Calvin, Jean – An Lord Bedford in London.

Calvin, Jean – An Lord Bedford in London.

Nr. 632 (C. R. – 3225)

Francis Russel, Graf von Bedford, war ein Rat der Königin Elisabeth und hatte Calvin kürzlich zwei Studenten empfohlen; Elisabeth unterstützte die schottischen Evangelischen im Kampfe gegen Maria von Lothringen und ihre französischen Truppen. (Vgl. 625, 626)

Man wünscht die Heirat der Königin Elisabeth.

Da ich kürzlich, erlauchter Mann und edler Herr, unserm Kollegen Nicolas des Gallars, den wir zum Pfarrer der Londoner Gemeinde bestimmt haben, einen Brief an dich mitgab, so habe ich dir eben jetzt nichts Neues zu schreiben, als dass, da Frankreich mit Rüstungen zum Krieg in Schottland beschäftigt ist, die fürchterlichen Drohungen, mit denen Genf von allen Seiten her bestürmt wurde, seit kurzem verstummt sind. Denn vor vier Monaten wurde uns der Untergang schon hundertmal zugedacht, und wir sind auch jetzt nicht außer Gefahr, sobald unsere Feinde sonst Ruhe haben; da kams gerade zur rechten Zeit, dass Philipp II. seine Flotte verlor. Die Franzosen hat Eure Königin aufgeschreckt; dass sie nicht wenig Angst vor ihr haben, zeigen sie durch ihre Schmeicheleien. Wenn doch einmal alle Unruhen sich legen und der Kriegslärm verstummten wollte, dass Ihr mehr Ruhe bekämet, die Reformation zu festigen und den Gottesdienst von allen Beschmutzungen zu reinigen, und auch wir, die man ohne Grund vernichten möchte, in Sicherheit blieben! Denn wir haben keinen andern Wunsch, als bei allgemeinem Frieden und ohne jede Schädigung anderer in unserm engen Winkel geborgen zu sein, wie die Schildkröte in ihrer Schale. Da aber viele sich zu unserm Verderben verschworen haben, so möge Gott seine Flügel über uns breiten und uns schützen. Dass man in der den Vorschriften des Evangeliums entsprechenden Ordnung der kirchlichen Verhältnisse bei Euch so langsame Fortschritte macht, bekümmert alle Frommen sehr und, – um dies im Vertrauen zu sagen, – nicht weniger Sorgen macht ihnen der andere Umstand, dass die Königin keine Neigung zeigt, Nachkommenschaft zu erhalten und so für die Nachwelt zu sorgen. Wie denkst du dir die Zukunft, wenn sie kinderlos stürbe? Doch das Interesse und die Sorge um dein Vaterland lässt mich die mir geziemenden Grenzen überschreiten! Aber ich konnte mich nicht enthalten, dir wenigstens die stille Sorge aller, die Euerm Königreich ewigen glücklichen Bestand wünschen, kurz anzudeuten. Indessen freut es mich, dass du, erlauchtester Herr, nicht müde wirst im Eifer um den heiligen Glauben und in der Förderung der Kirche Gottes, und ich bitte Gott von Herzen, dich immer mehr darin zu bewahren, dich reich zu machen an seinen Gaben und in seiner Hut zu halten.

Lebwohl, edelster Mann und hochverehrter Herr.
[Ende Juni 1560.]

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