Calvin, Jean – An Beza in St. Germain (689)

Calvin, Jean – An Beza in St. Germain (689)

Nr. 689 (C. R. – 3580)

Krankheit, Verhaltensmaßregeln für Poissy.

Seit die Leibschmerzen aufgehört oder wenigstens etwas nachgelassen haben, haben mich Schwindelanfälle gepackt, die mich aber nicht so arg mitnehmen. Mein Fuß ist noch nicht besser. Vorgestern habe ich gepredigt; doch musste ich mich auf meinem Lehnstuhl bis in die Kirche tragen lassen. Doch du erfährst das besser von unserm de Normandie, der vielleicht diesem Brief schon zuvorgekommen ist. Dass das Religionsgespräch bald abgebrochen werden soll, hat mir nie missfallen; nur soll es nicht durch Eure Schuld geschehen. Doch möchte ich nicht, dass Ihr, um bösem Geschwätz zu entgehen, allzu ängstlich wäret; denn ich fürchte stets, Eure Nachgiebigkeit könnte Euch und unserer Sache schaden; hütet Euch also davor, Euch betrügen zu lassen. Auf einem müsst Ihr bestehen: dass die Gläubigen eine befriedigende Freiheit erhalten; doch ist dabei die Hitze derer, die über das Ziel hinausschießen, streng zu tadeln, und Ihr müsst Euch beraten, wie Ihr sie im Zaum halten könnt, damit alle Provinzen halten, was Ihr beschließet. Wollen sie nicht folgen, so werden sie später, zu spät, erkennen, wie viel besser die Mäßigung ist als die Tollkühnheit. Wenn dann wenigstens nur sie die Strafe zahlen müssen! Aber wenn Gott nicht ihr maßloses Wesen bändigt, werden sie alles zu Grunde richten. Sieh das Muß ist ein scharfes Geschoss und macht verschwenderisch auch in der höchsten Not. Wenn Merlin noch vor Ende des Monats hierher zurückkommt, werden wir sagen, er habe gut an uns gehandelt. Die Frau Herzogin hat mich dringend gebeten, de Collonges nicht zurückzurufen; auch ihre Hoffnung auf dich wird man kaum enttäuschen dürfen; sie erwartet nämlich dich und Herrn Martire dringend und behauptet, man habe ihr das versprochen. Allerlei solche Aufenthalte werden den Termin deiner Abreise über Gebühr hinausziehen; auch wäre es nicht freundlich, Martire allein zu lassen; doch siehe vor allem zu, unserer verlassenen Schule rasch wieder aufzuhelfen. Denn ich, der ich an deine Stelle hätte treten sollen, musste fast den ganzen Monat liegen. Da du, wie ich vermute, kurz nach Empfang dieses Briefes abreisen wirst, so schreibe ich fortan nicht mehr, wenn ich nicht von einer Änderung deiner Pläne erfahren sollte. Lebwohl, trefflicher Mann und bester Bruder, samt Herrn Martire und den übrigen Brüdern, bei denen du mich wegen meines Nichtschreibens entschuldigen musst. Der Herr behüte und leite Euch alle und segne Euren Eifer.

21. Oktober 1561.

Dein

Calvin.

Kommentare sind geschlossen.