Calvin, Jean – An Beza in St. Germain (683)

Calvin, Jean – An Beza in St. Germain (683)

Nr. 683 (C. R. – 3542)

Weggelassen sind einige unwichtige Sätze über die Rückkehr der in Frankreich weilenden Genfer Pfarrer. Über Baudouins Wirksamkeit vgl. 675. Er stand im Solde des Königs von Navarra, der aus Furcht für seine Gebiete in Spanien wieder nach Rom schielte. Wegen seiner geringen Fortschritte im Evangelium bezeichnet Calvin den König von Navarra als Schildkröte.

Besorgnis um Bezas Gesundheit. Calvin will nicht nach Poissy.

Gestern habe ich gleichzeitig zwei Briefe von dir erhalten. Wenn es den Bischöfen beliebte und erlaubt worden ist, mit Euch zu disputieren, so seid Ihr jedenfalls jetzt schon tief im Gespräche drin; wenn mich aber nicht alle meine Vermutungen trügen, so wird alle Hoffnung geschwunden sein. Könnten wir dich sobald wie möglich gesund und heil wieder hier empfangen! Meinst du aber, dass ein solches Wegeilen gefährlich wäre, so wollen wir beide unsere Sehnsucht bemeistern. Indessen gib doch den zudringlichen Anforderungen der Leute nicht zu sehr nach, denen weder dein Leben noch das gemeine Wohl der Kirche am Herzen liegt. Ich höre, du seiest schon ganz abgemagert, und wundere mich nicht darüber bei deiner ständigen Überhäufung mit soviel Geschäften. Soviel auch bitter notwendig sein mag, – wenn du deine Gesundheit nicht schonst, so sorgst du schlecht für uns und die Kirche. Übrigens, willst du mir folgen, so führe deine begonnene Arbeit zwar fort, aber beurlaube dich wenigstens für kurze Zeit von Truggestalten, deren honigsüße Schmeicheleien doch nur tödliches Gift ausströmen. Ich möchte die andern zwar deiner nicht berauben, aber eine kurze Abwesenheit wird nur von Nutzen sein, glaube ich, wenn dieser Glaube nicht nur eine Vorspiegelung meiner Sehnsucht, dich wieder zu sehen, ist. Jedenfalls musst du dich nach einer günstigen Gelegenheit umsehen, wie du es übrigens schon von selbst tun wirst. Über das Augsburgische Bekenntnis habe ich eingehend an den Grafen Erbach geschrieben, damit er den bösen Plänen entgegenwirke; ich habe ihm gezeigt, aus welcher Quelle diese Hinterlist fließt und welche Sintflut daraus entstehen könnte. – – – –

Dass die, die Viret als Pfarrer zu haben wünschen, nicht längst ihren Wunsch erfüllt sehen, lag nicht an mir. Er ist jetzt nach Montpellier gereist, weil er einen unserer kalten Winter nicht mehr aushalten zu können glaubte. Gegen Ende des Winters wird er dann in die Gascogne reisen, dem ganzen Lauf der Garonne folgen, dann zu Loire hinüber und bis zur Normandie vordringen.

Es ärgert mich, dass bei gewissen Leuten ohne allen Grund und Vorwand der Verdacht besteht, ich sei eifersüchtig, weil ich nicht auch nach Poissy berufen worden sei. Neulich schrieb mir der Admiral gerade so, als ob er sich entschuldigen müsste, um mich damit auszusöhnen. Und doch kannst du es mir am besten bezeugen, dass ich dieser Aufgabe stets ausgewichen bin. Da ich dich doch bei deiner Abreise noch beschworen habe, kein Wort von mir zu sagen, so gefällt es mir nicht, dass du diesen Liebesdienst, den du mir doch nach meiner Ansicht schuldig warst, nicht ganz geleistet hast. Doch fürchte ich, es ist ihm auch von andrer Seite irgendetwas zugeflüstert worden; denn viele messen mich eben ganz an ihrem Empfinden. Nun, da gute und schlechte Nachrichten in gleicher Weise nach St. Germain kommen, sorgt Ihr ohne Zweifel dafür, das Los der Brüder zu erleichtern, wie es sich ziemt. Die Auvergner sind des Erbarmens im höchsten Grade würdig, und ihre gute Sache muss ihnen Gunst erwerben. Den Lyonern bald zu helfen, liegt im Interesse der ganzen Kirche. Im ganzen umliegenden Gebiet wachen nun die Gewissen aus ihrem Todesschlafe auf; wie von Wespen gestochen, würdest du sagen. Doch ich muss antworten, ich fürchte mich bei dieser neuen Kunde. Denn wie kommt es, dass sie die Übel, an die sie sich so gewöhnt hatten, nun mit einem Mal spüren? Bis du zurückkommst, werden sie dem Geruch der Fährte folgen, wie du im Scherz zu sagen pflegst. Sobald du aber hier sein wirst, wird ihr Spürsinn erlöschen. Lebwohl, bester Bruder, samt Herrn Martire und den andern Kollegen, die ich und unsere Brüder vielmals grüßen lassen. Der Herr sei mit dir; er leite Euch mit seinem Geiste und erhalte Euch gesund durch seinen Schutz.

1. Oktober 1561.

Dein

Carolus Passelius.

Eine kurze Antwort an Baudouin ist im Druck; nächste Woche wirst du sie erhalten. Es war mir in meiner Trauer kein angenehmer Trost, sie zu schreiben; aber man musste die frevelhafte Frechheit dieses Gesellen zurückweisen und ich wollte indirekt auch die Trägheit der Schildkröte strafen. Mag er sich mit solchen Ränken wohl gefallen, wenn wir nur zu seiner Schande das Verderben, das er sinnt, aufdecken dürfen. Deshalb will ich meine Schrift vielleicht auch ins Französische übersetzen lassen; doch bin ich noch nicht entschlossen.

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