Calvin, Jean – An Beza in Paris (698)

Calvin, Jean – An Beza in Paris (698)

Nr. 698 (C. R. – 3717)

Die Fortsetzung des Gesprächs von Poissy wurde schon nach vierzehn Tagen abgebrochen. Absalom nennt Calvin den König von Navarra wegen seines Abfalles (vgl. 694); was Bullinger von Calvin wollte, ist nicht festzustellen, da der Brief verloren ist; Sulzer hatte in seinem Brief Castellio verteidigt.

Kirchen- und weltpolitische Geschäfte.

Ich habe nichts von dir erhalten seit der erfreulichen, kurzen Darstellung vom Ausgang der zweiten Verhandlung. Da aber der Hof voll löchriger Fässer ist, so sind schon allerlei Gerüchte bis zu uns durchgesickert, so dass man eigentlich mehr hören muss, als du weißt. Die große Entfernung macht, dass hier viele mehr zu wissen glauben als die Augenzeugen der Geschehnisse. Es wundert mich, dass du nicht schon bei der ersten Verhandlung gemerkt hast, in welches Netz du dich verstricktest. Stets missfiel mir Euer Vorgehen darin, dass Ihr auf das Zeugnis des Altertums die halbe Sache abstellet. In dieser Sache können wir so wenig zusammenkommen wie Feuer und Wasser; da du aber nicht aus Irrtum oder Unbedacht gestrauchelt bist, so will ich dir selbst das Urteil darüber freilassen. Da du die Wunde, die bereits vernarbt war, absichtlich wieder aufrissest, zwangst du mich zum Geständnis, wie sehr ich von dir abweiche. Gegen den Bilderdienst das Zeugnis des Altertums aufzuführen, war ja ganz recht; aber wie steht es dann mit dem Salben und Anblasen bei der Taufe und den Osterkerzen? Doch ich will nicht mehr sagen, damit es nicht scheint, ich wolle einem Marlorat und seinesgleichen gegenüber den Gescheiten spielen. Indessen dauerst du mich, dass du durch ihre Dummheit in den tiefen Kot geraten bist. Was nun meinen Rat angeht, so habe ich ja kurz angedeutet, was ich für gut halte; doch wirst du es vielleicht gar nicht beachten, wenn du es gelesen hast; denn ich habe ja nichts als ganz Selbstverständliches zu sagen. Aber um dir zu gehorchen, wollte ich lieber ein Nichts vorbringen, als deine Bitte abschlagen.

Nun zu anderem. Unsere Nachbarn [in Bern] haben neulich unsern Rat ernstlich ersucht, dein heilloser Absalom möge rechtzeitig gewarnt werden, sich vor den ungeheuern Truppenmassen zu hüten, die man gegen ihn rüste. Man erzählt vieles, was wohl auch anderswoher zu Euch dringt. Was uns andrerseits Bullinger zu schaffen gibt, siehst du aus seinem Brief, den ich nicht zu unterdrücken wage, damit es nicht heißt, wir hätten durch unser Schweigen die Republik verraten. Ich überlasse dir die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass keine der beiden Parteien sich beklage, durch unsern Hochmut sei eine herrliche Gelegenheit versäumt worden. Nur eins verlange ich dringend von dir, (erwäge, was dies Wort bedeutet!), dass sobald als möglich die Antwort kommt; denn ich habe nicht Taler genug, noch viele geldgierige Boten zu zahlen. Dazu weißt du, dass sie, die selbst langsamer sind als Schnecken, die französische Schnelligkeit gern missbrauchen. Befreie mich also sobald als möglich von dieser Last! Wie, wenn dieser Rauch nur den Zweck hätte, uns Schrecken einzujagen? Doch, was kümmerts mich, mach du nur schnell. Ich hätte dich gern bei deiner Masse von Geschäften damit verschont; aber ich kann nicht anders, als dir Sulzers Brief auch senden, ein Zeugnis seiner dummen Unverschämtheit; ich möchte, du verachtetest sie, wie sie es verdient. Lebwohl, bester Bruder und Freund. Der Herr sei stets mit dir; er halte dich aufrecht mit unüberwindlicher Kraft und erhalte dich gesund.

18. Februar 1562.

Dein

Carolus Passelius.

Alle Kollegen auch die neuen Syndics und der Rat lassen dich vielmals grüßen.

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