Calvin, Jean – An Beza in Paris (696)

Calvin, Jean – An Beza in Paris (696)

Nr. 696 (C. R. – 3706)

Vgl. 692. In der Versammlung von Abgeordneten aller französischen Parlamente schien zuerst alles für die Evangelischen gut zu gehen; 22 Abgeordnete wollten ihnen Kirchen zuerkennen, 16 Versammlungsfreiheit ohne Kirchen, 11 gar nichts; die beiden Minderheitsparteien vereinigten sich, und es wurde im so genannten Januar-Edikt dann nur Versammlungsfreiheit außerhalb der Städte gestattet. Zur Fortsetzung des Religionsgesprächs wurden Beza und zwei andere evangelische Pfarrer, Perrucel (vgl. 245) und Marlorat, einigen Professoren der Sorbonne, darunter Salignac, gegenübergestellt; ob ihn Calvin mit dem Mönch meint, ist fraglich. Weggelassen sind einige unwichtige Sätze.

Von den Resultaten und der Fortsetzung des Gesprächs zu Poissy.

Deinen in den öffentlichen und persönlichen Angelegenheiten halt traurigen, halb erfreulichen Brief habe ich erhalten. Wenn du auch noch nicht wieder ganz gesund bist, so ist dein Leiden doch wenigstens teilweise gemildert, und mit Freuden erfuhr ich, dass du die Schmerzen los bist, wenn mich auch das noch Zurückbleibende zugleich ängstigte, besonders, weil du dich selbst fürchtest und es nicht recht zeigen willst. Über das Resultat der Abgeordnetenversammlung waren bereits so gute Berichte gekommen, dass in deiner Schilderung nichts Angenehmes für mich lag. Was bisher gut gegangen war, ist in einem Augenblick vernichtet worden. Was du für Gesellen haben wirst, sehe ich; der eine, ein von Selbstzufriedenheit aufgeblasener Schwätzer, der andere ein Narr und Dummkopf, dazu weltlich gesinnt und nur, weil er nichts weiß, frech, ja überhaupt nichts wert. Gegenübergestellt aber werden Euch Leute ohne alle Gottesfurcht und Scham. Denn der Mönch, der mir neulich geantwortet hat, will lieber in einem Herrn als in Gott leben und sterben. Du wirst schon spüren, welch verborgenes Gift er noch im Herzen trägt. Wenn Ihr mit Zitaten aus den Alten den Kampf führen müsst, so wird sich nichts Verworreneres denken lassen als Eure Disputation. Doch ich schreibe das ja unnötigerweise, denn die Sache wird schon vorbei sein, oder Ihr steckt mitten im Dreck drin, ehe mein Brief nach Paris kommt. Doch man muss eben Gott bitten, dass er dich mit seinem Rate leite, die Ränke der Bösen zerstöre und alle Schlingen und Fallen Satans auflöse und zerbreche. – – – –

Lebwohl, bester, allerliebster Bruder. Der Herr sei stets mit dir, er leite dich und halte dich aufrecht mit unüberwindlicher Kraft bis ans Ende.

28. Januar 1562.

Dein

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