Calvin, Jean – An die evangelische Gemeinde in Paris.

Calvin, Jean – An die evangelische Gemeinde in Paris.

Nr. 654 (C. R. – 3346)

Die evangelische Gemeinde in Paris hatte Calvin um Sendung eines Genfer Pfarrers, de Morel, gebeten und um Rat gefragt, wie sie sich zum Konzil von Trient und zur Versammlung der Reichsstände in Orleans stellen solle; auch geklagt, dass trotz königlicher Versprechungen noch keiner der um der Religion willen Gefangenen entlassen sei.

Über die Stellung der Hugenotten zum Konzil zu Trient.

Sehr geliebte Herren und Brüder, ich glaube, einer unsrer Freunde hat Euch nun wohl schon einen Brief gebracht und uns mündlich entschuldigt, weil wir Eurem Wunsche nicht nachkommen und den Mann, den Ihr wünscht, nicht senden können. Denn erstens ist bereits einer unsrer Kollegen auf Reisen, und zwei können wir nicht gleichzeitig entbehren; das wäre etwas zu viel, da schon mehrere von uns krank sind und vertreten werden müssen, wie wenn sie abwesend wären. Obwohl ich selbst mich nur so hinschleppe, muss ich eben doch mit Gewalt sozusagen der Stärkste sein. Auch scheint uns, Ihr dürftet schon etwas Rücksicht nehmen auf die gegen uns gerichteten Drohungen, die scharf und heftig genug waren, um viele einzuschüchtern. Dazu ist gerade der, den Ihr wünscht, von neuem wieder krank geworden, so dass er, selbst wenn wir Euch blitzschnell willfahren wollten, unmöglich einen Schritt tun könnte. Was den Rat angeht, den Ihr von uns haben wollt, so haben wir bisher noch nie davon reden gehört. Zwar haben wir durch das Gerücht vernommen, dass das Konzil wieder einberufen werden soll, aber es hat niemand dergleichen getan, als sei es nötig, uns das offiziell anzuzeigen. Ob es nun gut wäre, uns von selbst einzumischen, wissen wir nicht, denn es handelt sich da um die Leitung schwieriger Köpfe. Doch wollen wir Euch nun in Kürze sagen, was wir meinen. Nämlich Ihr hättet Euch um das Konzil gar nicht zu kümmern und weder ein Bekenntnis, noch eine Protestation einzusenden. Erstlich würde das gar nicht angenommen, und man hätte gar keine Gelegenheit, es vorzubringen, und wenn sich das schließlich auch noch gut machen ließe, so gäbet Ihr doch damit den Anstoß zu großen Unruhen ohne irgendwelchen Nutzen. Denn die Feinde hätten dann den schönsten Grund, mit höchster Erbitterung über Euch herzufallen, als hättet Ihr das Land dem Verderben ausgeliefert. Weiter sollt Ihr dem Konzil ruhig seinen Lauf lassen, weil es dort schon Opposition genug geben wird, die sich möglicherweise schon von selbst eine machtvolle Genossenschaft suchen wird. Wenn Ihr Euch das alles näher überlegt, so werdet Ihr finden, dass diese Pläne weder Aussicht noch Grund haben, und dass Ihr Euch dazu ruhig zu verhalten habt. Anders steht die Sache mit der Ständeversammlung. Denn da wird man so gut wie möglich versuchen müssen, den Nachweis zu erbringen, dass dieses Konzil weder ein allgemeines ist, noch überhaupt etwas gilt, da es nur die Fortsetzung des früher abgehaltenen ist, zur Bestätigung von dessen Beschlüssen, die voll Irrlehre und Lästerung sind und durchaus dem Worte Gottes zuwiderlaufen; dass auch keine Gelegenheit, noch Freiheit bestehen wird, abweichende Ansichten zu Gehör zu bringen oder eine richtige Abstellung der Missbräuche zu erreichen, da der Papst gar nicht im Sinn hat, der Notlage der Kirche abzuhelfen, sondern nur, seine Herrschaft zu erhalten. Deshalb müsse der König und sein Kronrat für eine bessere Art und Weise sorgen, ohne von denen etwas zu erwarten, denen es nichts macht, sein Reich und überhaupt alle seine Länder und Untertanen in Verwirrung und Verderben zu stürzen, wenn nur ihr Profit nicht abnimmt. Das könnte natürlich etwas sanfter ausgedrückt werden. Gott wolle Euch dazu seinen Rat geben! In den andern Fragen, die Ihr an uns richtet, hängt die Entscheidung von der Lage ab, die Ihr ja wohl kennt, wie sie jetzt ist und später sein wird; nur muss das Ziel stets sein, – und damit müsst Ihr Euch einfach begnügen – , dass ein erträglicher Zustand geschaffen wird, bei dem nicht mehr arme Unschuldige belästigt und verfolgt werden, und das Blut nicht mehr, wie bisher, nach Belieben vergossen werden kann. Seht auch zu, Euch in rechtmäßiger Weise eine Gelegenheit zu schaffen, die zur Anbringung Eurer Beschwerde günstig ist.

Ihr wisst, dass es nie unser Rat gewesen ist, mutwillig Kirchen an sich zu bringen, wenn man dazu nicht gesetzliche Erlaubnis hat. Wo es geschehen ist, da geschahs zu Trotz. Fährt man so fort, so werden wir der Hand Gottes überlassen, was geschieht. Wir fürchten, dieser heiße Drang könne durch irgendein böses Gewitter stark abgekühlt werden.

Indem wir uns nun Euch und Eurer Fürbitte empfehlen, bitten wir den Vater im Himmel, Euch in seiner Hut zu halten, Euch zu stärken durch die Kraft seines Geistes, Euch zu leiten bei allen Euren Unternehmungen und ihnen glückliches Gelingen zu geben.

26. Februar 1561.

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