Calvin, Jean – An Francisco Stancaro in Polen.

Calvin, Jean – An Francisco Stancaro in Polen.

Nr. 655 (C. R. – 3684)

Über Stancaro vgl. 629. Er hatte Calvin über das Aufkommen des unitarischen Arianismus in Polen geschrieben.

Scharfe Ablehnung und Warnung.

Wenn der Satan nach seiner Art anfängt, den reinen Samen des Evangeliums in Polen mit seinem Unkraut zu verderben und zu zerstören, so missfällt uns das sehr. Ob aber gerade die arianische Irrlehre in jenen Gegenden aufkeimt, wissen wir nicht. Denn deinem Zeugnis allein Glauben zu schenken, wäre nicht anständig, da du ja nicht einmal Bedenken trugst, Philipp Melanchthon öffentlich mit diesem infamen Vorwurf herabzusetzen, von dem doch alle Welt wusste, dass er der Irrlehre des Arius durchaus ferne stand, wie auch wir gut bezeugen können. Denn wir besitzen einen eigenhändigen Brief von ihm, in dem er uns zur Unterdrückung der Lästerungen Servets gratuliert, die Lehre unserer Bekenntnisschrift annimmt und beifügt, die Kirche sei uns für alle Zeiten zu Dank verpflichtet. Was dir in den Sinn kam, einen solchen Mann unverdientermaßen so grausam herunterzureißen, brauche ich gar nicht auszuführen, denn jedes Kind sieht, dass du dich nur durch den Gegensatz zu ihm berühmt machen wolltest, weil du es für schön und ehrenvoll hieltest, dich mit einem Melanchthon im Kampf zu messen. Der Ehrgeiz hat dich so verblendet, dass du nicht einmal bedachtest, wie in seiner Person die ganze evangelische Sache mit Schmach bedeckt und den Ungläubigen zum Gespött gemacht werde. Anerkennst du das nicht, so kannst du überhaupt nicht mehr zur Vernunft kommen, es sei denn, du werdest dir selbst verdächtig. Wir schreiben das nicht in feindseligem Sinn, als wollten wir dich verwerfen und unterdrücken; vielmehr wäre es unser Wunsch, du kämest wieder wie früher zu Ehren, damit die Kirche deine Wirksamkeit nicht entbehren muss. Darauf können wir aber erst hoffen, wenn du dich bezwingen wirst und deinen maßlosen Eifer mäßigst. Sind in Polen Arianer außer Giorgio Blandrata, den wir nicht ungerügt ließen, so werden sie uns als die schärfsten Feinde ihrer Irrlehre erfahren; denn sobald eine solche Gottlosigkeit entdeckt wird, werden wir sie nicht durch Schweigen begünstigen. Du aber mäßige dich in der andern Streitfrage, gib deinen Gedanken nicht allzu viel nach und beharre nicht so hartnäckig auf diesem Streit. Lebwohl, trefflicher, hochberühmter Mann. Gott sei mit dir und leite dich.

[26. Februar 1561.]

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