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Schlagwort: Pfarrer von Mömpelgard

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Montbeliard.

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Montbeliard.

 

Vgl. 253. Toussaint war in Montbeliard des Interims wegen als Pfarrer abgesetzt, doch wünschte Herzog Christoph, er möge seine Lehrtätigkeit beibehalten.

Lehramt und Pfarramt.

Auf die Frage, die uns von dem treuen Knecht Christi, unserm lieben Amtsbruder Pierre Toussaint, vorgelegt wurde, haben wir nach gebührender Anrufung des heiligen Geistes folgende Antwort beschlossen. Erstlich sehen wir zwei Gründe, die Toussaint zur Auswanderung bewegen könnten. Denn weil ihm die Verwaltung der Sakramente, die doch ein Teil des Amtes ist, das er bisher in der Kirche zu Montbeliard bekleidet hat, genommen worden ist, so kann er als abgesetzt gelten. Da ferner die übrigen Brüder, seine bisherigen Kollegen, entlassen worden sind, muss er fürchten, durch das Behalten der Lehrstelle vielen Ärgernis zu bereiten, als ob er sich von denen trennte, die gemeinsam berufen waren, und es werden es viele so auslegen, als sorge er mehr für seine persönlichen Verhältnisse, als für das gemeine Wohl der Kirche. Als nun vor Monatsfrist alle Brüder [von Montbeliard] um Rat fragten, was sie tun sollten, antworteten wir folgendermaßen: „Wenn auch der ein Verräter ist, der willig weicht und seinen Posten verlässt, so ist es andrerseits doch nicht unsere Pflicht, Widerstand zu leisten, wo man uns zwingt, wenn uns nicht etwa die Gemeinde besonders aufforderte, es zu wagen. Eure Lage ist nun aber ganz anders. Solange Ihr Hirten waret, fehlte Eurer Herde Eure tätige Fürsorge nie. Jetzt, da es keinen Nutzen hätte, länger auszuharren, und Eure Schafe selbst, denen Ihr verpflichtet waret, es nicht einmal für nützlich halten, dass Ihr weiterhin widersteht, seid Ihr Eurer Pflicht entbunden.“ Wird die hier angeführte Ausnahme angenommen, so ist die erste Schwierigkeit gelöst. Denn Toussaints Weiterwirken wird gewünscht, sowohl von dem durchlauchtigsten Herzog Christoph, als vom Volk selbst. Also so lange er eine Gemeinde hat, der er nützen kann, handelt er allem Anschein nach nicht richtig und pflichtgemäß, wenn er sie verlässt. Wenn er festgehalten würde unter der Bedingung, er müsse die Freiheit, rein und ehrlich zu lehren, durch irgendwelches sündige Paktieren einschränken, wie es viele getan haben, so wäre es hundertmal besser, zu sterben, als die Lehrstelle um solchen Preis zu erkaufen. Doch nun, da ihm vollständige Freiheit geboten wird, Christum zu bekennen, besteht kein Grund, sich der Forderung zu entziehen. Wenn ihm nun ein Teil seines Amtes genommen wird, so ist das zwar recht schmerzlich, aber deshalb ist er doch nicht ganz seiner Verpflichtung gegen die Kirche entbunden, denn er ist ja nicht ganz von seinem Amte abgesetzt. Denn wenn er das Pfarramt nun auch nicht in jeder Beziehung ausüben kann, so ist es doch noch viel, wenn er das Lehramt noch hat. Und da ja die Sakramente gleichsam nur zum Worte hinzutreten, so wäre es doch widersinnig, wollte man auch das Wort, das doch die Hauptsache ist, von sich werfen, wenn sie weggenommen sind. Also ist die Meinung unserer verehrten Brüder, der Pfarrer der Kirche zu Straßburg, ganz richtig, dass die Kirche zeitweilig durch das Wort allein, auch ohne die Sakramente, erhalten werden könne. Wenn Toussaint bisher gar keine Beziehung zur Kirche von Montbeliard gehabt hätte, so wäre es sogar recht wünschenswert für sie, wenn er zu freiem Lehren, aber noch nicht zur Sakramentsverwaltung zugelassen würde. Jetzt, da die Macht der Finsternis so stark geworden ist, dass der Satan durch seine Diener unserm Bruder entreißt, was er durch Christi Wohltat inne hatte, was bleibt da anders übrig, als zu jenen ersten Schritten zurückzukehren und dem bloßen Lehren und Ermahnen sich treulich zu widmen, bis der Herr wieder aufrichtet, was jetzt zusammengebrochen ist? Als vor Zeiten durch die Wut der Tyrannen die heiligen Hirten aus ihren Gemeinden verjagt wurden, besuchten sie sie heimlich, zuweilen sogar als Soldaten verkleidet, wie uns Eusebius berichtet. Deshalb ist die Möglichkeit, die Toussaint geboten wird, noch weniger zu verachten, dass er denen, deren Pfarrer er bisher war, nun als Lehrer diene. So tritt er ein Gott wohlgefälliges und der Kirche nützliches Amt an, auch wenn ihm die Hälfte seiner bisherigen Amtstätigkeit genommen ist. Darauf weist ja auch das Beispiel der Propheten hin, die, als der Tempel in Trümmern lag und der Opferkult zeitweilig unmöglich war, doch ihre Lehrtätigkeit auszuüben fortfuhren. Wohl war das ihre Klage: Wie sollten wir des Herrn Lied singen im fremden Lande? [Psalm 137, 4]; aber indem sie dem Volke dieses Lied dichteten, übten sie ihr Lehramt aus. Ebenso darf ein Pfarrer, wenn ihm gewaltsam der Sakramentsgebrauch geraubt wird, durchaus seinen Posten nicht verlassen und sein Lehramt wegwerfen; vielmehr muss er ganz besonders darauf dringen und gewissermaßen seinen Eifer und Fleiß in der Lehrtätigkeit verdoppeln, wenns geht. So ist unser Beschluss: Da Toussaint die Sakramentsverwaltung zwar entzogen wird, der durchlauchtigste Herzog ihm aber eine Lehrstelle anbietet und das Volk sein Weiterwirken wünscht, so ist seine Entlassung nicht der Art, dass er dadurch seiner Pflicht entbunden würde, da er seinem Lehramt sich widmen muss, solange er Freiheit hat, die reine Lehre zu verkünden. Das halten wir nicht allein für ratsam, sondern für durchaus notwendig, wenn er sich nicht der Berufung von Gott, der er bisher gehorcht hat, entziehen will. Da wir fest überzeugt sind, dass er das herzlich verabscheut, so hegen wir die Zuversicht, es werde nicht schwer sein, ihn zum Bleiben zu bewegen.

Da er nun weiterhin fürchtet, die Böswilligen möchten behaupten, er lasse sich eher aus Sorge für seinen Bauch, als aus Eifer um die Erbauung der Kirche festhalten, so muss gewiss diesem Verdacht, so viel an uns liegt, eifrig vorgebeugt werden. Wenn ihn aber das heilige Band seiner rechtmäßigen Berufung festhält, wie wir glauben, so mag die Meinung der Menschen sein, wie sie will: er muss tapfer weiterwandeln in dem was nach seiner Meinung Gottes Wille ist. Wir erfahren ja auch zur Genüge, wie groß die Undankbarkeit unseres Geschlechtes ist. Freilich haben alle Knechte Gottes das Missgeschick erleben müssen, dass sie für das Gute, das sie taten, Böses hören mussten. Aber heute herrscht dieses Laster mehr als je. So darf auch unser Bruder Toussaint nicht erwarten, dass allen gefalle, was er in noch so großer Frömmigkeit unternähme, auch wenn er keine Todesgefahr scheute. Es gibt immer feige, nichtsnutzige Leute, die die Langeweile ihres Müßiggangs mit Verlästerung anderer totschlagen. Auch trennt sich Toussaint, wenn er die ihm angebotene Gelegenheit zur Erbauung der Kirche nicht abweist, keineswegs von seinen Brüdern, denen diese Gelegenheit genommen ist. Vielmehr müssen eher die Brüder ihn ermahnen, was noch übrig ist an Licht, nicht durch seine Schuld erlöschen zu lassen. Das steht den Knechten Christi wohl an, dass sie, wenn ihnen der Mund verschlossen wird, in jeder Weise danach trachten und das erstreben, dass die reine evangelische Lehre durch die Zungen anderer tönt und durch deren Stimme ihr Schweigen gleichsam wettgemacht wird. Nun bitten wir Gott, wie wir unserm Bruder Toussaint treulich geraten haben, was nach unserer Ansicht zum Wohl der Kirche dient, so möge auch er ihn stärken, mutig in den Kampf zu gehen, der ihm bevorsteht. Wir wundern uns nicht, wenn der fromme Mann bei so schwierigen Verhältnissen ratlos ist. Wir wundern uns auch nicht, wenn bei diesem plötzlichen Zusammenbruch der Kirche verschiedene Gedanken ihn beunruhigen. Wir wundern uns schließlich auch nicht, wenn in dieser bösen Zeit und unter diesem verkehrten, bösen Geschlecht ihm die Überlegung heiß und kalt macht, da er alle zufrieden stellen möchte. Aber wir wünschen ihm vor allem dazu herzlich Glück, dass er alle seine Gedanken, alle seine Pläne auf das eine Ziel hin richtet, Gott zu gehorchen und sich ganz seiner Kirche zu widmen. Das ist eine außerordentliche Gabe Gottes, dass er nichts anderes ins Auge fasst und wünscht, als für ein ruhiges, gutes Gewissen zu sorgen. Dass er nun, seinem eigenen Urteil misstrauend, sich vom Rat der Brüder leiten lassen wollte, darin bewundern wir seine fromme Bescheidenheit, wie sichs gebührt. Und wir sind gewiss bei diesem Rat nichts anderm nachgegangen, als was der Herr durch seinen Geist und sein Wort gebietet; wie wir ihn auch gebeten haben, er möge unser Herz und unsern Mund recht leiten. Auch Toussaint wird nun, wie wir hoffen, keine Frucht der Bescheidenheit ernten, die ihn reuen müsste, indem er seiner Berufung sicherer geworden ist und besser ausgerüstet zum Ertragen irgendwelcher Angriffe; denn im Vertrauen auf das Urteil frommer Leute wird er für die Verleumdungen der Bösen weniger empfindlich sein. Den Schwachen ist sicher damit genug getan, wenn sie hören, er sei in seiner Gemeinde geblieben, weil er dem Rat seiner Brüder nachgegeben habe. Außer der Rücksicht auf die Kirche hat uns auch die Frömmigkeit des tapferen Fürsten zu unserm Rat veranlasst, den wir so eifrig sehen, nichts zu unterlassen, um doch wenigstens etwas vom Reiche Christi in seinem Herzogtum unversehrt zu erhalten. Dieser heldenhaften Hochherzigkeit, die ihm vom Himmel verliehen ist, mit aller Kraft beizustehen, ist Toussaints Pflicht. Wir hoffen, der Segen Gottes werde sich bald durch alle Hindernisse einen Weg bahnen, ein so edles Beginnen zu fördern, dass es schließlich nicht ohne Erfolg bleibe.

Genf, 19. Februar 1549.

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Montbeliard.

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Montbeliard.

Toussaint und seine Kollegen hatten gemeldet, dass sie des Interims wegen ihr Amt niederlegen müssten, da sie dem Herzog Christoph nicht durch Widerstand Schwierigkeiten machen wollten.

Von der Vertreibung der Pfarrer zu Montbeliard.

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesu Christo. Liebste und von Herzen verehrte Brüder, so ist nun geschehen, was wir schon lange gefürchtet haben, dass auch bei Euch der Satan die von Gott eingerichtete Ordnung der Kirche durch seine Diener umstürzt. Doch hat uns Euer Brief, so weit dies bei einer so traurigen Sache möglich ist, getröstet, weil wir daraus ersahen, dass Ihr alle bis zuletzt Eurer Pflicht treu bliebt. Denn dass Ihr ernstlich bezeugt habt, Ihr missbilligt diese verderblichen Dinge, die zur Besudelung der reinen Lehre eingeführt wurden, das war Standhaftigkeit, würdig der Diener Christi; dass Ihr auch jetzt die Verbannung treuloser Heuchelei vorzieht, damit gebt Ihr ein leuchtendes Beispiel echten, wahren Glaubens. Denn da Euch der absetzt von Eurem Lehramt, der bisher die Kirche Christi in seinem Gebiet Gastfreundschaft geboten und Euch die freie Predigt von Christo gestattet hatte, so wäre es unseres Erachtens nicht gut, weiter zu gehen, zumal doch keine Aussicht auf Erfolg vorhanden zu sein scheint, um die Schafe, zu deren Hirten Euch Christus gemacht hatte, selbst Euer Wirken nicht weiter begehren. Denn wenn auch der ein Verräter ist, der willig weicht und von sich aus seinen Posten verlässt, so ist es andrerseits doch nicht unsere Pflicht, Widerstand zu leisten, wo man uns zwingt, wenn uns nicht etwa die Gemeinde besonders aufforderte, es zu wagen. Dann freilich wäre es hundertmal besser zu sterben, als die Erwartung derer zu täuschen, die bereit waren, Christo nachzufolgen. Eure Lage ist nun aber ganz anders: Solange Ihr Hirten waret, fehlte Eurer Herde Eure tätige Fürsorge nie. Jetzt, da es keinen Nutzen hätte, länger auszuharren, und Eure Schafe selbst, denen Ihr verpflichtet waret, es nicht einmal für nützlich halten, dass Ihr weiterhin widersteht, seid Ihr Eurer Pflicht entbunden. So bleibt Euch nichts übrig, als das Steuerruder, das Euch anvertraut war, Christo zu überlassen, dass er allein mit seinem Geist die Leitung übernehme, solange Eurem Wirken keine Statt gegeben wird. Übrigens bedenken wir wohl, welcher Kummer Euch drücken muss, da Ihr nichts vor Euch seht als Verbannung und Armut; aber der Hauptkummer liegt doch in der Niederlage der Kirche; dass Ihr die höher achtet als Euch selbst, habt Ihr bewiesen. Auch uns tut Euer Unglück leid, das allgemeine wie Euer persönliches Unglück, wie es nicht anders möglich ist. Könnten wir Euch doch hilfreiche Hand bieten! Nun bleibt uns nur übrig, Euch zu ermahnen, dass Ihr in der Bezeugung Eurer christlichen Wahrhaftigkeit fortfahrt bis ans Ende. Seliger ist Eure Lage, – so elend sie auch sein mag, – als wenn Ihr Posten und Titel behieltet, wo Gottes Sohn auswandern musste. Freilich werden wir es bald spüren, dass, der im Himmel regiert, auch auf Erden seine Macht zeigen will. Wir müssen unterdessen zum Kriegsdienst bereit sein, da die Zeit zum Triumphieren noch nicht gekommen ist. Lebt wohl, beste trefflichste Brüder. Der Herr Jesus sei mit Euch, er tröste Euch und mache Euch stark zum heiligen Ausharren.

Genf, 16. Januar 1549.
Eure mit Euch im Herrn verbundenen Brüder
Die Diener der Kirche zu Genf
In aller Namen: J. Calvin.

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Montbeliard.

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Montbeliard.

Die Pfarrer von Montbeliard hatten sich über die zunehmende Tyrannei der Lutheraner beklagt. Schnepf war der Führer der Lutherischen Württembergs.

Weiteres über lutherische Zeremonien, vor allem die Festtage und die Hebammentaufe.

Euer Brief hat uns natürlich schweren, herben Schmerz bereitet, weil wir daraus ersahen, dass Euch unterdessen neue Schwierigkeiten gemacht werden durch die Schroffheit von Leuten, die nur dazu geboren zu sein scheinen, die Kirche in Verwirrung zu bringen. Aber haltet das fest in Euern Herzen, dass diese Leute, obwohl sie es anders im Sinne haben und in anderer Absicht vom Satan aufgestiftet werden, doch Gott dienen zu unserer Prüfung. So viel ich bisher nach den Tatsachen beurteilen kann, ist es so: Wie in unserer Zeit von der Kirche zu Wittenberg das Evangelium ausgegangen ist, so kommen nun von dort her manche Leute, die denen nicht unähnlich sind, die einst von Jerusalem auszogen und, wo sie hinkamen, den wahren Knechten Christi zu schaffen machten und Anlass suchten, Aufruhr zu stiften. Das tun sie aus bösem Nachahmungstrieb. Sie suchen in verkehrtem Streben etwas, worin man sie für den großen Männern ähnlich halten könnte, umso auch einen Schein der Größe auf sich zu ziehen. Sie erreichen aber nur, dass sie auch als das erscheinen, was sie wirklich sind, nämlich nichts als Affen. Das sage ich, damit keines Menschen Liebe der Kirche zu Wittenberg entfremdet werde. Denn wie einst ohne Wissen, ja wider den Willen des Petrus, Jakobus und der andern Apostel, jene Unruhestifter herumfuhren, den Lauf des Evangeliums unter den Heiden zu hindern, so wage ich für sicher zu behaupten, dass diese Prahlhänse, die den Namen der wittenbergischen Kirche dazu missbrauchen, wohlgeordnete Verhältnisse in Unordnung zu bringen, Luther nicht weniger missfallen als uns. Denn was hat Euer Vertreter dieser Sorte für einen Grund, in Eure geordneten und friedlichen Verhältnisse den Streit hineinzutragen? Er kämpft für irgendwelche abgeschmackte und wertlose Zeremonien. Obwohl das schon unrecht und dem Geist des Christentums fremd ist, wäre es doch noch erträglich; aber er geht noch weiter. Er wagt es, Euch zu geradezu fehlerhaften Dingen zu zwingen. Da müsst Ihr tapfer widerstehen. Er mag, so viel er will, die Namen großer Männer vorschützen; Ihr sollt wissen, dass er Euch da einen blauen Dunst vormacht. Denn Luther ist so klug und ernst, Schnepf kenne ich als so scharf an Verstand und Urteil und dabei so besonnen, dass ich nicht daran zweifle, dass beide Euch gerne die Hand zur Hilfe böten, wenn sie die Sachlage richtig und vollständig kennten. Ich will nun zunächst noch einmal über die fraglichen Punkte selbst sagen, was ich für richtig halte. Denn ich habe Euch schon einmal meine Meinung dargelegt.

Die von den Hebammen vollzogene Kindertaufe stammt aus dem ganz bösen Irrtum, ohne Taufe sei es um das Seelenheil der Kinder geschehen. Denn die Scholastiker haben es so festgesetzt, das Sakrament der Taufe sei notwendig zur Seligkeit. Wir aber wissen, dass unsere Seligkeit besteht in dem Bund mit dem Herrn, durch den wir aufgenommen und gewählt werden in sein Volk. Nun bekennen wir freilich auch, dass dieser Bund versiegelt wird durch die Taufe, aber doch nur so, dass er auch an sich feste Geltung hat, auch wenn das äußere Zeichen nicht dazu kommt. So tun also schweres Unrecht an der Verheißung Gottes, die den ungetauften Kindern sein Reich verwehren, da er doch sie schon als die Seinen verkündet hat, vor ihrer Geburt. Sicher macht, wer in diesem Aberglauben befangen ist, einen magischen Zauber aus der Taufe. Sie sagen zwar, Christus habe selbst die Wiedergeburt aus Wasser und Geist verlangt. Diese Auslegung stammt aus einem ähnlichen Unverstand. Einige von den alten Vätern verstehen unter dem Wort Wasser an dieser Stelle das Absterben [des alten Menschen]. Andere wollen es als Bild auffassen. Ich nehme ganz einfach Wasser und Geist für ein und dasselbe; in dem Sinn, wir müssen wiedergeboren werden aus dem Geist, der wie Wasser wirkt zu unserer Reinigung; gleich wie anderswo steht, aus dem heiligen Geist und Feuer. Übrigens, auch wenn wir zugeben, es sei an dieser Stelle die Taufe gemeint, wer kann deshalb die Seligkeit an die Bedingung der Wassertaufe knüpfen? Es steht doch ganz fest, dass man früher die Taufe nicht so im Brauch gehabt hat, dass nicht noch manche, Heilige und Kinder von Heiligen, ohne sie heimgingen. Und selbst die ärgsten Papisten haben die Notwendigkeit der Taufe den Märtyrern erlassen, bei denen man die Bluttaufe an Stelle der Wassertaufe gelten ließ. So ist es ganz reine Lehre, dass durch die freie Gnade Gottes die Kinder der Gläubigen aufgenommen sind in seinen Heilsbund, und dass uns Gott das bezeugt hat in der Verheißung: Ich bin der Gott seines Samens. Mit dieser Verheißung sollten wir uns doch zufrieden geben. Das Siegel dieser Verheißung ist zwar die Taufe, aber doch so, dass die Verheißung an sich auch genügt, wenn sich Zeit und Ort nicht gefunden haben, das Siegel noch dazu treten zu lassen. Doch ist zugleich zu beachten, dass die Taufe der Kirche aufgetragen, und ihre Erteilung mit dem Dienst am Wort verbunden ist, so dass, wer sie den Weibern überträgt, scheidet, was Gott zusammengefügt hat. Denn wem, ich bitte Euch, wurde befohlen: Geht hin und taufet? Doch nur denen, welchen die Vollmacht und das Amt zu lehren schon anvertraut war. Denn dass sie, wie ich höre, versuchen, diese beiden Gebote auseinander zu reißen, ist doch zu kindisch und lächerlich. So stelle ich also fest: Die Hebammentaufe ist eine gottlose Entweihung der wahren, richtigen Taufe. Fragt man aber nach dem Brauch der alten Kirche, so gebe ich zu, dass Augustin die Frage, ob Laien taufen dürfen, unentschieden lässt. Denn es war das schon eine feste Gewohnheit geworden, die den frommen Kirchenvater, wie etwa ein Sturm einen tüchtigen Schiffer, vom rechten Kurs abweichen ließ. Doch wagt er, trotz aller Abschwächungen, es doch nicht anders als eine Sünde zu nennen. Übrigens wurde aber auf der Synode von Karthago ohne alle Ausnahmen festgesetzt, Frauen sollten sich keinesfalls herausnehmen, zu taufen. Dieser Beschluss steht freilich in den Kirchenrechtsfantasien des Gratian verstümmelt durch einen untergeschobenen Ausnahmefall; aber schaut nur den Urtext an, dort steht es wörtlich so, wie ich es wiedergegeben. Freilich steht mir [auch ohne das] die hochheilige Gotteswahrheit [von der Taufe] fest genug, selbst wenn ich dafür in den Tod gehen müsste. Was ich selbst aber täte, kann ich andern nicht abraten. Seht also wohl zu, liebe Brüder, dass nicht Gottes heilige Sakramente, die er durch sicheres Gebot Euch anvertraut hat, unter Euren Händen besudelt werden, damit Ihr einmal Rechenschaft ablegen könnt darüber, ob Ihr den reinen Brauch der Sakramente eher bis aufs Blut verteidigt habt, als dass Ihr ihn irgendwie verfälschen ließet. Solche Standhaftigkeit wird freilich nicht gefahrlos sein; aber es soll Euch das berühmte Wort Cyprians fest und tief ins Herz gegraben sein: Die Knechte Gottes, die treulich seinem Gebot gehorchen, können wohl getötet werden, aber nicht besiegt. Erinnert Euch auch noch an ein anderes denkwürdiges Wort desselben heiligen Mannes, das uns Augustin überliefert hat: In einer so heiligen Sache gibt’s gar kein Besinnen! Das Wort verdient umso mehr Beachtung, als er es in einem Momente sagte, da schon die Hand des Henkers seinem Halse drohte. Soweit ists ja bei Euch noch nicht gekommen; umso fleißiger müsst Ihr dafür sorgen, dass Ihr nicht bloß aus Trägheit und durch Verrat an Gottes Wahrheit Euer Amt dem Teufel zum Gespötte macht. Ihr fragt, was Ihr denn tun sollt? Es scheint mir am besten, Ihr bittet den Fürsten um Entschuldigung; aber er möge doch nicht Euer Gewissen zu etwas zwingen, was es nicht tragen könne, und legt ihm die Gründe dar, die Euch hindern [ihm zu gehorchen]. Im äußersten Fall, wenn er auch dann noch nichts mildert, zieht Ihr Euch auf das Wort des Petrus zurück: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen [Apg. 5, 29].

Über das Glockengeläut und die Festtage sind wir der Meinung, Ihr solltet diese kleinen Torheiten eher ertragen, als deshalb den Posten, den Euch Gott angewiesen hat, verlassen; nur sollt Ihr sie nicht billigen und Euch vorbehalten, den daraus entstehenden Aberglauben zu tadeln, und das dann auch fleißig tun. Da ist vor allem dreierlei zu rügen: erstens, dass überhaupt Unterschiede gemacht werden in der Heiligkeit der Tage, zweitens, dass der Dienst Gottes gesehen wird im Halten von Festen, und drittens, dass nicht zur Ehre Gottes, was schon an sich jüdisch wäre, sondern auch zur Ehre von Menschen bestimmte Tage beobachtet werden.

Dass der Fürst Euch verbietet zusammenzukommen, ist ganz unerträglich. Deshalb dürft Ihr nicht nachlassen, bis das unbillige Verbot außer Kraft gesetzt wird. Was soll denn, ich sage nicht schließlich, sondern in allerkürzester Zeit, aus der Kirche werden, wenn keine Verbindung mehr besteht unter den Pfarrern, keine Vereinigung zur Beratung, kein gemeinsames Überlegen. Lieber hundertmal umkommen, als in ein solches Zerreißen der Kirche willigen!

Es braucht nur Standhaftigkeit und Mut; wenn Euch der Herr damit ausrüstet, so wird die Sache gut gehen, wie auch der Ausgang sein wird. Damit Ihr nun nicht glaubt, ich könne nicht Maß halten [im Schreiben], so sehe ich von einer weitern Ermahnung ab. Wäre es nicht meine feste Überzeugung, dass Ihr bereit seid, lieber alles zu erdulden, als nur einen Finger breit vom rechten Weg zu weichen, so würde ich mich mehr befleißigen, Euch stark zu machen. Um mir nun nicht die Mühe zu machen, wo es überflüssig ist, bitte ich nur zum Herrn, dass er Euch festigt mit dem Geist der Stärke und des Vertrauens und Euch unüberwindlich macht gegen alle Ränke des Satans. Das tun mit mir einmütig auch alle meine Kollegen, aus deren Meinung heraus ich auch diesen Brief schrieb. Lebt wohl, geliebteste Brüder, und fahrt fort, wie Ihr angefangen habt, damit nicht der Feind, wenn Ihr ihm nur ein Spältchen auftut, triumphiere wie in einer eroberten Stadt.

Genf, 8. Mai 1544.

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Montbeliard.

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Montbeliard.

In der evangelischen Kirche der zu Württemberg gehörigen Grafschaft Montbeliard hatte Herzog Christoph lutherische Zeremonien einführen lassen, weshalb sich die dortigen Pfarrer, besonders Toussaint (Tossanus) um Rat an Farel und Calvin wandten.

Die rechte Stellung zu lutherischen Zeremonien.

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christo, liebe, verehrte Brüder. Obwohl diese Eure beiden Brüder von Euch nur nach Neuchatel gesandt worden sind, um die dortigen Pfarrer um Rat zu fragen, so sind sie doch auf deren Mahnung hin auch zu mir nach Genf gereist, um Euch auch meine Meinung in den Fragen, deretwegen Ihr die Neuchateller um Rat batet, zu melden. Ich von mir aus nehme mir nicht so viel heraus, dass ichs gewagt hätte, ungefragt mich in Eure Beratung zu mischen und meine Meinung dazu zu sagen. Weil aber unser Bruder Toussaint in seinem Brief mit Namensnennung sagt, Ihr möchtet mein und andrer Leute Urteil hören, so fürchte ich nicht, dass es mir als freche Anmaßung ausgelegt wird, wenn ich Euch einfach und kurz auseinandersetze, was ich tun würde, wenn ich in Eurer Lage wäre. Ich habe freilich schon vor zwei Monaten meine Meinung meinem lieben Bruder Toussaint gewissermaßen privatim mitgeteilt. Nun aber, da mir Eure Boten die einzelnen Punkte aufgezählt haben, über die Ihr im Zweifel seid, oder über die wenigstens eine gewisse Uneinigkeit herrscht, ob Ihr sie annehmen dürft oder nicht, will ich bei jedem Punkt kurzen Bescheid geben, wie ich davon denke.

Dass sich die Leute, die am Abendmahl teilnehmen wollen, beim Pfarrer zu einer Prüfung anmelden sollen, missfällt mir nicht so sehr; ja ich meine vielmehr, Ihr alle solltet von Euch aus darum bitten. Denn das ist der Lebensnerv einer wirklich frommen, heiligen Kirchenzucht. Weil es aber von diesem Brauch leicht abwärts geht zu einem gewissen Missbrauch, so wird es gut sein, um aller Gefahr zu begegnen, die Grenzen gleich festzusetzen, die die gesetzmäßige Anwendung dieser Einrichtung bestimmen. Nämlich, dass die Abendmahlsprüfung erstens eine Art privater Unterweisung zu vertraulicher Belehrung der Unwissenden sein soll, zweitens, dass man sie brauchen soll zum Ermahnen und Tadeln der Leute, die ihrer Christenpflicht im Leben zu wenig nachkommen und schließlich, dass sie dafür da sei, ängstliche Gewissen aufzurichten und zu befestigen.

Über die Austeilung des Abendmahls bin ich der Meinung, dass man die Sitte der Kranken-Kommunion gut zulassen darf, wo es notwendig und passend ist, und dass man sich auch dem nicht allzu sehr zu widersetzen braucht, den Verbrechern vor der Hinrichtung das Abendmahl zu geben, wenn sie es wünschen und zum Empfang genügend vorbereitet scheinen. Aber nur unter der Bedingung, dass es wirklich eine Kommunion ist, d. h. dass das Brot in einer Gemeinschaft von Gläubigen gebrochen wird. Dass aber das Abendmahl auch nach einem gewöhnlichen Predigtgottesdienst außerordentlicher Weise auf den Wunsch eines einzelnen Gemeindeglieds hin abgehalten werden soll, das ist zu unsinnig. Auch ziemt es sich nicht, dass das heilige Mahl, das ein gemeinschaftliches Feiern aller sein soll, in Gegenwart aller vorgesetzt werde, ohne dass dies vorher feierlich angekündet worden ist, so dass sich die Gemeinde zur Teilnahme vorbereiten kann. Die Art und Weise aber, die der Fürst hier befiehlt, hieße doch nichts anderes, als die öffentliche Ordnung der Kirche dem Gelüsten irgendeines einzelnen unterzuordnen. Wirft man dagegen das Bedürfnis der einzelnen ein, so braucht Ihr Euch nicht zu weigern, das Abendmahl öfter als bisher zu feiern, so dass keiner mehr sein Bedürfnis vorschützen kann, wenn er nur zur gemeinsamen Feier zu kommen braucht [um öfters das Abendmahl zu genießen].

Die Nottaufe der Hebammen zu erlauben, ist eine gottlose, frevelhafte Entweihung der Taufe. So halte ich dafür, dass Ihr diesen Punkt nicht nur ablehnen, sondern sogar, wenn der Fürst fortfährt, Euch damit übermäßig zu bedrängen, lieber Widerstand bis aufs Blut leisten sollt, als der Duldung dieses Aberglaubens beistimmen. Christus fragte die Pharisäer: Woher ist die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von den Menschen? Hätten sie das Zweite bejaht, so wäre der Schluss leicht gewesen, dass eine von Menschen kommende Taufe eitel und ohne Bedeutung sei. Nun, woher ist die Hebammentaufe? Sicher nicht von dem, der das Amt des Taufens ausdrücklich den Aposteln übertragen hat. Also stammt sie doch nur von der andern, entgegengesetzten Seite her. Augustin wirft nicht von einem Weib, sondern von einem männlichen Laien die Frage auf, ob er sündige, wenn er eine Nottaufe vollziehe. Er lässt die Antwort im Ungewissen und entschuldigt die Laientaufe mehr, als dass er sie billigt. Sicher sagt er nicht, es sei erlaubt; eher gesteht er, eine Sünde liege doch darin. Aber wenn wir Christi Vorschrift folgen, so hat ein solcher Zweifel gar nicht mehr statt.

Bei Begräbnissen möchte ich die Einschränkung gemacht sehen, dass der Sarg nicht in die Kirche, sondern gerade auf den Friedhof getragen wird. Dann möchte ich auch, dass die Grabrede dort gehalten wird, damit die Leidtragenden gerade beim Grab hören, was man ihnen zu sagen hat. Diese Art und Weise wäre wohl nicht besonders zu tadeln.

Des Glockengeläutes wegen möchte ich Euch nicht raten, zu hartnäckig zu widersprechen, wenns einmal nicht erreicht werden kann, dass es der Fürst drangibt; nicht weil ich es billige, sondern weil mir die Sache nicht des Streites wert scheint.

Dagegen wäre mein Wunsch, dass Ihr recht fest wäret in Ablehnung der Festtage; aber nicht so, dass Ihr im Allgemeinen dagegen ankämpft, sondern bloß gegen die, die in keiner Weise zur Erbauung beitragen und ihren abergläubischen Charakter auf den ersten Blick zeigen. Da habt Ihr einen Grund zum Widerstand, der Beifall finden muss. Denn unter dem Papsttum wurden z. B. Mariä Empfängnis und Himmelfahrt mit großem Pomp gefeiert. Was könnte ein Diener Christi, wenn er an einem solchen Fest auf die Kanzel stiege, anders sagen, als die Dummheit der Leute zu verspotten, die solche Festtage ersonnen haben?

In kurzen, nackten Worten habe ich Euch meine Meinung dargetan. Euch auch Begründungen zu geben, schien mir teils überflüssig, teils wenigstens nicht unbedingt notwendig, da Ihr bei Eurer Klugheit auch ohne weitere Belehrung die Gründe erwägen könnt, die mich bestimmen. Nun sehe ich wohl, worin die Schwierigkeit noch besteht und wie groß sie ist, nämlich bei Euerm Fürsten etwas zu erreichen. Wenn Ihr aber in einem bescheidenen Bittgesuch darlegt, dass Ihr nicht anders könnt, wenn Ihr nicht um seinetwillen Christum verspotten wollt, so wird er doch unzweifelhaft einem so billigen Verlangen nachgeben, so weit es geht. Deshalb rate ich Euch, Euch nicht allzu schwierig und eigensinnig zu zeigen, so weit es Eurerseits geht. Denn wenn er merkt, dass Ihr Euch in Euren Forderungen mäßigt, so wird er umso leichter dazu zu bringen sein, auch seinerseits Euch etwas nachzulassen, besonders wenn er sieht, dass Ihr nicht ohne Gründe kämpft. Erschreckt Euch aber die Gefahr des Ärgernisses, die darin liegt, dass Ihr einen neuen liturgischen Brauch annehmt, der in unsern Kirchen nicht üblich ist, so liegt darin eine gewisse Berechtigung. Aber weil auch wir noch nicht einen solchen Grad der Vollkommenheit erreicht haben, dass wir nicht noch wünschten, weiter zu kommen, so braucht Euch diese Befürchtung nicht abzuhalten, die liturgischen Bräuche anzunehmen, die wenigstens nicht geradezu tadelnswert sind. Lebt wohl, bester verehrte Brüder. Meine Kollegen lassen Euch angelegentlich grüßen; auch sie weichen von meinem Urteil gar nicht ab. Der Herr Jesus lenke Euch stets mit seinem Geiste.

Genf, 7. Oktober 1543.
Euer
Johannes Calvin.