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Schlagwort: Hesse Eoban

Luther, Martin – An Eoban Hesse

Luther, Martin – An Eoban Hesse

An den rechtschaffenen Gottesfürchtigen Eoban Heß, seinen theuresten Bruder, Deutschlands berühmten Dichter.

Gnad und Friede in Christo. Ich sende an Euch, mein bester Heß, auf einmal vier Briefe, und zwar lebendige, beredte, ja die allerberedtesten, den Justus, Philipp, Spalatin, und Agricola; ich wollte gern der fünfte gewesen seyn, allein es war einer, der mir sagte: schweig, du hast ein böses Maul. Vielleicht bringt es so dieses Landes schlimme Sitte mit, daß es den Fünfer durchaus hasset, und deßhalb Schmegkan für zween rechnete. Ich könnet also auch mich zu Fünften Philippsen, dem vierten, zählen. Unterstehet Euch also nicht mehr, Euch zu beklagen, Ihr bekommt so selten Briefe von mir, nun ich Euch so sehr damit überhäufte, daß Ihr nimmermehr mir genung darauf zu antworten werdet im Stande seyn. Des bin ich mir überzeuget, und weis es, daß auch Ihr es seyd. Damit ich aber jenen so beredten Briefen mit diesem stummen, todten keine Unehre mache, so will ich aufhören weiter zu schreiben. Lebet also wohl und vergnügt, und genießet dieser meiner Herzensfreunde im Herrn. Meinen Gruß an Euer ganzes königliches Haus, an die Königinn, königlicher Prinzen, und königliche Familie. Den Osiander, Wenzel, Schleupner, und Thomas zu grüßen, hab ich diesen meinen lebendigen Briefen aufgetragen. Der Herr sey mit Euch. Betet für mich; auch ich bin Euer eingedenk. Das weis ich wol. Amen.

Coburg an St. Georg. 1530. [23.4.]

Euer
Martin Luther

Quelle:
D. Martin Luthers bisher grossentheils ungedruckte Briefe. Nach der Sammlung den Hrn. D. Gottf. Schütze, aus dem Latein übersetzt. Erster Band. Leipzig, in Kommission bey Christian Friderich Wappler. 1784.

Melanchthon Philipp – An Eoban Hesse (Fragment)

Melanchthon Philipp – An Eoban Hesse (Fragment)

Ich hoffe, du wirst diejenigen, welche unter dem Vorwande theologischer Studien die Humaniora verachten, dahin bringen, daß sie sich schämen, wenn sie einen theologischen Gegenstand so tüchtig poetische behandelt sehen. Entweder bin ich ein falscher Prophet, oder du wirst einige durch dieses Beispiel auf den rechten Weg zurückführen. Denn ich sehe, daß du denselben Schmerz, wie ich, über den Verfall unserer Studien empfindest, die erst vor kurzem ihr Haupt erhoben hatten und nun wieder zu versinken beginnen.

Die die profanen Wissenschaften nicht wollen, denken, glaube mir, nicht viel besser über die theologischen: sie benutzen es nur als Beschönigung ihrer Faulheit. Wir aber, die wir die schönen Studien empfehlen, müssen Alles thun, um die unerfahrene Jugend anzuregen und auf den rechten Weg zu führen.

Guter Gott! wie unsinnig theologisiren die, welche glauben, nur durch die Verachtung der schönen Wissenschaften als weise zu erscheinen. Wohin anders geht dieser Irrthum hinaus, als daß er uns eine neue Sophistik und zwar noch eine dummere und gottlosere, als die frühere bringt?