Durchsuchen nach
Schlagwort: Camerarius Joachim

Melanchthon an Camerarius.

Melanchthon an Camerarius.

Die Widersacher haben zwar noch nicht geantwortet; ich höre aber, daß ihre vermeinte Confutation fertig seie, und binnen zwei oder drei Tagen zum Vorschein kommen werde. Man sagt, der Kaiser werde Befehl geben, es sollte Alles in vorigen Stand kommen, bis die Streitigkeiten in einem Concilio untersuchet werden. Darauf soll der Rathschlag ankommen; und wenn dieser Ausspruch nicht gemildert wird, so könnet Ihr leichtlich erachten, was er vor Unruhen nach sich ziehen wird. Der Schwager (Georg von Sachsen) unsers Fürsten soll diese harte Meinung auf die Bahn gebracht haben, welcher, wenn er von seiner bekannten großen Hartnackigkeit ließe, so würde hier Alles besser gehen. Das ist es Alles mit einander. Capito ist aus Straßburg anher kommen; hält sich aber noch in der Stille und hat neulich den Kurfürsten zu Mainz gebeten, daß man ihn zur Unterredung lassen möchte. Da man wider uns obbeschriebenen Ausspruch that, wollte besagter Kurfürst nicht dabei sein, weil er schon Tags zuvor sehr heftig gestritten und unsers Fürsten Schwager nicht auf gelindere Gedanken bringen konnte; die Theologen aber am Mainzischen Hof sind von Ecken aus der Versammlung, die man wider uns anstellet, ausgeschlossen worden. Arnold, den ich Euch recommandire, wird Euch den allerheilsamsten Rath der spanischen vornehmen Häupter in unserer Sache erzählen. Philipp.

Quelle:
Philipp Melanchthon's Werke, in einer auf den allgemeinen Gebrauch berechneten Auswahl. Herausgegeben von Dr. Friedrich August Koethe Erster Theil Leipzig: F.A. Brockhaus 1829

Melanchthon an Camerarius.

Melanchthon an Camerarius.

Vom 26. Jun. 1530.

Gestern ist durch die Gnade Gottes dem Kaiser unser Bekenntniß überreicht und öffentlich verlesen worden, und man sagt, es sei bei den Fürsten eine unvermuthete Stille und Aufmerksamkeit gewesen. Ich änderte und besserte alle Tage Viel daran, würde auch noch Mehr geändert haben, wenn es unsere Räthe zugelassen hätten; und es fehlet so viel, daß ich denken sollte, sie wäre allzu gelinde geschrieben, daß ich vielmehr besorge, es möchten Einige unsere Freiheit mißdeuten. Denn ehe wir solche übergaben, hat sie der Kaiserl. Secretarius Valdesius gesehen, und geurtheilt, sie wäre viel zu bitter und beißend, als daß die Feinde solche ertragen könnten. Ihr werdet einen gräulichen Mischmasch antreffen, wenn Ihr die Apologie meines Aristarchi, von dem Ihr schreibet, leset. Auf dergleichen Wortrichter kann ich sehr böse sein. Mein Gemüth sorget und grämet sich erbärmlich, nicht unserer Sache, sondern der Sorglosigkeit unserer Leute halben. Machet Ihr nur Euch meinetwegen keinen Kummer, denn ich befehle mich Gott. Nur etwas Sonderlichs macht mir viel zu schaffen, davon ich aber nur mündlich reden kann. Gehabt Euch wohl und. schreibt mir wieder. Wollte Gott, Ihr könntet alldorten unsere Apologie zu lesen bekommen; allein der Kaiser verbeut, daß man sie drucke. Nochmals Gott befohlen.

Quelle:
Philipp Melanchthon's Werke, in einer auf den allgemeinen Gebrauch berechneten Auswahl. Herausgegeben von Dr. Friedrich August Koethe Erster Theil Leipzig: F.A. Brockhaus 1829