Calvin, Jean – An Madame de Roye in Straßburg.

Calvin, Jean – An Madame de Roye in Straßburg.

Nr. 722 (C. R. – 3927)

Madame de Roye, de Condes Schwiegermutter, hatte sich mit seinen Kindern während des Kriegs nach Straßburg zurückgezogen und war dort in solche Not geraten, dass sie von Sturm 6 000 Gulden entlehnen musste; sie hatte Calvin über den Frieden von Amboise geschrieben und versucht, ihren Schwiegersohn zu entschuldigen; Calvin hofft, dass der Friede bei der guisischen Partei noch mehr Widerspruch finden werde als bei den Protestanten, und dass so seine Urheberin, Katharina von Medici, den Protestanten näher kommen werde.

Über den Frieden von Amboise.

Madame, die Friedensbedingungen sind so ungünstig für uns, dass wir allen Grund haben, Gott mehr als je anzurufen, er wolle sich unser erbarmen und der höchsten Not abhelfen. Jedenfalls müssen wir das Haupt beugen und uns demütigen vor Gott, der in seiner Hand hat, wunderbar zu Ende zu bringen, was uns anfänglich in schmerzliches Erstaunen setzt. Ich kann Ihnen nicht verhehlen, dass jedermann es schlimm findet, dass der Herr Prinz sich so leichtgläubig zeigte, und noch mehr, dass er so eilig abgeschlossen hat. Es scheint, er habe mehr um seine Sicherheit Sorge getragen, als ums gemeine Wohl aller Gläubigen. Aber sei dem, wie ihm wolle, – das eine schon heißt uns schweigen, dass wir wissen, Gott will uns von neuem prüfen. Mein Rat wird stets sein, nicht zu den Waffen zu greifen und lieber alle umkommen sehen, als nochmals solche böse Wirren erleben zu müssen. Ich hoffe, Madame, Sie werden sich nach Möglichkeit bemühen, wieder zu fördern, was heute einen Rückschritt gemacht zu haben scheint. Ich bitte Sie im Namen Gottes, strengen Sie sich darin recht an; ja ich denke, die verstockte Wut unserer Feinde wird vielleicht die Königin-Mutter und viele, die uns bisher nicht gerade günstig waren, so ärgern, dass alles sich noch zum Guten wendet. So weiß Gott Licht aus der Finsternis entstehen zu lassen. Diese Erwartung macht mir meine Bedenken etwas leichter; doch höre ich deswegen nicht auf, zu seufzen in der Angst, die mich bei diesen Nachrichten gepackt hat.

Indem ich mich, Madame, Ihrer Wohlgewogenheit ergebenst empfehle, bitte ich den Vater im Himmel, Sie in seiner heiligen Hut zu halten und Sie wieder gesund und heil heimzubringen samt den Kindlein, die Gott nun schon der Ehre gewürdigt, um seinetwillen in fremdes Land pilgern zu dürfen; das wird ihnen eine Erinnerung sein, wenn sie älter werden, ihm mit Eifer zu dienen ihr ganzes Leben.

[Genf, Anfang April 1563.]

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