Calvin, Jean – An Jeanne d´ Albret, Königin von Navarra, in Bearn.

Calvin, Jean – An Jeanne d´ Albret, Königin von Navarra, in Bearn.

Nr. 734 (C. R. – 3961)

Die Königin hatte zur Reformation ihres Landes (vgl. 719) den Genfer Pfarrer Merlin kommen lassen und Calvin gebeten, ihr noch mehr Pfarrer zu senden; zu der Anleihe des Königs von Navarra vgl. 636.

Sendung von zwölf Pfarrern und Schuldenmahnung.

Madame, es tut mir leid, dass mich der Überbringer dieses Briefes in einer Lage gefunden hat, in der ich nicht, wie ich gewollt hätte, Ihrem frommen Wunsche nachkommen konnte. Denn ich wurde vierzehn Tage lang von einer so seltsam starken Kolik gequält, dass all meine Sinne und Geisteskräfte wie unbrauchbar waren vor heftigen Schmerzen. Jetzt hat mich das Übel zwar noch nicht losgelassen, aber doch hat es angefangen, geringer zu werden, so dass ich auf größere Erleichterung hoffen darf. Kurz, Herr Beza samt unserm Pfarrkollegium haben an meiner Stelle gehandelt; auch die gnädigen Herren der Stadt haben, als sie von mir Ihr Dankschreiben vernahmen, uns gebeten und ermahnt, alles so gut wie möglich zu besorgen. Wir haben schließlich ein Dutzend Leute gefunden. Sind sie nicht so trefflich, wie man wünschte, so bitte ich Sie, Madame, Geduld zu haben; denn das ist eben eine Ware, die man nicht immer nach Wunsch bekommt. Jedenfalls hoffen meine Kollegen, die zwölf seien so ziemlich geeignet und genügend, das Volk zu Ihrer Zufriedenheit zu unterrichten. Es bleibt nun nur noch übrig, Madame, sie ans Werk zu stellen und eine starke Hand über sie zu halten; denn Ihre Macht wird nötig sein, die Pfarrer zu wappnen und zu schirmen in den vielen Kämpfen, die ihrer warten. Dazu, wie Sie wohl wissen, Madame, müssen Sie sich selbst wappnen und schirmen mit Kraft und Festigkeit aus der Höhe, um nicht zu wanken, sondern Ihr frommes Vorhaben durchzuführen bis ans Ende. Haben Sie erst einige Ordnung geschaffen, was hoffentlich bald geschehen ist, so ersuche ich Sie untertänigst, uns unsern Bruder Merlin zurückzusenden, dessen Abwesenheit uns unserer kleinen Zahl wegen einigermaßen beschwerlich ist.

Übrigens, Madame, was die von mir erwähnte Summe angeht, so steht es damit so: Der verstorbene König, Ihr Gemahl, der sich damals noch wohl geneigt zeigte und in großer Verlegenheit war, fragte, ob man ihm nicht mit ein paar Groschen helfen könne. Ich bewirkte nur, dass man ihm von Genf bis zu 40 000 Franken versprach. Bevor man sie liefern konnte, sandte er Herrn de Maligny, den jetzigen Vidame de Chartres, nach Lyon mit dem Befehl, 25 000 Franken für gewisse Kosten, die er hatte, auszulegen, von denen ich ihm auf seine Forderung 10 000 anweisen ließ. Als es nun ans Zahlen kam, wusste ich nicht, wohin ich mich wenden sollte, denn ich bin nie ein Finanzmann gewesen; und ich kann Sie versichern, Madame, so wenig ich selbst hatte, – es ist ja fast nichts, – damals war ich ganz zu Ende damit bis auf die kleine Münze, die ich brauchte, den täglichen Bedarf zu kaufen. Aber, Gott sei Dank, schließlich kam der Beitrag zusammen, und der verstorbene König, Ihr Gemahl, der damals noch nicht abgefallen war, versprach Herrn Beza, uns zufrieden zu stellen, wie Ihnen dieser bezeugen kann. Wenn ich Ihnen nun davon schreibe, so geschieht es nicht, weil ich nur einen Groschen zurückhaben wollte von dem, was ich von dem meinigen beigesteuert habe, sondern nur, damit ich meinen Freunden gegenüber, die mir in dieser Not halfen, meine Pflicht erfüllen und mein Ehrenwort einlösen kann. Madame, ich wollte Ihre Majestät in keiner Weise damit belästigen, wenn ich nicht glaubte, Sie fänden es selbst nicht übel, wenigstens von der Tatsache unterrichtet zu sein, um nach Ihrer Freundlichkeit und wie Sie es für vernünftig halten, dafür zu sorgen. Indem ich mich Ihrer Majestät, Madame, ergebenst empfehle, bitte ich den Vater im Himmel, er wolle Sie stets in seiner Hut halten, Sie reich werden lassen an all seinen Geistesgaben und Sie wachsen lassen in allem Guten und Glücklichen.

Genf, 1. Juni 1563.

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