Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (690)

Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (690)

Nr. 690 (C. R. – 3601)

Vgl. 673, 675, 683. Fünf lutherische Theologen, – drei von Tübingen, zwei von Heidelberg, – kamen am 19. Oktober nach Paris; doch war das Religionsgespräch bereits geschlossen.

Vom Betrug des Königs von Navarra.

Ich wurde zu spät auf die Abreise eines Boten aufmerksam gemacht, als ich mich eben zur Vorlesung schleppte. Ich muss so sagen, denn Schmerzen, bald in einem Fuß, bald im ganzen Bein, lassen mich nur langsam weiter schleichen; ja ich kann mich kaum aufrecht halten, wenn ich mich nicht auf den Arm eines andern stützen kann. Nun ist es etwa vier Uhr nachmittags, und morgen früh reist auch der Bote, der einen Brief an Beza und verschiedene andere mitnehmen soll. Verzeih also, bitte, wenn ich nur kurz schreibe. Freilich, auch wenn ich mehr Muße und mehr Lust zum Schreiben hätte, wüsste ich nicht, ob es der Mühe wert wäre, von den französischen Verhältnissen zu erzählen; denn ich schicke ja unseres lieben Martire Brief mit, der dir hoffentlich die Hauptsache berichtet. Auch wird er Euch bald mündlich erzählen können, was vorgegangen ist. Ich habe längst gemerkt, dass der Teufel in Deutschland geheime Ränke spinnt, und nun ists offenbar geworden. Schon vor drei Monaten habe ich den König von Navarra sorglich gemahnt, sich vor dieser Hinterlist zu hüten. Wie wenig Erfolg ich damit hatte, erfährst du besser von Herrn Martire bei seiner Rückkehr; denn mich ekelts, es zu Papier zu bringen. Wunderdinge hatte er versprochen, und um mehr Vertrauen zu gewinnen, machte er kein Hehl daraus, dass der Versucher auch zu ihm getreten sei; aber er habe stillschweigend seine Forderungen abgelehnt. Und nun schreibt man mir aus Deutschland, auf sein Gesuch habe man fünf Theologen gesandt, die nun bei Hofe sind, wenn man sie nicht etwa wieder entlassen hat, weil sie nach Abbruch der Verhandlungen zu spät kamen. Wird Gott die treulosen Machenschaften dieses Elenden wohl vereiteln, der sich dem Papst zu frevelhaftem Gehorsam verkauft, trotzdem dieser doch nur seinen Spott mit ihm treibt? Bald werden wirs erfahren. Lebwohl, hochberühmter Mann, von Herzen verehrter Bruder. Der Herr sei stets mit dir; er leite dich und segne dein Wirken. Allen deinen Kollegen, deiner Frau und deinem ganzen Haus bitte viele Grüße.

Genf, 5. November 1561.

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