Calvin, Jean – An Jean de Soubise in Lyon.

Calvin, Jean – An Jean de Soubise in Lyon.

Nr. 721 (C. R. – 3926)

Am 15. März 1563 schloss Prinz de Conde zu Amboise einen Frieden, der für die Protestanten insofern ungünstig war, als er ihrer momentanen Machtstellung nicht entsprach; denn durch Montmorencys Gefangenschaft und die Ermordung des Herzogs de Guise durch Poltrot am 18. Februar 1563 hatte die katholische Partei ihre Führer verloren. Die Protestanten sahen im Frieden zu Amboise einen Verrat de Condes. Dieser Friedensschluss wurde sofort dem Lyon belagernden Herzog de Nemours mitgeteilt, der ihn im Lager kundtun ließ und ihn an den hugenottischen Kommandanten von Lyon, Jean de Soubise, sandte. Dieser weigerte sich jedoch, die Stadt zu übergeben, bis er selbst dazu Ermächtigung erhalte, und wandte sich an Calvin um Rat. De Boucart war ein mit der Publikation des Friedensedikts in Südfrankreich beauftragter Gesandter des Königs und des Prinzen.

Unterwerfung unter den bösen Frieden von Amboise.

Monsieur, nun ist die Zeit, wo Gott uns heimsuchen will. Also müssen wir uns stärken in dieser Versuchung, so hart sie auch sein mag. Ich will nicht weitergehen und die Sache im Allgemeinen behandeln; das hieße ja nur die Wunde noch schmerzhafter machen. Ich weiß ja auch, weshalb Sie den Überbringer dieses Briefes zu mir gesandt haben, nämlich um meinen Rat zu hören darüber, wie Sie sich verhalten sollen, wenn es gilt auszuführen, was ohne Sie abgeschlossen worden ist. Nun eben, es handelt sich nicht mehr darum, dass Sie Ihre Meinung äußern könnten in einem Rat, in dem Sie Sitz und Stimme hätten, sondern es liegt eine fertige, abgeschlossene Sache vor. Wären Sie zur Stelle gewesen, Sie hätten Ihr Leben dransetzen müssen, mit allem geziemenden Freimut dem bösen Vorhaben zu widerstehen. Nun aber ist die Frage: wie sich stellen zur Ausführung eines Beschlusses, der nicht in Ihrer Macht lag? Da heißts nun, darauf sehen, was Sie tun müssen und was Sie tun können. Das Tunkönnen verstehe ich aber nicht nach Art der Welt als die Überlegenheit des Stärkeren, sondern ich meine, was Sie tun können vor Gott, nichts anderes. Nun ists so, dass Sie in diese Lage gebracht worden sind durch den Elenden, der durch Verrat an Gott uns in seinem Leichtsinn in all diese Not gestürzt hat. Da müssen Sie nach der Lehre der Schrift handeln: Wenn Gott denen das Schwert nimmt, die er damit gegürtet hatte, so müssen wir uns unter diesen durch seine Hand gewirkten Wechsel beugen und unterordnen. Deshalb kann ich nicht finden, dass Sie Grund und Erlaubnis von Gott hätten, sich einem Befehl zu widersetzen, der von einer Stelle kommt, der wir eben doch nicht Illegitimität vorwerfen können. Wenn dieser Beschluss schlecht ist: Gott will uns heimsuchen, da müssen wir still halten. Übrigens, Monseigneur, scheint mir das richtige Verhalten für Sie das zu sein: – ich setze voraus, dass ehe dieser Bote zu Ihnen kommt, Herr de Boucart Ihnen seinen Auftrag ausgerichtet haben wird, – dann ist das erste, was Sie zu tun haben, sich Ihrer Kommandanten-Stellung zu entledigen, ihm gegenüber sowohl als auch gegenüber der Bürgerschaft von Lyon.

Was sie im einzelnen zu tun haben, das überlasse ich Ihnen, da Sie in Ihrer Klugheit es bereits wissen; denn ein Brief kann nicht so ins einzelne gehen, wie ich es mündlich tun könnte, wenn ich bei Ihnen wäre. Indessen werden Sie jedenfalls für die Stadt gut sorgen, dass sie nicht in schlimme Hände fällt. Da Sie dulden müssen, was Sie nicht hindern können, so verlangen Sie nur Frist für einzelne Punkte, die noch nicht vollständig klar gestellt sind. Ein solcher Aufschub kann Ihnen nicht als Auflehnung angerechnet werden; auch wird man Ihnen nicht vorwerfen können, Sie wollten Ihrem König Gebote aufzwingen, wenn Sie die Hauptsache im Friedensschluss annehmen und nur um genügende Aufklärung in einzelnen Punkten bitten, ehe Sie ihn zur Ausführung bringen. Ich weiß, solche Unterwerfung wird Ihrem Kriegsvolk sehr schwer fallen; aber ich denke, schließlich werden die Soldaten doch auch darauf achten, was Sie als Ihnen erlaubt ansehen; aber wie gesagt, indem Gott uns diesen nichtswürdigen Menschen von der Seite riss, hat er uns einen solchen Keulenschlag versetzt, dass wir liegen bleiben müssen, bis er uns wieder aufrichtet.

Damit, Monsieur, – – – –
Den 5. April 1563.

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