Calvin, Jean – An Beza in St. Germain (684)

Calvin, Jean – An Beza in St. Germain (684)

Nr. 684 (C. R. – 3555)

Der 7. Oktober war Bezas Geburtstag.

Humor in Schmerzen. Die Schrift gegen Baudouin.

Heute, an unserm Festtage, habe ich deinen sehr reichhaltigen und ebenso lieben Brief erhalten. Du wirst aus meiner Antwort ersehen, dass ich wegen meiner Gelenkschmerzen noch auf alles Feiern verzichten muss. Doch hatte ich seither nicht einmal so Ruhe wie heute; denn volle zwei Tage litt ich die furchtbarsten Schmerzen im rechten Bein. Vorgestern begann die Krankheit zwar sich etwas zu legen aber soweit ließ sie nicht nach, dass sie meinen Fuß nicht mehr festhielte. Und, – damit du weißt, dass ich nichts erfinde, – gegenüber solchen Schmerzen ist mir sogar der ölige Salbengeruch noch fast angenehm, obwohl er mich oft zum Erbrechen bringt. So brauche ich dich um deine höfische Pracht nicht zu beneiden; denn auch ich bin reichlich und fett gesalbt. Glaube mir, mit solchen Späßen will ich weniger mich erheitern, als dir alle Sorge nehmen, damit du nicht etwa ängstlich wirst, wenn irgendein düsteres Gerücht von anderer Seite zu dir dringt. Denn ich sehe, wenn Gott dich nicht aufrecht hielte, wärest du nicht dem zehnten Teil deiner Aufgabe gewachsen. Du hast meinen letzten Brief erst nach Mitternacht beantwortet; ich tue es nun im Bett nach sieben Uhr, da ich es so bequem machen kann; so vorsichtig werden alte Leute, die das Podagra haben. Doch Scherz beiseite, ich kann mit Worten nicht ausdrücken, wie lieb mir dein Brief war, der mich mitten in die Sache hineinführte. Ist er auch nicht in allem erfreulich, so enthält er doch mehr Fröhliches als Ärgerliches und Verdrießliches. Drei- oder viermal gepriesen sei unser Gott, der uns über die Wolken emporhebt, dass wir zu Füßen des triumphierenden Christus sitzen und von dieser Höhe alle seine und unsere Feinde verachten können! Ich kann dich für deinen Bericht nicht belohnen, es wäre denn, du begnügtest dich mit Schulden statt Gulden. Damit du nun aber auch siehst, dass ich, während Ihr in heißem, ernstem Kampfe steht, hier im Schatten auch etwas plänkle, sende ich dir die Antwort auf Baudouins Büchlein. Hüte dich, es zu tadeln, sonst sage ich, du seiest von der gleichen Partei, wenn du mit dem übereinstimmst, dem es sehr missfallen wird. Merlin hat sich mit seinem Schreiben keine vergebliche Mühe gemacht, wenn ich ihm auch nicht mit gleichem vergelte; denn er hat nun an mir einen Schuldner, der ihm nicht entrinnen kann. Unsere Brüder lassen dich und die übrigen vielmals grüßen. Lebtwohl wieder und wieder, Ihr alle.

7. Oktober 1561.

Dein

Calvin.

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