Melanchthon an Camerarius.

Melanchthon an Camerarius.

Die Widersacher haben zwar noch nicht geantwortet; ich höre aber, daß ihre vermeinte Confutation fertig seie, und binnen zwei oder drei Tagen zum Vorschein kommen werde. Man sagt, der Kaiser werde Befehl geben, es sollte Alles in vorigen Stand kommen, bis die Streitigkeiten in einem Concilio untersuchet werden. Darauf soll der Rathschlag ankommen; und wenn dieser Ausspruch nicht gemildert wird, so könnet Ihr leichtlich erachten, was er vor Unruhen nach sich ziehen wird. Der Schwager (Georg von Sachsen) unsers Fürsten soll diese harte Meinung auf die Bahn gebracht haben, welcher, wenn er von seiner bekannten großen Hartnackigkeit ließe, so würde hier Alles besser gehen. Das ist es Alles mit einander. Capito ist aus Straßburg anher kommen; hält sich aber noch in der Stille und hat neulich den Kurfürsten zu Mainz gebeten, daß man ihn zur Unterredung lassen möchte. Da man wider uns obbeschriebenen Ausspruch that, wollte besagter Kurfürst nicht dabei sein, weil er schon Tags zuvor sehr heftig gestritten und unsers Fürsten Schwager nicht auf gelindere Gedanken bringen konnte; die Theologen aber am Mainzischen Hof sind von Ecken aus der Versammlung, die man wider uns anstellet, ausgeschlossen worden. Arnold, den ich Euch recommandire, wird Euch den allerheilsamsten Rath der spanischen vornehmen Häupter in unserer Sache erzählen. Philipp.

Quelle:
Philipp Melanchthon's Werke, in einer auf den allgemeinen Gebrauch berechneten Auswahl. Herausgegeben von Dr. Friedrich August Koethe Erster Theil Leipzig: F.A. Brockhaus 1829

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