Calvin, Jean – An Beza in St. Germain (679)

Calvin, Jean – An Beza in St. Germain (679)

Nr. 679 (C. R. – 3513)

Im Gefolge des Kardinal-Legaten von Ferrara war unter andern katholischen Theologen auch der Jesuiten-General Jacopo Lainez nach Poissy gekommen. Von den beiden genannten Schriften war die erste doch nicht von Calvins Gegner Baudouin (vgl. 675); sie hießt: „Von der Pflicht eines frommen und die öffentliche Ruhe liebenden Mannes in diesem Religionszwiespalt“ und ihr Verfasser war Georg Kassander, ein Holländer; doch brachte Baudouin sie nach Poissy und vertrieb sie.

Von den Schwierigkeiten und geringen Aussichten des Gesprächs von Poissy.

Gestern wurde mir dein Brief vom 30. August übergeben. Da andere uns so freigebig mit guten Gerüchten füttern, so solltest du dich eigentlich der Sparsamkeit schämen, die uns fast ganz hungrig lässt. Willst du vielen Genüge tun, so profitiere etwas vom Unterricht deiner Gegner, die ja deinen Namen hoch preisen, und lerne etwas frecher schwindeln. Alle andern erzählen Wunderdinge; nur du allein zeigst kaum irgendwelche Hoffnung. Doch Scherz beiseite, – denke daran mir zu schreiben; ich habe nichts lieber, als nach einem schlichten Bericht mir die Lage vergegenwärtigen zu können. Was andere auch meinen, – ich bin einmal überzeugt, was man von einem Gespräch prahlt, ist nichtig. Glaub mir, die Bischöfe werden sich nie zu einer ernsthaften Auseinandersetzung herbeilassen. Zwar zweifle ich nicht daran, dass unter ihnen solche sind, deren Wünsche und Hoffnungen ganz gut sind; aber die, die das Steuer führen, greifen eher zum Äußersten, als dass sie sich so zur Ordnung zwingen ließen. Wenn also der Legat in seinem großen Gefolge auch Theologen mitführt, und wie man einstmals in der Prozession Schaugerichte herumtrug. Also wenn du mir glauben willst, braucht dir das Religionsgespräch keine Sorgen zu machen. Könnten die Gegner die Bedingungen dazu aufstellen, so könnte es vielleicht ein müßiges Geplänkel geben; jetzt wo sie sehen, dass man ihnen Vorschriften gibt, werden sie offen jeden Kampf ablehnen. Die Ankunft des Legaten wird zwar ihren Geist etwas aufblähen; hat der seine Drohungen umsonst verbraucht, so wird, darauf baue ich, alles vorbei sein. Ehe du diesen Brief erhältst, wird man ihn donnern hören; täusche ich mich nicht sehr, so wird aber der Blitz nicht geschleudert, sondern erst eine Weile damit gedroht, ehe er losgeht. Bieten sich aber die Bischöfe, um Euch zu täuschen, doch zum Kampfe an, so habt Ihr ja jetzt den Pietro Martire bei Euch, der nach meiner Berechnung der Tage noch rechtzeitig angekommen sein wird. Obwohl ich dich dringend bat, von mir gar kein Wort mehr zu sagen, hörst du, wie ich sehe, doch nicht auf, etwas zu versuchen. Das ist meines Erachtens unnütz. Mit meiner Vorrede zum Daniel wollte ich mir absichtlich den Weg versperren; nicht als ob ich die Mühe scheute oder der Gefahr ausweichen wollte; aber weil genug taugliche, wohl ausgerüstete Leute da sind, hat es keine Zweck, dass ich auch dabei bin. Tatsächlich sind ja auch alle, außer dir und Merlin, genügend guten Mutes. Meine Ansicht über die aufgestellten Bedingungen für das Gespräch habe ich nicht geschrieben, teils weil ich dachte, mein Rat komme, da die Sache bereits fertig sei, doch zu spät, teils weil es mir höchlichst gefiele, wenn Euch zugestanden würde, was die Brüder darin verlangen. Ich hätte mich an ihrer Stelle gefürchtet, so drückende Vorschriften aufzustellen. Zum Erfolg gratuliere ich gewissermaßen schon, aber ich bin auf den Ausgang sehr gespannt. Du erinnerst dich wohl an das, was ich dir im Voraus sagte: Ihr brauchet Euch nicht zu fürchten; denn aus ihren geheimen Beratungen werde zu ihrer größten Schande ein herrlicher Sieg für Euch hervorgehen, wenn sie Euch auch noch so sehr von oben herab verachten. So müsse man sich hüten, allzu hartnäckig auf völliger Gleichberechtigung zu bestehen, damit man nicht auf Euch die Schuld am Scheitern schieben könne. Das Augsburgische Bekenntnis ist, das weißt du, für Euch einen Furienfackel und könnte einen Brand entzünden, der ganz Frankreich verzehrte. Man muss nur fragen, wozu es denn Euch aufgedrängt werde; seine Unentschiedenheit habe ja doch stets allen tapferen Leuten missfallen, und sein Verfasser habe sie selbst bereut; auch sei es in seinem größten Teil auf speziell deutsche Verhältnisse zugeschnitten; ganz zu schweigen von seiner missverständlichen Kürze und seiner Verstümmelung durch Weglassung einiger hochwichtiger Punkte. Übrigens wäre es unsinnig, das französische Bekenntnis fallen zu lassen und das Augsburgische anzunehmen. Welche Fülle von Streitobjekten würde für die Zukunft damit geschaffen! Denn die Mehrheit wiche doch nicht von dem einmal angenommenen Bekenntnis. Ich rede davon, als wollten der Kardinal und seine Anhänger wirklich und ehrlich das Augsburgische Bekenntnis annehmen. Doch ists ja nur eine List, die gegen Euch gesponnen wird, um die gegenwärtige Verhandlung zu stören und alles durcheinander zu bringen. Zu diesem Zweck ist in Basel auch ein Büchlein erschienen, dessen Verfasser, wie ich vermute oder fast sicher weiß, Baudouin ist. Ich möchte dem Kerl nach Verdienst antworten, aber ich bin mit persönlicher Korrespondenz zu überhäuft, und alle Frische, die ich hatte, ist dahin; doch will ich fortfahren, solang ich kann. Ich höre auch, es sei von ihm zu Paris irgendeine Schrift vom Zusammenhang der Geschichtsschreibung mit der Jurisprudenz erschienen, in der du gehässig drangenommen werdest. Jetzt heißts, er koche mit seinem Kassander ein neues Gift. Ich denke, Ihr werdet schon dafür gesorgt haben, dass wir es durch Eure Hilfe leichter bekommen; ist bisher noch nichts geschehen, so soll der, der kommt, doch jetzt recht eilen. Lebwohl, bester Bruder, samt der ganzen Schar. Der Herr leite Euch mit dem Geist der Klugheit und der Kraft; er behüte Euch und segne Euer Wirken. Unsere Kollegen lassen Euch alle vielmals grüßen, ebenso viele Freunde, die ich nicht alle aufzählen kann. Ach, wäre doch der eine, den der Tod uns entrissen, auch noch darunter!

10. September 1561.

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