Calvin, Jean – An Beza in St. Germain (680)

Calvin, Jean – An Beza in St. Germain (680)

Nr. 680 (C. R. – 3533)

Am 9. September hatte Beza in Poissy in prächtiger Rede den evangelischen Glauben bekannt und dargestellt; die Königin-Mutter und der Hof hatten sich dazu beifällig geäußert, die Prälaten eine Stelle über das Abendmahl herausgerissen und angefochten. De l´Epine (vgl. 676) hatte das überreichte evangelische Glaubensbekenntnis mit unterschrieben.

Bezas Erfolg in Poissy.

Dass du meine zwei letzten Briefe miteinander erhalten hast, ist, wie du siehst, die Schuld des trägen Freundes, der die Besorgung übernommen hatte. Denn da er jeden dritten Tag Boten zur Hand gehabt hätte, so kann er sich nicht entschuldigen, wenn er es bis zum neunten Tag aufschob in seiner Pflichtvergessenheit. Was du mir von der herrlichen Verhandlung schreibst, war mir freilich schon von andrer Seite bekannt; doch war es mir viel lieber, durch deinen Bericht die Sache sozusagen mit Augen zu sehen, als die Erzählungen anderer davon zu hören, die meistens die geschichtliche Wahrheit durch allerlei Ausschmückung verstümmeln. Das war ein ganz glücklicher Tag, an dem den Kirchen die Freiheit errungen wurde, die man ihnen geben musste, die aber sehr schwer herauszubekommen war. Deine Rede ist uns gebracht worden; Gott hat darin wunderbar deinen Geist und deine Zunge gelenkt. Was darin die heiligen Väter ärgerte, musste gesagt werden, wenn du nicht schmählich ausweichen und dich ihren Vorwürfen aussetzen wolltest. Es wundert mich, dass sie nur über den einen Punkt sich aufregten, da andere Stellen sie nicht minder schwer verletzen mussten. Dass durch dieses eine Ärgernis das Gespräch abgebrochen sei, ist törichtes Gerede. Sie hätten hundert andere Anstöße finden können, obwohl sie sich jetzt nur auf einen verbissen haben und so gewissermaßen allem übrigen zustimmen. So ist auch das ganz glücklich ausgefallen. Dass de l´ Epine nun offen und ehrlich Christo die Ehre gibt, freut mich; ich will ihn in einem besondern Brief zum Fortfahren ermuntern. Ich bin nun gespannt zu hören, wie geschickt der Kardinal von Lothringen seine Lappen wieder zusammengeflickt haben wird. Ist nun auch dem Geplänkel ein Ende gemacht, so glaube ich doch nicht, dass es zu ernsthaftem Kampf kommen wird. Wenn ich dich auch bitte, nicht zu früh um Urlaub einzukommen, so leistet mir der Legat doch einen guten Dienst, wenn er dich bald gehen lässt. Ganz mit Recht hast du grüßen lassen, was von Freunden noch übrig ist; ich komme mir wirklich in dem Rest, der noch da ist, ganz vereinsamt vor. Unsere Kollegen lassen dich vielmals grüßen. Lebwohl, bester Bruder. Der Herr leite dich stets; er stärke dich mit unüberwindlicher Festigkeit und Stärke; er sei mit dir bei deinem frommen Wirken und erhalte dich gesund und heil. Bitte grüße alle deine Begleiter. Wenn du wieder länger als zehn Tage nicht schreibst, wie es nun schon wieder geschehen ist, muss ich dich wirklich einen Faulpelz nennen.

24. Sept. 1561.

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