Calvin, Jean – An Blaurer in Winterthur (625)

Calvin, Jean – An Blaurer in Winterthur (625)

Nr. 625 (C. R. – 3205)

Weggelassen ist ein mit den Briefen 622, 623 fast gleich lautender Bericht über die Verschwörung von Amboise.

Genf schwer bedroht.

– – Nun, da die Ruhe wieder einigermaßen hergestellt ist, fangen jene Henker an grausam zu wüten, und hemmte nicht der Krieg in Schottland ihre Toben, so wäre die Lage der Evangelischen in Frankreich noch weit schlimmer. Uns und der Stadt Genf droht man ganz besonders. Denn sie meinen, hier würden alle Unruhen angezettelt, oder besser, um einen Vorwand zu haben, geben sie vor, es zu meinen. Diesen ganzen Monat fast glaubten meine Nachbarn, es sei um uns geschehen; aber mich werden sie nicht dazu bringen, mich auch zu fürchten; auch sah ich keinen Grund zur Furcht. Drohen größere Gefahren, so wollen wir im Vertrauen auf Gottes Schutz den Ausgang ruhig abwarten. Was auch geschieht, wird der Vater im Himmel zu unserm Besten wenden; auch wird ihn vielleicht die Rücksicht auf die ganze Kirche bewegen, sich unser zu erbarmen. Verzeih, dass ich nicht eigenhändig schreibe, sondern vom Bette aus diktiere; ich muss gewöhnlich die halbe Zeit liegen, um wenigstens einige Stunden zu haben, wo ich mich wohl befinde. Lebwohl, edelster Mann und von Herzen verehrter Bruder. Der Herr sei stets mit dir; er leite dich und segne dein frommes Wirken. Viret, Beza und meine andern Kollegen lassen dich vielmals grüßen.

Genf, 28. Mai 1560.
In Wahrheit der Deine
Johannes Calvin.

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