Calvin, Jean – An Beza in Paris (697)

Calvin, Jean – An Beza in Paris (697)

Nr. 697 (C. R. – 3715)

Bezas letzter Brief hatte von der Fortsetzung des Gesprächs berichtet und als Gerücht einen Überfallsplan des Savoyers auf Genf gemeldet; es sei schon ein neues Haus in der Nähe eines Stadttors heimlich von savoyischen Soldaten besetzt. Über de Tries Tod vgl. 674; sein Bruder war Parlamentsrat in Lyon; mit ihm musste ein Prozess um die Erbschaft geführt werden. De Normandie war ebenfalls in Familienangelegenheiten in Paris festgehalten.

Politische Besorgnis. Calvin als Vormund.

Ob seit deinem unerfreulichen Bericht die Lage sich bereits wieder zum Bessern gewendet hat, wissen wir noch nicht, und kein Gerücht brachte uns eine Kunde, die meine Sorge höbe. Wenn Gott nicht zur rechten Zeit eingreift, wird man alle Tage neuen Anlass suchen, unsere Sache zu unterdrücken. Von Eurer ersten Zusammenkunft ist einiges berichtet worden, woraus ich schließe, deine Ahnung, es werde alles in Rauch aufgehen, habe Recht gehabt.

Unsere Nachbarn [in Bern] sind in großer Angst; wir warten einstweilen noch ruhig ab, gegen wen der Angriff König Philipps sich richten wird. Es heißt, er sende unter der Hand nicht unbeträchtliche Truppenmassen aus Spanien herüber und hebe auch in Italien Militär aus. Doch kann ich nicht glauben, dass er gemeinsam mit dem Papst und Venedig zum Kriege rüste. Kannst du etwas auffischen, so wäre es für uns von großem Interesse, es möglichst bald zu wissen. Eine so schwerwiegende Unternehmung kann sicher bei Hofe nicht mehr verborgen sein. Sieh also zu, dass dein nächster Brief recht voll ist von Nachrichten über diese Kriegsrüstung. Wir werden eifrig auf der Hut sein, und ich verlasse mich auch darauf, dass Gott über uns Wacht hält, damit uns der Feind nicht unversehens überfalle. Wenns zum offenen Krieg kommt, wird noch Zeit genug sein, sich nach Hilfe umzusehen. Dass das Gerücht von dem neuen Haus beim Tor leeres Gerede ist, habe ich bereits geschrieben; es ist uns dort niemand verdächtig.

Wenn du meinen Brief dem Admiral übergibst, so sorge auch, dass er sich der Sache, die ich ihm empfehle, getreulich annimmt. Ich bitte ihn, er möge durch seine Macht uns helfen, eine Urkunde zu erwirken, wie ich sie hier in Abschrift beilege; ebenso eine Kopie des Bittgesuchs. Da der Bruder unseres de Trie nicht nur ein hochmütiger Narr, sondern auch hinterlistig und grausam, ja ein ganzer Schurke ist, so wird von ihm nur mit Gewalt etwas zu erhalten sein. Wir fordern auch gar nichts besonders Schlimmes oder Schwieriges, sondern nur, was schon allenthalben vielen Evangelischen zugestanden worden ist, nämlich die Zulassung der unmündigen Erben zur Erlangung ihres Rechtes. Bis uns diese Tür in der Sache aufgetan ist, wagen wir keinen Prozess anzustrengen, denn wir haben es mit einem ganz verzweifelten Kerl zu tun. Die ganze Geschichte wird hoffentlich Bernaut auf sich nehmen; doch bitte ich dich, so sehr ich kann, auch deine Mitwirkung dazu treten zu lassen, so weit du kannst, wenns auch nicht ohne Mühe für dich ist. Doch ich sage nicht mehr, denn ich weiß genug und übergenug, was du freiwillig um meinetwillen tust, auch wenn ich dich nicht bäte, und du weißt, dass von allen Diensten, die du mir persönlich leisten kannst, mir dieser der liebste wäre. Ich bin es dem unvergesslichen, ganz einzigartigen Freunde schuldig, dass ich für seine Kinder ganz so sorge, wie wenn es die meinigen wären. Denn durch seine unglaubliche Liebe zu mir, durch die wahrhaft kindliche Treue, die er mir erwies, durch seine Ergebenheit bis in den Tod hat er es verdient, und es wäre Sünde von mir, das Vertrauen, das er in mich gesetzt hat, zu täuschen. Stets werden in meinem Herzen seine letzten Worte haften, als er mir in Gegenwart von Frau und Kindern sagte: „Lieber Vater, wir sind Eure Kinder; da mich nun Gott heimholt, so bitte ich Euch, der ich Euch stets ein gehorsamer Sohn war, auch die nicht zu verlassen, die ich hier zurücklasse. Denn ich wollte nichts mehr von ihnen wissen, wenn sie Euch nicht mehr Respekt und Gehorsam erwiesen als mir; denn alles, was sie mir verpflichtete, übergebe ich Euch, und auch meine Pflicht gegen Euch sollen sie erfüllen.“ Ich zitiere dies, damit, wenn du siehst, dass sich die Sache durch anderer Leute Gleichgültigkeit verzögert, du sie stets wieder daran erinnerst, bis die Sache fertig ist.

Lebwohl wieder und wieder, bester Bruder. Ob Herr de Normandie noch festsitzt, werden wir vermutlich bald erfahren. Ich dachte, die Lösung, von der ich schrieb, werde zur Erledigung seiner Geschäfte genügen; doch wir werden sehen, was der nächste Brief bringt. Sind die Bande unlösbar, so möge er sie doch eher zerreißen, als dass wir ihn stets entbehren müssen. Nochmals und nochmals lebt wohl Ihr beide. Gott behüte und leite Euch; er mache Euch reich an Segen aller Art und halte Euch aufrecht bis zuletzt mit unüberwindlicher Kraft. Die Kollegen lassen Euch vielmals grüßen.

11. Februar 1562.

Dein

Carolus Passelius.

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