Calvin, Jean – An die Herzogin Renata von Ferrara.

Calvin, Jean – An die Herzogin Renata von Ferrara.

Nr. 651 (C. R. – 3316)

Vgl. 633. Renata war die Schwiegermutter des Herzogs Francois de Guise, so dass man von ihrem Einfluss eine Linderung der Verfolgung erwartete.

Zur Rückkehr der Herzogin nach Frankreich.

Madame, wiewohl ich Grund habe, Gott zu danken, dass er Sie auch weiterhin in Gottesfurcht und Gehorsam erhält, so lehrt Sie doch die Erfahrung, wie notwendig weitere Fortschritte und größere Festigkeit sind, und ich hoffe, Sie sind mir stets gewogen, wenn ich sowohl aus der Ehrfurcht, die ich vor Ihnen hege, und aus dem warmen Wunsch für Ihr Seelenheil heraus, als auch für die wachsende Verherrlichung des Namens Gottes durch Sie, mich bemühe, Ihnen dabei nach Möglichkeit zu helfen. Denn ich weiß, Sie haben es gerne, wenn man Sie belehrt, ja selbst an Ihre Pflicht mahnt, und sind gelehrig und geduldig, alles anzunehmen, was, wie Sie wissen, von Gott kommt. Nun, Madame, haben Sie früher gehört, dass man, um auf rechtem Wege zu wandeln, alle Rücksicht auf die Welt vergessen müsse, so gilts zu dieser Stunde, das Gehörte in die Tat umzusetzen. Ich brauche die Schwierigkeiten nicht aufzuzählen, die Sie hindern oder hemmen könnten, Gottes Ehre recht zu dienen, denn Sie spüren sie selbst nur zu gut. Aber umso mehr müssen Sie sich stärken, alles zu überwinden in der Hoffnung, dass der, der es so wohl begonnen hat, es auch vollenden wird. Wappnen Sie sich nur mit seinen Verheißungen und nehmen Sie Ihre Zuflucht zur Kraft seines Geistes, die stark genug ist, Ihnen den Sieg in allen Kämpfen zu geben. Indessen, Madame, bitte ich Sie, ein solches Beispiel zu geben, wie es Gott, – das wissen Sie wohl, – bei der hohen Stellung, zu der er Sie erhoben hat, fordert, damit die Guten Mut fassen und die Bösen sich schämen müssen. Denn es muss diese ja fast umbringen, wenn Sie Gott die Ehre antun, ihm zu Dienst und zu Gefallen die Feinde zu verachten.

Zum Zweiten bitte ich Sie, Madame, wie Sie bisher so schön begonnen haben, so auch weiterhin die armen Glieder Jesu Christi zu unterstützen und für die Ruhe der Kirche zu sorgen. Denn ganz abgesehen davon, dass das, wie Sie wissen, ein Gott wohlgefälliger Dienst, ein Opfer süßen Geruches ist, sollte uns auch das dazu antreiben, dass es in der Schrift heißt, wer die armen Glieder Jesu Christi aufnehme und ihnen helfe, sei ein Gehilfe der Wahrheit Gottes [3. Joh. 8]; und das ist solch ein Ehrentitel, dass uns nichts zu viel sein darf, ihn zu erlangen. Wie die Wanderer sich beeilen, wenn sie die Nacht hereinbrechen sehen, so muss auch Sie, Madame, Ihr Alter mahnen, sich recht anzustrengen, dass Sie ein gutes Zeugnis hinterlassen in dieser Welt und es auch mitnehmen vor Gott und seine Engel, nämlich dass Sie sich die Gemeinde unseres Herrn Jesu Christi mehr angelegen sein ließen als alle irdischen Güter und Ehren. Wenn Sie, Madame, Mut fassen, wie sichs gehört, so hoffe ich, Gott werde Ihre hochgemute Festigkeit so wirken lassen, dass alle Gläubigen mit lautem Mund und einmütig Ihre Rückkehr nach Frankreich segnen und bekennen werden, dass Gott durch Sie sich ihrer erbarmt hat und ihnen die Hand reicht, dadurch, dass er Sie in Ihrem Alter in die Heimat zurückgeführt hat. Da das aber eine Wirksamkeit ist, die menschliche Fähigkeiten übersteigt, so bitte ich Sie, sich täglich dazu anzutreiben und zu ermuntern durch die heiligen Ermahnungen, die uns in der Schrift gegeben sind.

Damit empfehle ich mich usw.

[16. Januar 1561].

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