. Denn es wäre falsch, zu sagen, der in der Erde begrabene Leib schlafe, wenn er verzehrt und ein neuer geschaffen werden müsste. Ja, wenn der Leib, der uns jetzt umgibt, nicht aufersteht, war der von Anbeginn der Welt an [bestehende] Brauch des Begrabens abergläubisch, und doch ist außer allem Streit, dass er auf göttliche Anordnung sich fortgepflanzt hat, um ein Sinnbild der zukünftigen Auferstehung zu sein. Wäre die Erschaffung eines neuen Leibes zu erwarten, nicht die Wiederherstellung dessen, den wir jetzt bewohnen, so wünschte Paulus umsonst: Euer Geist ganz samt der Seele und Leib müsse behalten werden unsträflich auf die Zukunft unseres Herrn (1. Thess. 5, 23). Dahin gehört auch die andere Ermahnung: lasset uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen (2. Kor. 7, 1). Denn wenn dieses Fleisch mit der Unreinheit der Sünde befleckt wird, so muss es auch die Strafe seiner Unreinheit erdulden. Mit diesen Schriftzeugnissen beruhige ich mich so, dass den entgegen gesetzten Gedanken die Möglichkeit, meinen Glauben zu erschüttern, gar nicht gegeben ist.

Auch dir genügt das hoffentlich, wenn es deinen Geist nicht schon allzu sehr erfüllt von solchen Gedanken vorfindet, was aber jedenfalls bei deiner Frömmigkeit und Bescheidenheit nicht der Fall ist. Doch glaube ich, unsrer Freundschaft wegen dich in aller Milde mahnen zu müssen; denn neulich, als ich dich reden hörte, fürchtete ich, diese Meinung könne bei dir schon tiefer Wurzel gefasst haben, als dass du sie leicht wieder ausreißen könntest. Im Vertrauen auf deine angeborene Gewandtheit habe ich übrigens manches nur mit dem Finger anzudeuten für nötig befunden, was ich bei einem weniger scharfen und geübten Denker weiter hätte ausführen müssen. Lebwohl, trefflicher Mann und liebster Bruder im Herrn Christo. Grüße deinen Gastfreund Herrn Pellikan und die übrigen angelegentlich von mir. Der Herr Jesus sei stets mit dir und leite dich mit seinem Geiste.

[Ende Juni 1549].